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Gefeiert wird im Kurparkschlösschen

„Frauen helfen Frauen“

Von der Garage ins Schloss

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Als der Verein Frauen helfen Frauen vor zwei Jahren verzweifelt auf der Suche nach neuen Vorstandsfrauen war, waren Ursel Wrede und Liesel Baumann zur Stelle. Seit eineinhalb Jahren sind sie geschäftsführende Vorstandsmitglieder und aktuell dabei, das 30. Jubiläum vorzubereiten. Es steht unter dem Titel „Von der Garage ins Schloss“. Denn in einer Garage fing alles an, und gefeiert wird mit geladenen Gästen nun im Kurparkschlösschen.

Herrsching – Die Garage gehörte Familie Schief in Herrsching. „Da haben wir unser erstes Beratungstelefon eingerichtet“, erzählt Ursula Galli. Die Friedingerin stieß wenige Wochen nach der Vereinsgründung zu den engagierten Frauen rund um Traudl Wischnewski. „Das war alles sehr aufregend für uns“, so Ursula Galli.

Es war die Zeit der Frauenbewegung. Häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch waren 1989 Tabu-Themen. Konkrete Erfahrungen missbrauchter Frauen führten dazu, dass aus einer „Grünbunten Frauengruppe“, die sich damals regelmäßig im ehemaligen Herrschinger KommHer getroffen hatte, der Verein Frauen helfen Frauen gegründet wurde. Ziel war es vor allem, einen Notruf einzurichten, eine Anlaufstelle für Frauen in Not. „Eigentlich hätten wir uns gewünscht, dass der Verein irgendwann nicht mehr notwendig ist“, sagt Ursula Galli. Ein konstanter Schnitt von jährlich etwa 110 Ratsuchenden und 527 Beratungen im vergangenen Jahr machen aber deutlich, dass es noch ein langer Weg dahin ist. „Auch wenn sich durchaus einiges in der Gesellschaft geändert hat“, räumt Ursula Galli ein. „Wir haben das Tabu durchbrochen, das ist wohl die größte Errungenschaft“, sagt sie.

Die erste Gemeinde, die die Notwendigkeit des Vereins erkannte und ihn unterstützte, sei Andechs gewesen, mit Karl Roth damals als Bürgermeister. Während andere das Thema weit von sich schoben, „weil es das bei uns im Landkreis ja nicht gegeben haben soll“, hätte Roth als ehemaliger Kriminalbeamter ganz andere Erfahrungen gemacht und geholfen.

Nur allmählich schlossen sich auch andere Kommunen im Landkreis an. Der Verein zog aus der Garage erstmal ganz oben in den Glockenturm der evangelischen Kirche. Direkt unter die Glocken, „das war sehr interessant, wenn sie schlugen“, erinnert sich Ursula Galli. Die Toiletten waren dafür ganz unten und im Winter nicht zu nutzen, weil das Wasser abgedreht war. Nächste Station war ein Zimmer in Traudl Wischnewskis Privatwohnung. Der Landkreis hatte finanzielle Unterstützung zugesagt, wenn der Verein einen 24-Stunden-Notruf gewährleisten würde. Jedes Vorstandsmitglied war deshalb mal dran, und die Gründungsvorsitzende wurde in Teilzeit fest angestellt.

2009 ging Traudl Wischnewski in den Ruhestand. Ihren Platz übernahmen zwei Mitarbeiterinnen an einer neuen Adresse an der Mühlfelder Straße. Mitstreiterinnen vom Anfang wie Ursula Galli, Christel Schief, Verena Spitzer oder Annette Hilbert blieben dabei. Erst 2017 wurde ein komplett neuer Vorstand gewählt. Dieser muss heute keinen Notruf mehr bedienen, dafür gibt es unterdessen eine bundesweite Rufnummer. „Wir kommen mit den Betroffenen gar nicht mehr in Kontakt“, sagt Ursel Wrede. Dafür sind allein die Teilzeitkräfte Claudia Sroka und Cordula Trapp zuständig.

Ursula Wrede und Liesel Baumann haben viel vor – vor allem mehr Öffentlichkeitsarbeit. „Wir wollen den Verein bekannter machen, denn die Dunkelziffer ist hoch.“ Eine Studie belege, dass nur fünf Prozent der misshandelten Frauen Anzeige erstatteten. Runtergebrochen auf den Landkreis Starnberg würde dies bedeuten, dass es 3000 Betroffene geben könnte. „Wir wären für sie da, das kann auch komplett anonym erfolgen.“

Es ist Zufall, dass das Jubiläumsfest genau auf das Datum fällt, an dem der Verein vor 30 Jahren eingetragen wurde, auf den 27. Juni. Traudl Wischnewski wird nicht mitfeiern können, sie verstarb am 29. Juni vor sieben Jahren.

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