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Und rein mit ihm: (v.l.) Alexander Steinbeißer, Monika Sedlmaier und Peter Rummel bringen den zukünftigen Weihnachtsbaum in Position.

Ortsbild

Pflanzaktion beendet Weihnachtsbaum-Affäre

Am Kirchberg in Herrsching steht seit Samstag eine neue Tanne. Die Pflanzaktion geht auf ehrenamtliches Engagement zurück.

Herrsching – Samstagmorgen um acht: Mit Spaten und Hacke gruben Alexander Steinbeißer, Klaus Wirries und Peter Rummel ein 80 Zentimeter tiefes Loch – und als die Turmuhr der alten Martinskirche neun mal schlug, breitete die Weißtanne ihre Äste aus. Ein schöner Anblick ist der etwa zwei Meter große Baum, der fortan neben dem Baumstumpf der wegen Borkenkäfern gefällten Fichte ein neues Wahrzeichen Herrschings sein wird. Die Zuschauer klatschten, die Herrschinger Blaskapelle blies einen Tusch und Bürgermeister Christian Schiller war erleichtert.

„Super, dass das in Angriff genommen wurde“, freute sich der Rathauschef. Mit der Ablehnung im Bauausschuss im Januar, eine neue Tanne zu pflanzen, habe er nicht gerechnet, gestand er. Gescheitert sein könnte das an den Kosten von voraussichtlich bis zu 15 000 Euro, vermutete er rückblickend. Damals wurden Monika Sedlmaier und Claudia Weinhart aktiv und sammelten 268 Unterschriften für einen Ersatzbaum am Fuß des Kirchberges (wir berichteten). Die Kosten wollten sie selber tragen und das Pflanzen würden sie auch übernehmen, so das Versprechen. Damit konnte das Gremium leben. Einstimmig.

An Unterstützern fehlte es nicht: Robert und Gabi Weinhart fuhren mit ihrem Anhänger in die Baumschule nach Mammendorf und transportierten den in Zukunft auch als Weihnachtsbaum dienende gute Stück zum Hügel am Kienbach. Jutta Fritz lud in Hadorf 200 Liter Komposterde ein, welche Sedlmaier per Schubkarre den steilen Hang hochschob. Die studierte Landespflegerin Sedlmair überwachte auch den Pflanzprozess der 200 Euro teuren Tanne bis ins Detail. Nachdem die drei Herren schweißgebadet das Tannenbett ausgebuddelt hatten, griff sie zur Schaufel und schüttete einen Teil der Erde zurück. Damit das Wurzelwerk auf lockere Erde aufliege, erklärte sie.

Derweil wurde von der Straße aus fotografiert und diskutiert. Ein Mann mittleren Alters erzählte, dass er mit der Fichte aufgewachsen sei. An anderer Stelle klang durch, dass sie noch hätte gerettet werden können und ein paar Meter weiter wünschte sich jemand vorsorglich eine warme und keine grelle Weihnachtsbeleuchtung. Für viele der Umstehenden gehörte das gefällte Immergrün zur Kindheit. Unter anderem zu Schillers, der in seiner wilden Jugend mit dem Schlitten an dieser Stelle bergab sauste und den Baum zum Bremsen nutzte. Oder Susi Wirries, deren Elternhaus auf dem Nachbargrundstück steht.

Claudia Weinhart und ein paar Helfer füllten unterdessen am Kienbach fünf Gießkannen mit Wasser, die sie mit vereinten Kräften zur Neupflanzung schleppten. Vorsichtig befestigte Sedlmaier das Bäumchen an einem Holzpflock – und während der „Bürgerbaum“ wächst, verrottet der Baumstumpf langsam zu fruchtbarer Erde für den Nachwuchs.  mk

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