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Franz Zell ließ diese Straße in Herrsching aus Rache an seinem Nachbarn nach sich benennen, damit beim Adressenschreiben jedes Mal an ihn erinnert werde.

Ortsgeschichte

Zell und der Margarinenfabrikant

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Herrsching - Der bekannte Architekt und Volkskundler Franz Zell wäre in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden. In Herrsching ist eine Straße nach ihm benannt. Ein Racheakt seinerseits an seinen Nachbarn, den Margarinenfabrikanten.

In der Ammerseegemeinde lebten nicht nur bekannte und reiche Persönlichkeiten, es gibt zuweilen auch launige Geschichten, die um sie ranken. Etwa die Geschichte der Franz-Zell-Straße. Zunächst einmal war Franz Zell ein namhafter Architekt und Volkskundler seiner Zeit. Vor 150 Jahren wurde der „Vater der Volkskunstforschung“ in München geboren. Dort starb er 1961, begraben wurde er in Herrsching.

Der Münchner Architekt war bekannt für sein markantes Schulhaus im Heimatstil. In den Nachkriegsjahren war der Schreinersohn aus der Au an diversen Wiederaufbauten beteiligt, zum Beispiel am Wiederaufbau des Chinesischen Turms. Er hat in seiner Karriere zwischen Neu-Ulm und Wien, Oberammergau und Cham zahlreiche Wirtshäuser, Museen, Rathäuser und Wohnhäuser samt Inneneinrichtung entworfen.

An der heute nach ihm benannten Straße in Herrsching steht ein Gärtnerhaus, der Prototyp eines Fertighauses samt Einrichtung, für das Zell auf einer Weltausstellung ausgezeichnet wurde. Daran kann sich Christine Friedinger erinnern. Welche Weltausstellung es war, weiß sie aber nicht mehr, persönlich getroffen hat ihn die 84-jährige Dame auch „nur einmal aus 20 Meter Entfernung im Garten“. Denn ihre Schwiegermutter gehörte das Haus gegenüber auf der südlichen Seite. Christine Friedinger lebt dort erst seit den 1960er Jahren. Dieses Gartenhäuschen, sagt sie, „ist nur noch äußerlich der gleiche Typ“, ansonsten sei es leider komplett umgebaut worden.

Auch Elisabeth Kreuz wohnt an der Franz-Zell-Straße. Ihre 92-jährige Mutter hat einen besonderen Bezug zu dieser Straße, denn die Bildhauerin, die in Oberammergau geboren wurde, besuchte dort Zells Schnitzschule. Auch das bekannte Museum in Oberammergau ist ein Werk von Franz Zell. Als die Familie Kreuz 1953 nach Herrsching zog, hatte sie die glückliche Gelegenheit „den alten Herrn“ noch kennen zu lernen. „Unsere Familie hatte netten Kontakt mit seiner Tochter Maria Hiltl – meine geliebte weißgelockte Tante Oma. Es gibt noch Fotos von mir als Kleinkind mit ihr in ihrem Garten unten am See. Ihr Sohn Georg Hiltl flirtete mit meiner damals ganz jungen Tante“, erinnert sich Elisabeth Kreuz. Denn das Grundstück wurde schon seit den 50er Jahren von Zells Töchtern, Franziska und Maria, bewohnt. E selbst, dem ehemals die ganze Straße gehörte – damals Badstraße – und drei Häuser dort baute, lebte wieder in München.

Dies mag mit einem überlieferten Nachbarstreit zusammenhängen, einem Zank zwischen zwischen Zell und dem Münchner Margarinenfabrikanten Zitzelsberger. Zwei Menschen, die sich nie grün waren. Bei einem Streit auf einem Steg spitzte sich die Lage zu, als der eine den anderen ins Wasser schubste. Aus lauter Wut habe Zell dann seine Straße der Gemeinde überlassen, unter der Bedingung, sie nach ihm zu benennen. Mit der Folge, dass Zitzelsberger fortan an der Franz-Zell-Straße 1 lebte, einer Straße mit dem Namen seines verhassten Nachbarn. Ein listiger Schachzug. So ist es in der Nachbarschaft überliefert.

Länger noch als Christine Friedinger lebt eine andere Nachbarin an der Franz-Zell-Straße: die 92-jährige Dorothea Kalusa. 1951 zog sie nach Herrsching. Sie kannte Franz Zell, aber er war damals schon immer viel unterwegs, sagt sie und verweist auf die vielen „gemütlichen Gasthäuser“, die auf ihn zurückzuführen sind, „vom Bodensee bis Wien“. Mehr als an Zell erinnert sie sich an dessen Tochter Maria. „Die hat immer auf mich aufgepasst, wenn ich den Steg im Winter vom Eis freigemacht habe. Da hat sie immer gewartet, bis ich wieder zurückkam. Das waren ganz, ganz alte Zeiten.“ Und den Zell sieht sie in Gedanken „mit seinem Wagerl rumfahren, mit dem Pferdefuhrwerk“. Und sie erinnert sich daran, wie er einen ganzen Haufen Erde einforderte von ihrem Grundstück, das ihm einst gehörte. Die habe er für sein Grundstück „unten“ (am See) gebraucht. Und so stand er vor ihr, als er sagte: „Ich will meine Erde wiederhaben.“ Die erste Geschichte aber, die ihr zugetragen wurde damals, als sie nach Herrsching kam, war eben jene vom Nachbarstreit, über die die 92-Jährige noch heute herzhaft lachen kann.

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