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Gut besucht, aber weniger als in der Vorjahren: die Bürgerversammlung der Gemeinde Herrsching in der Martinshalle. 

Bürgerversammlung

Herrsching knackt bald 11 000-Marke

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Knapp 250 Herrschinger waren es in diesem Jahr, die zur großen Bürgerversammlung in die Martinshalle in Herrsching kamen. Schon am Donnerstag steht die Ortsteilversammlung in Breitbrunn auf dem Plan: ab 19 Uhr im Mehrzwecksaal.

Herrsching – Bürgermeister Christian Schiller überließ das Thema Gymnasium und den angestrebten Bürgerentscheid dazu Landrat Karl Roth. Schiller versuchte am Donnerstagabend, sich kurz zu fassen in der Bürgerversammlung, aber dazu gab es dann doch zu viel zu erzählen – von fast 11 000 Einwohnern, die Herrsching bald zählt, von zugezogenen Bibern und dass es in diesem Jahr keine neuen Pflanztröge gibt. Am Ende war es gleichwohl das Gymnasium, das die Versammlung mit knapp 250 Besuchern in der Martinshalle beherrschen sollte, und der Antrag von einer Mutter eines Realschülers, den die Versammlung aber ablehnte.

Wie berichtet, sind die Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen den Gymnasium-Standort am Mühlfeld abgegeben worden. Am 25. Februar entscheidet der Gemeinderat darüber, ob das Begehren zulässig ist und ob ein Ratsbegehren nachgeschoben wird. Landrat Roth wiederholte in der Martinshalle, dass dieses Bürgerbegehren die Pläne für ein Gymnasium nur verzögern, den Bau am Mühlfeld aber nicht verhindern werde. Schließlich sei der Landkreis Bauherr, und der Kreis sei weder der Wohnraumbeschaffung noch dem Bau einer Event-Arena verpflichtet, sondern dem Bau weiterführender Schulen.

„Aktuell müssen 550 Schüler täglich den Landkreis verlassen, um ein Gymnasium zu besuchen. Da interessieren mich Wohnraum und Event-Arena nicht“, sagte Roth. Denen, die noch überlegen würden, dem Bürgerbegehren für den Standort an der Seefelder Straße zuzustimmen, versicherte er: „Der Landkreis geht nicht auf ein anderes Grundstück.“

Eben dieser Zusammenhang mit dem Bürgerbegehren leuchtete weder Jürgen Bocklade-Ryannel noch Christian Schoppmann ein, beide Väter kleiner Kinder, die idealerweise in Herrsching ein Gymnasium besuchen sollen. Schoppmann folgerte aus Roths Worten, dass sich die zweite Frage im Begehren erledigt hätte, die die Gemeinde auffordert, Grundstücksverhandlungen zum Bau eines Gymnasiums an der Seefelder Straße aufzunehmen. Und weil sich beide Väter bei all den Informationen, die von der jeweils anderen Seite als falsch bezeichnet wurden, nicht mehr auskannten, holte Bürgermeister Schiller noch einmal seine Präsentation hervor, die er auch schon im Gemeinderat vorgestellt hatte (wir berichteten). Und er verwies auf die Möglichkeit, dass Unterschriften für das Bürgerbegehren schriftlich zurückgezogen werden können.

So sehr Eltern in Herrsching für ein Gymnasium kämpfen, so sehr kämpfen Eltern von Realschülern in Herrsching für einen sicheren Übergang der Rieder Straße. Die so genannte Druckampel, die es in Richtung Ortsausgang hinter den Schranken gibt, liegt nicht auf dem Schulweg und wird wenig genutzt. Hunderte Kinder queren die Straße auf Höhe der Siglstraße, die sie als Abkürzung auf dem Weg von und zur S-Bahn nehmen. Polizei und Staatliches Bauamt lehnen eine Querungshilfe ab, im Zuge des Verkehrskonzeptes wollte die Gemeinde dennoch eine Verkehrsinsel in diesem Bereich erstellen. 200 000 Euro wollte sie dafür investieren, nachdem 250 Eltern einen entsprechenden Antrag unterschrieben und abgegeben hatten. Im November wurde der Gemeinde dann versichert, dass es eine Bahnunterführung geben werde, sobald die zweite Stammstrecke fertig ist. Da die Ausgaben dann umsonst wären, hatte sich der Gemeinderat entschieden, das Geld zu sparen. Die Planung für eine Verkehrsinsel landete in der Schublade.

Erika Becker-Althammer forderte am Donnerstag, diesen Beschluss zu überdenken, und stellte den Antrag, die Querungshilfe zu bauen – „wenn das mit der Stammstrecke noch mal zehn Jahre dauert, lohnt es sich schon“. Sie fand in der Martinshalle aber keine Mehrheit. Ihr Antrag wurde mit 44 zu 33 Stimmen abgelehnt. Die Hoffnung liegt nun auf der zweiten Stammstrecke, die 2026 in Betrieb gehen soll.

1000 Schüler sind es mittlerweile, die in der Realschule unterrichtet werden, für 600 bis maximal 900 wird das Gymnasium konzipiert, das der Landkreis im Mühlfeld bauen will. Am Freitag stand das dritte Planungstreffen im Landratsamt statt.

Und die Gemeinde Herrsching wächst weiter. Zum Jahreswechsel 2006/07 war die 10 000-Einwohnergrenze überschritten worden. Aktuell zählt Herrsching 10 964 Einwohner. Zum Vergleich kann man Dießen heranziehen: Die Marktgemeinde knackte etwa gleichzeitig mit Herrsching die 10 000er-Marke und hat aktuell 10 781 Einwohner mit Hauptwohnsitz gemeldet. „30 fehlen uns noch“, freute sich Schiller, wohl wissend, „dass das schnell gehen, aber auch dauern kann“. Erstaunlich ist es gleichwohl, denn die Seegemeinde hat topografisch wenig Erweiterungsspielraum. Umso wichtiger ist Schiller die Schaffung bezahlbaren Wohnraums für die nächsten Generationen. Und dies nach einem System, bei dem die Belegung in kommunaler Hand bleibe und nicht in der Hand von Genossenschaften falle, versprach er.

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