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Live aus der Herrschinger Nikolaus-Kirche: Redakteurin Anja Wonner erläutert den „Knigge“ für die Fernsehgottesdienst-Teilnehmer.

ZDF überträgt live aus der St.-Nikolaus-Kirche - Die Kommunion gibt es für viele Gläubige erst nach dem Schlusssegen

Rund eine Million Zuschauer dabei: So lief der TV-Gottesdienst aus Herrsching

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Ganz unerfahren war Simon Rapp nicht, aber als Pfarrer war es auch für ihn eine Premiere. Genauso wie für die Mitglieder des Pfarrverbandes Ammersee-Ost. Aus der Herrschinger St.-Nikolaus-Kirche ist am Sonntag erstmals ein Fernsehgottesdienst live übertragen worden.

Herrsching – Wenn Thomas Gottschalk, Barbara Schöneberger, Kai Pflaume und Co. mit ihren Unterhaltungsshows den Zeitrahmen überspannen, raufen sich hinter den Kulissen die Regisseure zwar die Haare, ändern können und wollen sie es aber nicht. Schließlich sind es Live-Sendungen, die ihre Spannung vielfach von der Spontaneität und von unvorgesehenen Ereignissen beziehen. Die Live-Übertragung eines Fernseh-Gottesdienstes hingegen wird im Detail geplant und einstudiert. Da muss alles bis auf die Minute, nein bis auf die Sekunde passen.

Das galt auch für den ersten Fernsehgottesdienst, den das ZDF am Sonntag aus der Herrschinger Pfarrkirche St. Nikolaus sendete. Um den Zeitrahmen am Tag X einzuhalten, begannen die praktischen Vorbereitungen bereits drei Tage zuvor. Das Schiff im Altbestand des Gotteshauses war bald als solches nicht mehr zu erkennen. In den Gängen und zwischen den Bänken türmten sich die Kiste und Container mit der Ausrüstung des Produktionsteams.

Den Lichttechnikern trieb es unterdessen die Sorgenfalten auf die Stirn. Der Beleuchtungschef war mit den vorhandenen Lichtverhältnissen überhaupt nicht zufrieden. Als erstes ließ er die Glaskuppel über dem Altarraum mit Stoffbahnen abdecken, um die natürliche Einstrahlung abzuschwächen.

Die einzelnen Stationen des Kreuzweges an den Steinwänden der Kirche tauchten die Techniker von unten in warmes gelbes Licht. Sie positionierten mehrere lumenstarke Kameraleuchten auf Stativen oder montierten sie an die Brüstung der Orgelempore. An der Rückwand des Kirchenschiffs installierte das Team unter Einbeziehung der hintersten Sitzreihen die Aufnahmetechnik. Und in einem Raum neben der Sakristei nistete sich die Regie ein.

Das alles hatte seine Auswirkungen auf das Ambiente und die Atmosphäre der Nikolaus-Kirche. Wer eine Kirche außerhalb von Gottesdienstzeiten besucht, will beten, für einen Moment innehalten oder manchmal auch nur etwas Abkühlung finden – vor allem wenn draußen die Temperaturen tropisches Niveau erreicht haben.

Am Sonntag hat die Herrschinger Kirche das Flair einer Saunalandschaft. Auf gefühlt 38 Grad ist das Kircheninnere aufgeheizt. Da ist die zwischenzeitliche Flucht vor das Kirchenportal eine angenehme Abkühlung. Wer zum Fernsehgottesdienst hemds- oder blusenärmelig erscheint, ist im Schwitzvorteil gegenüber den Gläubigen, die den „Sonntagsstaat“ mit Janker, Blazer oder Kostüm angelegt haben. Für 9.30 Uhr ist der Sonntagsgottesdienst angesetzt (statt wie gewohnt 11.30 Uhr) Die Teilnehmer sind aber schon für 9 Uhr zum „Warm up“ gebeten. Denn den Kirchgängern soll eingebläut werden, was von ihnen als Fernsehdarsteller erwartet wird und was sie tunlichst unterlassen sollten.

Anja Wonner (Redaktion Katholische Fernseharbeit der Deutschen Bischofskonferenz) kennt den Job. Sie weiß, wie man die Aufmerksamkeit des Publikum auf seine Seite zieht. „Sie sind für den Fernsehgottesdienst ausgewählt worden, weil Sie die beste Gemeinde im Bistum sind“, umwirbt Wonner die Herrschinger. Sie dankt dem Pfarrgemeinderat für das Catering, lobt die Mitwirkung der Lektoren, des Inninger Gospelchors, des Kantors und der anderen helfenden Hände hinter den Kulissen.

„Weil Sie heute für eine Million Zuschauer das Aushängeschild für ganz Oberbayern sind, ist das Wichtigste: immer schön freundlich sein“, gibt die Redakteurin die Losung aus. Weitere Benimmregeln: „Gut mitsingen, Handys aus, Kaugummis entfernen und nicht in die Kamera winken“, was lautes Gelächter in den Kirchenbänken auslöst.

Zu diesem Zeitpunkt ist Pfarrer Simon Rapp der erste dicke Stein vom Herzen gefallen: Die Reihen sind dicht geschlossen. Zur Steigerung der Optik bittet er einige Gläubige, in der ersten Reihe kleine Lücken zu schließen.

Um 9.25 Uhr stellt sich Rapp mit elf Ministranten am Haupteingang auf. Nach einem kurzen Zug am Glockenspiel bei der Sakristeitür spielt die Orgel das Intro. Eine der drei wieselflinken fahrenden Kameras verfolgt den einziehenden Altardienst samt Pfarrer auf deren Weg zur Apsis. Der Fernsehgottesdienst hat begonnen.

Während der Eucharistiefeier muss die Verteilung der Hostien abgebrochen werden. Zu viele Gläubige des voll besetzten Kirchenschiffs wollen den Leib Christi empfangen. Sie werden zurück auf ihre Plätze gebeten, denn die Live-Übertragung muss fortgesetzt werden. Von all’ dem bekommen die Fernsehzuschauer nichts mit. In der Zeit der Gabenverteilung wird ihnen ein Einspieler gezeigt, der am Samstag im Umfeld der Europakapelle bei Breitbrunn gedreht wurde.

Nach dem Schlusssegen und dem Abschiedsgruß an die Gemeinde „Gehet hin in Frieden“ fällt Pfarrer Rapp ein zweiter Stein vom Herzen. Es ist geschafft. Die Schlussakkorde setzt der Inninger Chor mit „Amazing graze“. Ein letzter Kameraschwenk über die Gemeinde beendet nach 44 Minuten und 22 Sekunden die Live-Übertragung.

Pfarrer Simon Rapp bleibt noch, die abgebrochene Gabenverteilung fortzusetzen. Der Satz „Der Leib Christi“ kommt ihm mit einem entspannten Lächeln über die Lippen.

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