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Grunderwerb ja, Planung nein: Der Neubau des Gemeindehauses in Widdersberg muss noch auf sich warten lassen.

Herrschinger Haushalt

Das große Corona-Streichkonzert

  • vonAndrea Gräpel
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Schuld ist Corona: Die Gemeinde Herrsching wird wegen der Pandemie mehrere Millionen Euro weniger einnehmen. Und das hat Auswirkungen auf geplante Maßnahmen.

Herrsching – Die gute Nachricht an alle Herrschinger Vereine vorweg: Die gemeindlichen Zuschüsse bleiben von den coronabedingten Einsparungen unangetastet. Ansonsten ist der Haushalt für das laufende Jahr aber bei Weitem nicht mehr der, über den sich im Dezember noch alle gefreut hatten. Der Gemeinderat versuchte am Montag, 4,4 Millionen Euro zu kompensieren – am Ende blieben rund 400 000 Euro übrig, die vermutlich über einen Kredit gedeckt werden müssen.

2019 war ein Rekordsteuerjahr mit Einnahmen in Höhe von neun Millionen Euro. In diesem Jahr rechnete Kämmerin Miryam Goodwin mit Gewerbesteuereinnahmen von 7,7 Millionen Euro. Das war vor der Pandemie. Am Montag räumte sie vor den Gemeinderäten ein: „Das müssen wir korrigieren.“ Bei ihrer Neuberechnung ging sie nun vom schlimmsten Fall aus, sie rechnet mit zahlreichen Herabsetzungen und Stundungen. „Es fehlen jetzt schon zwei Millionen Euro.“ Auch bei der Einkommensteuer rechnet Miryam Goodwin mit einer deutlichen Minderung des gemeindlichen Anteils durch Kurzarbeit. „Bei der Umsatzsteuer ist es genauso.“ Als plakatives Beispiel ausbleibender Einnahmen lieferte sie eine kleine, aber umso deutlichere Zahl aus den Parkgebühren: „Im März/April 2019 hatten wir 72 000 Euro, in diesem Jahr sind es 26 000 Euro.“

Insgesamt errechnete Myriam Goodwin einen „Corona-Finanzierungsbedarf“ in Höhe von 4,37 Millionen Euro. Bei dieser Summe gab es kaum etwas, was nicht auf dem Prüfstein stand, ausgenommen laufende Maßnahmen, die nicht mehr zu stoppen sind, etwa die Sanierung und Erweiterung der Christian-Morgenstern-Mittelschule. Auch die Querungshilfe auf Höhe des neuen Wohngebietes Am Fendlbach gehört dazu.

Verschoben werden dafür andere große Maßnahmen, wie etwa der Neubau des Gemeindehauses Widdersberg, der mit 825 000 Euro veranschlagt war. Schweren Herzens stimmte das Gremium auch der Verschiebung des Baubeginns für das Kinderhaus am Fendlbach zu. Mit einer Stimme Mehrheit beschlossen die Räte, dass die neue Obdachlosenunterkunft warten muss. Christina Reich als Sozialreferentin und Integrationsbeauftragte Hannelore Doch hatten kein gutes Gewissen, Menschen weiter im alten Hurle-Haus neben der Volksschule unterzubringen. „Das ist eine Zumutung.“ Bürgermeister Christian Schiller hatte sich aber von der Abteilungsleiterin Soziales versichern lassen, dass akut kein Problem herrsche. Christoph Schmidt, zuständig für die gemeindlichen Liegenschaften, meinte sogar, dass das Hurle-Haus „im Zweifel bewohnbar“ sei. Mit 13:12 Stimmen wurde deshalb auch dieses Projekt verschoben.

Leichter fielen Einsparungen beim Verkehrskonzept, nicht ganz so leicht die Verschiebung des Ausbaus eines Radweges mit Straßenquerung vom Winkelweg in Breitbrunn zum Sportplatz. Immerhin das Geld für den Grunderwerb (65 000 Euro) soll auch weiter bereitstehen. Auch kleinere Streichpositionen schmerzten, fallen aber wegen der Kontaktbeschränkung ohnehin flach – etwa das Schlossgartenfest und der Christkindlmarkt. Unangetastet ließen die Gemeinderäte die Vereinszuschüsse in Höhe von 245 000 Euro, auch wenn Schiller darauf verwies, dass diese Ausgabe der Kommunalaufsicht schwer als Pflicht oder Dringlichkeit zu verkaufen sei.

Am Ende des stundenlangen Streichkonzertes waren drei Millionen Euro eingespart. Eine Million hatte die Gemeinde noch übrig, so dass es am Ende um rund 400 000 Euro geht, die vermutlich über einen Kredit finanziert werden müssen.

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