Alexander Gerst 2014 an Bord der ISS: Der Astronaut begeisterte viele Deutsche mit seinen zahlreichen Fotos, die er aus dem All gemacht und zur Erde gefunkt hatte. 2018 soll er für sechs Monate ins Weltall-

Raumfahrt

Herrsching hebt ab ins Weltall

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Bürgermeister will ein Riesen-Foto seiner Einwohner auf die ISS schicken.

Herrsching – Einen direkten Draht zum Weltall haben Herrschings Bürgermeister Christian Schiller und ESA-Missionsdirektor Roland Lüttgens schon zweimal hergestellt. 2018 könnte es wieder soweit sein. „Am liebsten würde ich alle rauffliegen“, begeisterte sich Schiller bei der Bürgerversammlung am Donnerstag. Das ist natürlich nicht möglich – aber ein Bild mit möglichst vielen Herrschingern drauf, das soll nächstes Jahr in gut 400 Kilometer Höhe über die Erde kreisen. In einer Raumkapsel, mit dem blauen Planeten im Hintergrund. Und die Herrschinger können sich dieses Bild anschließend an die Wand hängen. Klingt verrückt, aber Schiller und Lüttgens wollen es möglich machen.

2018 gibt es wieder eine Mission auf der ISS

Der Bürgermeister (48) und der Physiker (59) kennen sich von der Realschule Herrsching. Beide haben Söhne, die auf die Schule gehen oder gingen. Lüttgens lebt seit 2007 am Ammersee. „So trifft man sich ab zu“, sagt er – und heckte mit Schiller als Raumfahrt-begeistertem Rathauschef schon einiges aus. 2013 etwa wurde die Freundschaft mit der italienischen Partnergemeinde Ravina im Weltall dokumentiert, im Jahr darauf erhielten die Realschüler eine Videobotschaft vom deutschen Astronauten Alexander Gerst live von der Internationalen Raumstation ISS (wir berichteten).

2018 gibt es wieder eine Mission auf der ISS, die Lüttgens vom Boden aus leitet. Mit an Bord soll dann wieder Alexander Gerst sein – in der zweiten Hälfte seines sechsmonatigen Aufenthalts sogar als Kommandant. Deshalb will Schiller die Herrschinger im Sommer auf dem Sportplatz zusammentrommeln und fotografieren. „Wehe, ihr kommt nicht“, rief er lachend in die Bürgerversammlung. Von der Drehleiter aus oder mit einer Drohne soll das Foto aufgenommen werden. Dieses Foto wiederum soll als Poster oder Plakat zur Europäischen Weltraumorganisation ESA nach Köln geschickt werden. Wenn es allen Anforderungen genügt und rollbar ist, geht es weiter nach Turin, wo die Nutzlast für ESA-Missionen bearbeitet wird. In Turin wird alles fotografiert, verpackt und in das Land geschickt, von wo aus die nächste Rakete ins All geschossen wird – USA oder Japan, vermutet Lüttgens. Dort wird die Nutzlast inklusive Poster aus Herrsching verladen und geht mit der Rakete ins All.

Bürgermeister: „Ich habe mich mit einem Copy-Shop schon geeinigt“

Der Physiker hatte nach seinem Studium zunächst nichts mit Raumfahrt zu tun. „Das war für mich auch utopisch. Über Umwege bin ich dann aber doch dort gelandet.“ Innerhalb der ESA, bei der er seit 1996 arbeitet, hat er dann seinen Weg gemacht – bis ins ESA-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen. Die Gruppe hat einen Platz auf dem Gelände des DLR (Deutsches Luft- und Raumfahrtzentrum), gehört aber nicht zum DLR, betont Lüttgens. Längst hat er auch einmal darüber nachgedacht, Astronaut zu werden. „Das Eintrittsalter passte aber nicht mehr“, sagt er. „Ich habe mich am Ende auch lieber für den Boden entschieden.“ Eine Reise ins Weltall sei damit ja nicht ausgeschlossen, „in 10 bis 20 Jahren ist das sicher möglich“. Trotzdem kennt er sich dort oben gut aus. Als Missionsleiter hat er zudem einen engen Kontakt zu den Astronauten. „Da baut sich ein Vertrauensverhältnis auf, nicht selten eine Freundschaft.“

„Im Weltall gibt es genaue Ladeprotokolle“, weiß Lüttgens. „Irgendwo bei der Nutzlast ist dann das Poster dabei.“ Ob fotografiert oder unterschrieben oder beides – der Plan sieht vor, dass es elektronisch zurück zur Bodenstation geht und sogleich an Schiller übermittelt werden könnte.

Der Bürgermeister hat sich schon jetzt darum gekümmert, wie die Herrschinger 2018 zu ihrem „Konterfei“ im Weltall kommen. „Ich habe mich mit einem Copy-Shop schon geeinigt“, jubelte er am Donnerstag. Jetzt darf nur nichts mehr dazwischenkommen.

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