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Rundherum wird gebaut: Seit Jahrzehnten wird nach einer Lös ung für die 1907/08 erbaute Villa an der Rieder Straße gesucht. 

Denkmalschutz

Privatmann will alte Villa retten

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Die alte Villa an der Rieder Straße in Herrsching: Wie lange war das Schicksal des geschützten Gebäudes ungewiss. Nun gibt es gleich mehrere Vorschläge.

Herrsching – Die alte Villa an der Rieder Straße in Herrsching ist seit vielen Jahrzehnten unbewohnt – und immer wieder im Weg. Irgendwann kam sie auf die Denkmalliste und blieb dort. Der Gemeinderat hatte es so gewollt. Zunächst. Als er seinen Antrag wenige Monate später zurückzog, war es zu spät. Bis heute ist die verfallene Villa auf der Liste der Baudenkmäler vermerkt. Tatsächlich scheint es aktuell einen Privatmann zu geben, der ziemlich viel Geld in die Hand nehmen will, um die Ruine wieder herzurichten. Allerdings unter Bedingungen.

Wie ein Relikt vergangener Zeiten sticht die alte Villa zurzeit aus all den Rohbauten um sie herum hervor. Einst eine verwunschene Idylle rund um das Gemäuer, entstehen dort gerade 36 Wohnungen, 17 Reihenhäuser, vier Doppelhäuser und fünf Einfamilienhäuser. Sie waren zum Teil einmal als Einheimischenmodell geplant, sind aber für den Normalverdiener heute kaum erschwinglich. Immerhin hatte sich die Gemeinde ein großes Grundstück für eine Kinderbetreuungseinrichtung sichern können. Dieses Vorhaben ist in Vorbereitung. Wie berichtet, muss es bis 2024 in Betrieb sein, sonst fehlen der Gemeinde Betreuungsplätze.

Im Jahr 1995 war um die alte Villa herum ein Seniorenstift geplant. Lange wurde in diesem Zusammenhang um den Erhalt beziehungsweise den Abriss der alten Villa gekämpft. Auf Antrag der SPD war die Villa im Juli 1996 in die Denkmalliste aufgenommen worden. Ein knapper Mehrheitsbeschluss. Der Gemeinderat hatte nicht damit gerechnet, dass der Eintrag so schnell erfolgt, als er schon im November darauf den Beschluss zurückzog. Wieder ein Mehrheitsbeschluss. Die Fachbehörden hätten die Streichung von der Liste mit Bedauern abgelehnt, allein der Denkmalrat könne diesem Wunsch noch entsprechen und müsse entscheiden. Dieser habe angehört werden sollen, sagt Herbert Stark, „eine Stellungnahme gibt es aber bis heute nicht“. Stark ist Projektentwickler und hatte das Grundstück 2011 von den Straubinger Seniorenstiftplanern erworben. Die alte Villa wurde in Starks Pläne integriert, in der Hoffnung, es würde sich jemand ihrer erbarmen.

Stark spricht von drei Gutachten, die belegen, dass eine Sanierung ein Fass ohne Boden sei. „Die Sanierungskosten waren schon 1995 höher als ein Abriss und Neubau. Den Schwamm bekommt man nicht raus“, meint er. „Wie kann ich da eine Gewährleistung erfüllen?“ Er und sein Partner in der Projektentwicklungs-GmbH ließen die Finger davon. Sie legten das Schicksal in die Hände der neuen Eigentümer, die das gesamte Gebiet kauften. Bevor die Villa bezahlt war, hatte sie Stark aber wieder zurück und stritt weiter mit den Denkmalschützern.

Das Landesamt für Denkmalschutz hatte schließlich Architekten vorgeschlagen, gemeinsam eine Lösung zu finden für das 3000 Quadratmeter große Grundstück, zu dem auch eine 10 000 Quadratmeter große Waldfläche gehört. Diese Lösung gibt es offenbar und schlage den Umbau in sechs Wohneinheiten oder 13 Mikroappartements vor. Stark kann kaum fassen, dass die Denkmalpfleger angesichts der dafür notwendigen Maßnahmen mit dieser Lösung leben könnten, ganz abgesehen von der Stellplatzfrage. „Wichtig war ihnen wohl der Erhalt von Hallenvertäfelung und Treppe“, mutmaßt der Unternehmer, der in Breitbrunn lebt. Mehr sei eigentlich auch nicht erhalten.

Bevor über diese Lösung weiter nachgedacht werden konnte, meldete sich jedoch ein Interessent. Denn die Villa war weiter zu einem Drittel von dem Preis im Angebot, den der aktuelle Investor Bauwerk Capital hätte zahlen sollen. Ein Schnäppchen sei die Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute Villa mit einer Wohnfläche von 270 Quadratmetern deshalb noch lange nicht. Stark schätzt die Sanierungskosten inklusive Brand- und Wärmeschutz auf 7500 Euro pro Quadratmeter, also auf mehr als 3,5 Millionen Euro. Dem Interessenten sind die Umstände bekannt. Er habe schon einmal ein Denkmal für sich und seine Familie saniert und verfüge über die entsprechenden Mittel, so Stark. „Der Interessent hätte nur gerne die Straße ein Stück versetzt, die durch das Grundstück führt.“ Dass er mit der Gemeinde im Gespräch ist, bestätigt Bürgermeister Christian Schiller. „Man muss sehen, wie der Gemeinderat entscheidet“, sagt Stark. Zur Not wird der Vorschlag mit den separaten Wohneinheiten oder Mikroappartements wieder aus der Schublade geholt.

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