Sie sind zumindest vorerst gerettet: Dr. Helene Falk, Geschäftsführerin des Bund Naturschutz im Landkreis, bei Widdersberg mit Fröschen, die aufgefangen wurden und nun über die Straße getragen werden können.
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Sie sind zumindest vorerst gerettet: Dr. Helene Falk, Geschäftsführerin des Bund Naturschutz im Landkreis, bei Widdersberg mit Fröschen, die aufgefangen wurden und nun über die Straße getragen werden können.

Hilfe für kleine Wanderer

  • vonAndrea Gräpel
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Sobald es nachts nicht kälter als fünf Grad wird, beginnt wieder die Wanderung der Amphibien. Der Bund Naturschutz bittet nun vor allem Autofahrer um Vorsicht.

Landkreis – Als der Frühling in den vergangenen Wochen einen kleinen Zwischenstopp einlegte, waren sie nicht in Gefahr. Jetzt aber, sobald die Nächte nicht kälter als fünf Grad sind, machen sich die Amphibien wieder auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Der Bund Naturschutz im Landkreis hat sich auf die Wanderung der Kröten, Frösche und Molche vorbereitet. Die Zäune, die die Tiere vor dem sicheren Tod auf der Straße bewahren, sind schon aufgestellt.

Die Gefährdung von Amphibien und ihr Verschwinden reißt ein empfindliches Loch in die natürliche Nahrungskette. Lurche zum Beispiel fressen Käfer, Spinnen, Würmer, sind aber auch wichtige Beutetiere für vielerlei Vögel, Reptilien und Säugetiere. Jede einzelne Art hat ihre Bedeutung im Ökosystem. Da sich auf dem Weg zu den Laichgewässern häufig eine Straße befindet, bittet Dr. Helene Falk, Geschäftsführerin der Kreisgruppe Starnberg im Bund Naturschutz, besonders Autofahrer um Achtsamkeit.

„Bis etwa Mitte April muss man nachts auf unseren Straßen mit wandernden Amphibien rechnen – und mit Menschen, die zu deren Schutz morgens und abends im Dunklen unterwegs sind“, teilt Falk mit. Die freiwilligen Helfer sammeln die Tiere an den Zäunen ein und tragen sie zumeist in Eimern sicher über die Straße. Und doch kommt es immer wieder vor, dass ein Frosch oder eine Kröte trotzdem auf die Straße gelangt. Große Warnschilder mit einem Frosch darauf kennzeichnen diese Stellen für jeden Autofahrer gut sichtbar.

Betreute Übergänge gibt es im Landkreis einige: in Gilching an der Bodenseestraße und der Melchior-Fanger-Straße. In Weßling wird die Straße bei Gut Mischenried nachts gesperrt, in Steinebach die Kuckuckstraße. Dort ist die Situation besonders kritisch, weil die Straße nur bei großem Wanderaufkommen gesperrt wird, aber auch in den anderen Nächten Tiere und Menschen unterwegs sein können. An der Autobahnabfahrt Wörthsee steht ein Zaun an der Begleitstraße. In Herrsching gibt es Wanderungen an der Hechendorfer und der Rieder Straße, in Widdersberg am Widdersberger Weiher und entlang der Seachtn zwischen Andechs und Machtlfing. Die Wanderstrecke südwestlich von Gut Hüll an der Römerstraße liegt hinter einer Kuppe und ist damit schlecht einsehbar.

In Hausen sind es hunderte von Kröten und Grasfröschen, die in den Dorfweiher zum Ablaichen wollen und zum Teil erst über die Staatsstraße gebracht werden müssen. Aber auch innerorts sind haufenweise Tiere unterwegs. „Am Buchhof wandern die meisten Tiere einfach den Zaun entlang und queren die Straße nicht, aber auch dort muss man aufpassen, weil sie am Ende des Zauns gerne auf der Straße weiter laufen“, weiß Helene Falk. Auf der Straße von Andechs zur Kreuzung Widdersberg/Herrsching/Frieding sei es dieses Jahr besonders knifflig, sagt Falk. Ursprünglich sollte die Strecke wegen Bauarbeiten gesperrt sein. Da sich die Arbeiten verzögern, ist sie nun weder gesperrt noch durch einen Frosch-Zaun gesichert.

Auch an der Umfahrung Weßling hapert es weiterhin. Voriges Jahr hatte das Staatliche Bauamt Weilheim in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde 28 von 42 Durchlässen entlang der Strecke mit Blick auf deren Feuchtigkeitsgrad optimiert. Parallel arbeiteten die Behörden an einem Konzept, damit die Tiere diese Wege auch nutzen. Das Projekt wurde aber erneut verschoben wurde – auf 2022, teilte das Bauamt auf Nachfrage mit.

Im Übrigen sucht der Bund Naturschutz für einzelne Strecken immer wieder Freiwillige, die dabei helfen, die Tiere über die Straße zu bringen. Interessierte können sich an die Geschäftsstelle wenden: z (0 81 52) 3 99 00 25 oder E-Mail an starnberg@bund-naturschutz.de.

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