So wie auf dieser Visualisierung stellen sich der Landkreis und die Planer das neue Gymnasium in Herrsching vor.
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So wie auf dieser Visualisierung stellen sich der Landkreis und die Planer das neue Gymnasium in Herrsching vor.

Vier-Stunden-Sitzung

Nächste Schritte Richtung Gymnasium

  • Peter Schiebel
    VonPeter Schiebel
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Mehrere hundert Seiten Vorlage, fast vier Stunden Beratung: Herrschings Gemeinderat hat sich am Montagabend mit Einwendungen, Bedenken und Anregungen zum geplanten Gymnasium beschäftigt. Die Kritik mehrerer Anlieger wurde lediglich zur Kenntnis genommen.

Herrsching – Es ging um Größe und Lage des Bauwerks an sich, um die Verkehrssituation, um Grund- und Niederschlagswasser, um Lärmbelästigungen durch Pausenhof und Sportplatz, um Lichtveränderungen und letzten Endes um eine mögliche Wertminderung der eigenen Grundstücke: Aus Reihen der Nachbarschaft sind sieben, teils mehr als 20 Seiten lange Einwendungen gegen den Bebauungsplan zum Gymnasium Herrsching eingegangen. In einer Mammutsitzung beschäftige sich der Gemeinderat am Montagabend damit – und verwarf letzten Endes die Einwände.

Auch seitens der Behörden waren Stellungnahmen gekommen – allerdings keine, die die Planung ins Wanken bringen. So standen nach fast vier Stunden Beratung zwei Beschlüsse, die den Bau des Gymnasiums wieder ein Stück näher gebracht haben. Bei nur zwei Gegenstimmen (Christoph Welsch/Grüne und Johannes Puntsch/FDP) bekräftigte der Gemeinderat den in Aufstellung befindlichen Bebauungsplan und die erforderliche Änderung des Flächennutzungsplans. Beide Pläne werden jetzt noch einmal überarbeitet und dann erneut öffentlich ausgelegt.

Zwei Punkte waren den Gemeinderäten in der Diskussion besonders wichtig: das Niederschlagswasser und die Verkehrssituation. Befürchtungen bezüglich einer ungenügenden Ableitung des Wassers versuchten Dr. Jürgen Busse als Rechtsanwalt der Gemeinde und Bauleitplanerin Melanie Faude zu zerstreuen. Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim habe per E-Mail mitgeteilt, dass das Niederschlagswasser über Kanäle abgeleitet werden könne, sagte Faude. „Es gibt diesbezüglich keine Bedenken mehr“, betonte Busse.

Anders sieht die Situation beim Thema Verkehr aus. Vor allem die fehlende Verbindung für Fußgänger und Radfahrer zu Panoramastraße und Schönbichlstraße hin löste Kritik aus. Bekanntlich sollen Schüler aus diesem Bereich künftig bis zur Mühlfelder Straße/Summerstraße gehen oder radeln und dort eine Querungshilfe nutzen. „Wir stimmen zu, haben aber große Bedenken bei der verkehrlichen Erschließung“, sagte Anke Rasmussen (Grüne) und regte eine neuerliche Behandlung im Arbeitskreis Verkehr sowie Gespräche mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim an. Sie bekannte, bei dem Thema „Bauchschmerzen“ zu haben. Ähnlich äußerte sich Alexander Keim (FDP). Auch Vizebürgermeisterin Christina Reich (CSU) teilte die Bedenken. Christiane Gruber (BGH) stimmte ebenfalls zu, sah aber einige Fragen noch nicht geklärt. Sie appellierte zum Beispiel an das Wasserwirtschaftsamt, über die E-Mail hinaus Stellung zu nehmen.

Fundamentalopposition gegen das Projekt leistete FDP-Gemeinderat Puntsch. „Dieses Grundstück ist nicht geeignet für dieses Bauvorhaben“, betonte er. Unabhängig davon zollte auch er „allen hier sitzenden Verwaltungsleuten höchsten Respekt“ für die Art und Weise, wie sie das Thema aufbereitet hätten. Im Mittelpunkt dabei stand Melanie Faude, die gut 60 DIN-A-4-Seiten mit Einwendungen und Abwägungen vorlas.

In der nächsten Auslegungsphase können sich Bürger, Behörden und Träger öffentlicher Belange wie der Bund Naturschutz erneut zu den Plänen äußern. Ob aus Reihen der Bürgerschaft im Anschluss mit Klagen versucht wird, das Projekt noch zu verhindern, halten Beobachter der Szene für durchaus möglich.

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