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Symbolbild.

Einsatz von Bti abgelehnt

Herrsching lässt die Mücke Mücke sein

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Was seit 41 Jahren am Oberrhein erprobt und auch am Chiemsee erfolgreich eingesetzt wurde, ist in Herrsching unerwünscht: der Einsatz des Bodenbakteriums Bti gegen Überschwemmungsmücken. Der Gemeinderat hat sich am Montag mehrheitlich gegen diese Maßnahme ausgesprochen.

Herrsching – Vorangegangen sind der Entscheidung zwei Vorträge. Für Bürgermeister Christian Schiller führte daran kein Weg vorbei, „wenn wir uns entscheiden, dann nur wenn wir beide Seiten – Für und Wider – gehört haben“. Das Für kam von Dr. Norbert Becker, dem wissenschaftlichen Direktor der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur biologischen Stechmückenbekämpfung (KABS) am Oberrhein, dessen Unternehmenstochter ICYBAC (Geeiste Bakterien) die Bekämpfung auch andernorts anbietet. Becker wurde begleitet vom Vater dieser Initiative, dem ehemaligen Regierungspräsidenten Dr. Paul Schädler. Er hatte es seinerzeit vollbracht, alle Bürgermeister am Oberrhein unter einen Hut zu bringen. Diesem Geniestreich haben die Herrschinger für den Ammersee zumindest einen Stein in den Weg gerollt. Denn selbst wenn einer Kartierung der betroffenen Überschwemmungsbereiche zugestimmt worden wäre, hätte auch Herrsching nur mitgemacht, wenn die anderen See-Gemeinden an Bord wären. „Mücken kennen ja keine Gemeindegrenzen“, merkte Schiller an. Insofern beobachten auch seine Amtskollegen genau, wie Nachbarn entscheiden. Pähls Bürgermeister Werner Grünbauer zum Beispiel hatte sich unter die Zuhörer im vollbesetzten Sitzungssaal gemischt. Genauso wie Grünen-Gemeinderätin Barbara Wanzke aus Inning und der Schondorfer CSU-Gemeinderat Rainer Jünger, die gemeinsam mit Echings Bürgermeister Siegfried Luge den Grundstein für die Ammersee-Initiative „Mücken, nein danke“ auf dem Weg gebracht hatten. Und Dr. Margit Vetter. Die Medizinerin hatte in Herrsching für die Bekämpfung mit Bti geworben (wir berichteten). In der Sitzung appellierte sie noch einmal an die Räte, Bti anderen Mitteln wie gesundheitsschädigenden Insektensprays und Giften vorzuziehen.

Die Zweifel an der Umweltverträglichkeit des Bodenbakteriums wogen im Gremium trotzdem mehr – genährt aus erster Hand, von Dr. Carsten Brühl. Der Umweltwissenschaftler an der Universität Koblenz-Landau erforscht seit drei Jahren die Effekte der Schnakenbekämpfung . Sein Ergebnis: Indirekt werde das Ökosystem beeinträchtigt, wenn auch keine anderen als die gezielt bekämpften Überschwemmungsmücken vernichtet würden. „Man muss sich halt nach der Umwelt richten“, meinte Gertraud Köhl (Grüne). Sie habe gut damit leben können, man stelle sich darauf ein. So will es auch die Herrschinger Ratsmehrheit halten. Mit 15:10 Stimmen wurde der Auftrag zur Kartierung der betroffenen Gebiete abgelehnt.

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