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Die Welt ohne Verpackung

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Freuen sich auf ihr neues Geschäft: Birgit Grosse (l.) und Sibylle Ulman eröffnen am kommenden Dienstag, 15. Februar, an der Bahnhofstraße in Herrsching den ersten Unverpacktladen am Ammersee-Ostufer. Der Vorteil unseres Ladens ist, dass man auch kleine Mengen kaufen kann. Birgit Grosse vom Unverpacktladen in Herrsching
Freuen sich auf ihr neues Geschäft: Birgit Grosse (l.) und Sibylle Ulman eröffnen am kommenden Dienstag, 15. Februar, an der Bahnhofstraße in Herrsching den ersten Unverpacktladen am Ammersee-Ostufer. Der Vorteil unseres Ladens ist, dass man auch kleine Mengen kaufen kann. Birgit Grosse vom Unverpacktladen in Herrsching © Dagmar Rutt

Reis aus Bayern, Waschmittel aus Breitbrunn oder Tahin aus Kerschlach, angeboten zum Abfüllen in eigene Behälter: Birgit Grosse (56) und Sibylle Ulman (53) eröffnen in Herrsching mit „Unverpackt am Ammersee – nachhaltig, fair, regional“ den ersten Unverpacktladen am Ostufer.

Herrsching – Ihr erstes Einkaufserlebnis in einem Unverpacktladen hatte Birgit Grosse (56) vor drei Jahren – und das gab den Impuls, einen eigenen Laden in ihrer Heimatgemeinde Herrsching zu eröffnen. Damals wurde der Mutter eines erwachsenen Sohnes zum ersten Mal so richtig bewusst, dass sie pro Woche zwei gelbe Säcke entsorgte. Und sie hinterfragte die Notwendigkeit der Lastwagen mit Waren aus aller Herren Länder, die sie auf dem Arbeitsweg zum Münchner Flughafen überholte. Den letzten Schubs in Richtung Selbstständigkeit versetzte ihr die Pandemie. „Die Kurzarbeit während Corona hat mich aus dem Trott gerissen“, erzählt sie.

Wie gerufen kam ihr im vorigen Sommer das Angebot eines goldenen Handschlags von Lufthansa, woraufhin sie sich von ihrem Arbeitsalltag als Crewplanerin endgültig verabschiedete. „Wenn nicht jetzt, dann nie“, fand auch Sibylle Ulman (53). Die zweifache Mutter hängte ihren Beruf als Bauingenieurin an den Nagel, um mit ihrer Freundin dieses nachhaltige Projekt ins Leben rufen zu können.

In verschiedenen Unverpacktläden sammelten die beiden fortan Ideen und suchten nach einem passenden Raum. Dann zog das Reisebüro neben der Hofpfisterei aus der Bahnhofstraße 26 aus – und die Räumlichkeiten waren förmlich auf die Bedürfnisse des Ladens zugeschnitten. „Wir ergänzen uns super“, sagen beide. Birgit Grosse ist der kreative Teil des Bündnisses, während die Stärken von Sibylle Ulman in der Struktur liegen. Die Bauingenieurin war geradezu prädestiniert dafür, die Handwerker mit den Einzelheiten zum Umbau der 70 Quadratmeter großen Ladenfläche und des 40 Quadratmeter großen Kellers zu instruieren. Am kommenden Dienstag, 15. Februar, eröffnen sie.

Nachhaltigkeit und Ökologie spielten bei der Wahl der Einrichtung eine ebenso entscheidende Rolle wie bei der Wahl des Sortiments. Die Regale etwa sind aus bayerischer Fichte geschreinert und mit nachhaltigen Ölen eingelassen. In der Raummitte können es sich die Kunden auf einem grünen Sofa bei einem Espresso oder Cappuccino der Rösterei Herrsching bequem machen. Die Herrschingerinnen legen Wert darauf, nach Möglichkeit Ware von Biohöfen aus der Umgebung einzukaufen. „Ich habe mich total gefreut, als ich einen in Bayern angebauten Reis und Quinoa gefunden habe“, erzählt Sibylle Ulman.

Mit der Schaufel werden Bio-Getreidesorten wie Dinkel, Weizen oder Roggen in mitgebrachte Behälter gefüllt – auf Wunsch auch zum selber mahlen. Auch Müslisorten, Bio-Haferflocken oder Waschmittel gibt es zum abfüllen oder selber mischen. In der Auslage befindet sich aber auch Exotisches wie Amaranth-Dinkel-Nudeln oder Kürbiskern-Linguine.

Wer nichts zum Abfüllen dabei hat, bekommt ein ausgewaschenes Gurkenglas zur Verfügung gestellt, kann die Ware in Papiertüten schütten oder ein Gefäß aus Zuckerrohr erstehen. „Der Vorteil unseres Ladens ist, dass man auch kleine Mengen kaufen kann“, betont Brigitte Grosse. 150 Gramm Nudeln oder 100 Gramm Mehl seien genauso möglich wie eine Handvoll Rosinen. Auch Zahnbürsten aus FSC-freiem Holz oder Geschirrtücher aus fairem Handel liegen bereit. „Wir achten auf faire Produktion.“

Mit dem Unverpacktladen erfüllen sich die Freundinnen einen Traum – und sind dankbar darüber, „in diesem neuen Lebensabschnitt etwas Sinnvolles zu machen“. Und ganz nebenbei kehrt die ehemalige Crewplanerin Grosse damit zu ihren Wurzeln zurück, denn sie ist quasi im Uhrenladen ihrer Eltern in Herrsching aufgewachsen. „Wir freuen uns darauf, die Menschen in die wunderbare Welt der biologischen, unverpackten Lebensmittel einzuführen.“ Geöffnet ist der Laden dienstags bis freitags von 9 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 14 Uhr.

Michelle Kirner

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