Die Finanzhochschule an der Rauscher Straße in Herrsching hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Nach der Fertigstellung der Gebäude 1937 zog hier die Reichsfinanzschule ein, 1943 wurde das Reservelazarett Herrsching untergebracht, nach dem Krieg eine Heilstätte für Tuberkulosepatienten. Nach einer Zwischennutzung durch den Bund gehört das Anwesen seit 1969 dem Freistaat Bayern.
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Die Finanzhochschule an der Rauscher Straße in Herrsching hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Nach der Fertigstellung der Gebäude 1937 zog hier die Reichsfinanzschule ein, 1943 wurde das Reservelazarett Herrsching untergebracht, nach dem Krieg eine Heilstätte für Tuberkulosepatienten. Nach einer Zwischennutzung durch den Bund gehört das Anwesen seit 1969 dem Freistaat Bayern.

Finanzhochschule Herrsching

Ministerium bestätigt Wegzug

  • Peter Schiebel
    VonPeter Schiebel
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Der komplette Wegzug der Finanzhochschule von Herrsching nach Oberfranken ist endgültig beschlossene Sache. Eineinhalb Jahre nach der Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder hat der Ministerrat vor wenigen Tagen den Plänen zugestimmt.

Herrsching – „Lebenswerte Heimat in Stadt und Land.“ So ist die „Heimatstrategie“ überschrieben, die Bayerns Finanzminister Albert Füracker gestern der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Zu dieser Strategie gehört auch die Verlagerung von Behörden aus strukturstarken in strukturschwächere Gebiete, zum Beispiel von Herrsching nach Kronach. Dorthin soll bekanntlich die Finanzhochschule umziehen, offiziell Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern, Fachbereich Finanzwesen (HföD).

Dass die Pläne die ganze Schule mit insgesamt 600 Studienplätzen und 85 Beschäftigten betreffen, ist seit einer Rede von Ministerpräsident Markus Söder vor anderthalb Jahren bekannt. Allerdings hat der Ministerrat ihnen erst vor gut einer Woche, am 29. Juni, zugestimmt. Das erklärte eine Sprecherin des Ministeriums gestern auf Anfrage des Starnberger Merkur.

Wann es soweit ist, steht jedoch noch in den Sternen. „Für die Umsetzung der Komplettverlagerung von Herrsching nach Kronach wird ein Zeitraum bis 2030 angestrebt“, teilte die Sprecherin mit. „Konkrete Aussagen zur Zeitplanung sind aktuell leider noch nicht möglich.“ Der lange Zeitraum hängt auch mit dem neuen Beschluss zusammen. Denn zunächst war ja nur von einem Teilumzug von rund 200 Studienplätzen und 15 Beschäftigten die Rede gewesen. „Aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen bedarf es einer grundlegenden Anpassung der bisherigen Planung“, erklärte die Sprecherin. „Die nunmehr deutliche Erhöhung der zuerst angedachten Studienplätze wirkt sich auch auf den Beginn der Verlagerung aus.“

Das bestätigt der Sprecher des Landkreises Kronach, Alexander Löffler. Für die Schule an sich gebe es bereits konkrete Planungen, sagte er gestern. Sie soll auf einer Fläche im Süden der oberfränkischen Kreisstadt nahe der Bundesstraße B 303 entstehen, auf der zuletzt ein mittlerweile abgerissener Möbelmarkt stand. „Jetzt brauchen wir aber zusätzliche Flächen, zum Beispiel für Wohnheime“, sagte er dem Starnberger Merkur. Allerdings stellte Löffler klar, dass die Überlegungen „nicht bei null“ anfingen. Es gebe verschiedene Optionen, sagte er.

Herrschings Bürgermeister Christian Schiller hat derweil lange nichts mehr in Sachen Finanzhochschule gehört. „Wir haben keinerlei Informationen, wie der Stand der Dinge ist“, erklärte er gestern. Dabei gab sich Schiller betont gelassen. „Wir warten ab und schauen dann, was der Freistaat mit dem Grundstück vorhat.“ Was an der Rauscher Straße einmal entstehen soll, ist in München offenbar noch kein Thema. „Die Frage nach einer angemessenen Nachnutzung der Immobilie in Herrsching stellt sich erst mittel- oder langfristig und wird von den zuständigen Behörden zu gegebener Zeit entschieden werden“, sagte die Sprecherin des Finanzministeriums unter Verweis auf die geänderten Rahmenbedingungen des Umzugs.

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