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„Elfi“ muss ersetzt werden: Das Herrschinger Boot (bei einer Übung) ist älter als die Besatzung. 

Vorwurf: Landkreis sperrt sich dagegen

Herrsching fordert Ersatz für 34 Jahre altes Katastrophenschutz-Boot

Gemeinde und Feuerwehr Herrsching fordern weiter einen Ersatz für das 34 Jahre alte Katastrophenschutzboot. Derzeit gibt es noch eine hohe Förderung – aber wohl nicht mehr lange.

Herrsching – Vor 34 Jahren, anno 1986, bekamen Organisationen in ganz Bayern und somit auch Herrschings Feuerwehr so genannte Katastrophenschutzboote zugewiesen. Das Herrschinger Boot ist heute noch im Einsatz, kann aber von heute auf morgen den Geist aufgeben. Seit Jahren kämpft die Wehr um ein Ersatzboot, fällt dabei aber in eine Zuständigkeitslücke.

Vor etwa vier Jahren trat ein Sonderförderprogramm vom Freistaat in Kraft, das 75 Prozent eines neuen Bootes finanzieren würde. „Eine Ersatzbeschaffung kostet etwa 100 000 Euro“, rechnete Christian Schiller bei der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Herrsching vor. Die Gemeinde würde sich beteiligen, weil sie darin einen Vorteil für ihre Bürger sehe, versicherte Schiller. Und der wurde spätestens vor etwa zwei Wochen deutlich, als am Seewinkel zwei Männer fast ertrunken wären (wir berichteten). Die alarmierte Wasserwacht brauche in den derzeitig beengten Verhältnissen der alten Hütte zu lange, um ihr Rettungsboot klar zu machen. „Die Rettungsstelle alarmierte aber nur die Wasserwacht und die First Responder der Feuerwehr“, wunderte sich Schiller. Dabei sei das Katastrophenschutzboot der Feuerwehr auf dem Trailer und in „drei Minuten am Einsatzort“, kritisierte er die Schaltstelle für das Nichtalarmieren der Feuerwehr.

„Wir hatten das gleich Problem mit einer ertrinkenden Person am Dampfersteg“, sagte Schiller. In diesem Fall sei der Betroffene nicht weit vom Ufer gewesen und konnte ’rausgezogen werden. Das alleine zeige die Notwendigkeit eines Ersatzes des Feuerwehrbootes. „Ich bin mir sicher, dass die Gemeinderäte 12 000 Euro beisteuern würden.“

Kritik an der „unklaren Zuständigkeit“

Damit blieben für den Landkreis Starnberg, heutzutage zuständig für den Katastrophenschutz, noch etwa 12 000 Euro. „Bei einem Kreishaushalt von 170 Millionen Euro machbar“, fand Schiller. Aber der Landkreis sperre sich. Der Grund? „Die unklare Zuständigkeit“, erklärte Kommandant Daniel Pleyer. „Der Ammersee gehört als gemeindefreies Gebiet zur Verwaltung des Landkreises Landsberg. Dieser wiederum ist nicht für die Feuerwehr Herrsching zuständig, und das Boot steht auf einem Trailer auf dem Kreisgebiet des Landkreises Starnberg“, fasste Pleyer zusammen. Warum nicht das Boot der Wasserwacht Herrsching nutzen? Pleyer: „Die Wasserwacht ist ein Rettungsdienst und ausschließlich für Menschenrettung und gekenterte Boote verantwortlich.“ Die Feuerwehr wiederum rücke auch bei Hochwasser, Ölschäden oder dem Brand eines Dampfers der Seenschifffahrt aus. „Meistens bricht ein Brand im Maschinenraum aus, dann kann der Kapitän das Schiff nicht mehr ans Ufer steuern“, verdeutlichte der Kommandant die Notwendigkeit eines eigenen Katastrophenschutzbootes.

Seit 1986 kam „Elfi“, so der Name des Bootes, 127-mal zum Einsatz. 25-mal bei Öl auf Gewässern, siebenmal, um ertrinkenden Schwimmern zu Hilfe zu kommen, sechsmal bei der Brandbekämpfung, 32-mal bei einer Vermisstensuche und 33-mal bei einem gekenterten Segelboot. „Es geht hier um einen Betrag von 12 000 Euro“, betonte Pleyer. Und wenn der Landkreis nicht bald einschwenke, könnte die Förderung auslaufen und man spreche über ganz andere Summen, mahnen die Herrschinger Retter.

Michèle Kirner

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