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Auch Schäden durch Graffiti-Sprayer hofft die Gemeinde durch einen Streetworker dezimieren zu können.

Jugendarbeit

Neue Wege gegen Vandalismus

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Strafprävention statt Strafverfolgung: Die Gemeinde Herrsching spricht sich für die Einstellung eines Streetworkers in Teilzeit aus. Der Sozialarbeiter soll da ansetzten, wo Polizei und Ordnungsdienst nicht weiterkommen.

Herrsching – Der Job eines Streetworkers ist nicht jedermanns Sache. Das konnte Julia Schmidbauer, die den Fachbereich Soziales im Rathaus Herrsching betreut, den Gemeinderäten in der jüngsten Sitzung versichern. In Teilzeit noch viel weniger. Trotzdem stimmte das Gremium mit großer Mehrheit dem Antrag der SPD-Fraktion zu, eine 19,5-Stunden-Stelle für 2020 auszuschreiben.

„In den letzten vier Jahren haben Vandalismus und Zerstörungen im öffentlichen Raum durch Jugendliche stark zugenommen“, erklärte die SPD in ihrem Antrag zur Begründung. Polizei und Ordnungsdienst stünden den jugendlichen Tätern strafverfolgend gegenüber, ein Streetworker dagegen habe völlig andere Ansatzpunkte mit dem Ziel der Strafverhinderung.

Das Thema Streetworker war zum ersten Mal 2016 in der Gemeinde Herrsching aufgekommen. Julia Schmidbauer selbst war bis Ende September 2016 Gemeindejugendpflegerin und arbeitete im Jugendhaus „Stellwerk“. Heute ist die Jugendpflege ihrem Fachbereich zuordnet. Schon damals sei die Idee gewesen, dass das jemand aus dem Jugendhaus übernehme, erinnerte sie. „Aber das funktioniert nicht“, sagte Schmidbauer.

Als sie selbst noch Jugendpflegerin war, hatte sie für Herrsching eigentlich keinen Bedarf gesehen. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre erkennt sie diesen aktuell schon. Aber wie erwähnt, losgelöst von der Arbeit der Jugendpfleger im Jugendhaus. In Weilheim habe man die Konstellation Jugendpfleger/Streetworker ausprobiert, berichtete sie. Die Mitarbeiter dort seien dann aber schnell in einen Rollenkonflikt geraten.

Die Arbeit eines Streetworkers habe ein anspruchsvolles Aufgabenfeld, erklärte die Sozialpädagogin. Deshalb ergebe es ihrer Meinung nach auch keinen Sinn, die Stelle nur befristet einzurichten. Gleichwohl wäre eine Teilzeitstelle möglicherweise für Herrsching ausreichend. Es sei aber nicht so einfach, eine qualifizierte Fachkraft in Teilzeit zu finden. „Die Arbeitszeiten sind auch unangenehm“, merkte sie an. Auf Dauer, so ihre Einschätzung, sei auf jeden Fall ein eigenes Büro notwendig.

Für eine Teilzeitstelle errechnete Julia Schmidbauer Personalkosten in Höhe von 40 600 Euro im Jahr. Der Landkreis würde die Arbeit mit maximal 8000 Euro im Jahr unterstützen. Schmidbauer wiederholte aber, dass sie bei der Ausschreibung einer befristeten Stelle schwarz sehe.

Trotzdem fand der Antrag der SPD zum großen Teil Zuspruch. In den Reihen der CSU weniger. Willi Welte zum Beispiel hatte „da schon ein Problem“, wie er sagte. „Bei uns ist im Sommer der Teufel los. Was macht der im Winter?“ Julia Schmidbauer hatte keine Zweifel, dass im Winter Überstunden abgebaut werden müssten. Thomas Bader (CSU) wollte die Entscheidung lieber bis nach den Haushaltsberatungen vertagen, fand aber keine Mehrheit. Mit 17 gegen acht Stimmen soll die Verwaltung im Haushalt 2020 eine unbefristete Stelle in Teilzeit einplanen und einen Antrag auf Förderung beim Landkreis stellen.

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