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Zur Vorbereitung der Briefwahl hatte Bürgermeister Christian Schiller alle Mitarbeiter mobilisiert, die Kapazitäten haben – auch Rathausfremde wie Martina Richly (Mitte), die normalerweise in der Gemeindebücherei arbeitet. Auch Iris Zweckerl von der Gemeindekasse half beim Kuvertieren der Briefwahlunterlagen mit. 

Verwaltung in der Corona-Krise

Rathaus im Ausnahmezustand

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Die Rathäuser im Landkreis sind zu. Dennoch wird drinnen gearbeitet. Ein Einblick.

Herrsching – Die Menschen, die dieser Tage in die Rathäuser kommen, stehen vor verschlossenen Türen. Nahezu überall sind Kontakte nur nach vorheriger Terminvereinbarung möglich. Wer doch kommt, muss sich in Herrsching mit den Mitarbeitern durchs Fenster unterhalten. Immerhin steht man nicht im Freien, sondern im Foyer. Bürgermeister Christian Schiller wurde am Freitag in kurzen Abständen immer wieder ins Einwohnermeldeamt gerufen. Dabei ging es nicht nur um Problemfälle im Publikumsverkehr. Es galt auch, die Briefwahl für die bevorstehende Stichwahl am kommenden Sonntag, 29. März, vorzubereiten. „Bei uns herrscht Ausnahmezustand“, sagte Schiller.

„Aktuell kommen eine Verfügung und Anweisung nach der anderen. Im Stundentakt“, erzählte Schiller. Das Coronavirus hat die Rathäuser fest im Griff. Als wenn dies allein nicht genug wäre, fehlten in Herrsching am Freitagvormittag etliche Wahlumschläge und das Merkblatt zur Wahl. Spätestens Montagfrüh müssen die Unterlagen aber zur Post gebracht werden, um spätestens am Mittwoch bei den Wählern im Briefkasten zu liegen. Für viele Mitarbeiter bedeutete dies nach dem anstrengenden Wahlwochenende zuvor weitere Überstunden.

Briefwahl bei Stichwahl stellt Rathäuser vor große Herausforderung

„Die Druckerei kommt nicht nach“, bedauerte Schiller, der am Freitag ungeduldig auf die Nachlieferung wartete. Um die weitere Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen, hatte die Bayerische Staatsregierung verfügt, dass die Stichwahlen März ausschließlich als Briefwahl stattfinden. Herrsching ist also kein Einzelfall. Weil Herrsching allerdings am Wahltag ein technisches Problem hatte und die Auszählung von drei Wahllokalen manuell erfolgen musste, stehen noch immer Kartons mit Unterlagen in den Rathausfluren. Und die Briefwahl für alle wird zur Herausforderung.

Mitarbeiter von Bücherei, Bauhof und Kindergarten helfen bei Wahlvorbereitung

Im Sitzungssaal in Herrsching warteten unterdessen auch Mitarbeiterinnen wie Martina Richly auf weitere Umschläge und Merkblätter. Sie ist normalerweise in der Bücherei beschäftigt. Diese ist aber wie überall geschlossen und nur mit einer Notbesetzung für die Online-Ausleihe besetzt. Dasselbe gilt für Mitarbeiter von Gemeindekindergarten und Bauhof. Wer dort zurzeit nicht gebraucht wird, wurde zur Vorbereitung der Briefwahl in Rathaus gerufen.

Christian Schiller hatte schon mit Beginn des Übergreifens der Pandemie ein Krisenteam eingerichtet, das sofort reagieren kann. Eine Mitarbeiterin aktualisiert die Verfügungen und Anweisung auch an Wochenenden laufend online, sodass jeder Bürger auf der Internetseite der Gemeinde aktuell informiert ist. Zum Beispiel war nicht klar, ob die Schuleinschreibung vergangene Woche stattfinden konnte oder nicht. Sie fand statt. Sie musste, denn „gleichzeitig läuft das Anmeldeverfahren für die Kindergärten“. Ohne das eine kann das andere nicht funktionieren, weil ansonsten die Zahlen fehlen. Und dann die vielen Anrufe wegen der bestehenden Beschränkungen, etwa Spielplatzschließungen. „Unsere Bauhofmitarbeiter wurden richtig beschimpft, als sie die Flatterleinen anbrachten“, sagte Schiller. „Und wo rufen die Leute dann an? Im Rathaus.“ Selbst Schiller, für den Krisenmanagement kein Fremdwort ist, wirkte am Freitag erschöpft.

Als kurz nach 10 Uhr schließlich Umschläge und Merkzettel geliefert wurden, war er froh, dass wenigstens das Kuvertieren der Wahlunterlagen fortgesetzt werden konnte. Samstagmittag waren dann auch die letzten der 8400 Briefwahlunterlagen auch schon frankiert.

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Alle Ergebnisse der Kommunalwahl im Landkreis Starnberg. Um den Posten des Landrats gibt es eine Stichwahl.

So zufrieden war Bürgermeister Christian Schiller mit seinem Wahlergebnis.

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