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Sehr sensibel sind die Schwalben, was ihre Brut angeht. Kleine Veränderungen, etwa ein Ortswechsel des Nestes, können dafür sorgen, dass die Altvögel ihre Jungen nicht mehr füttern.

Gemeinderat

Schlaue Schwalben trotzen Sanktionen

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Schwalben koten den Herrschinger Bahnhof zu. Schon seit acht Jahren beschäftigten sich Gemeinderat und Landratsamt mit Lösungen. Die Bilanz: Bis heute hat keine Maßnahme geholfen. Der nächste Plan könnte teuer werden.

Herrsching – Manche Bahnkunden trifft der Kot der Rauchschwalben, während sie sich eine Fahrkarte kaufen. Andere ärgern sich über die verdreckte Herrschinger Bahnhofshalle. In Fällen wie diesen bekommt Bürgermeister Christian Schiller E-Mails. Im Gemeinderat zog der Experte Dr. Herbert Biebach am Montag Bilanz der Versuche der vergangenen Jahre.

Der Ornithologe und ehemalige Grünen-Gemeinderat ist seit 2014 für die Umsiedlung der Rauchschwalben-Kolonie zuständig. Die geschützten Tiere sollen 15 Meter vom Bahnhofsgebäude entfernt in einem Schwalbenhaus ein neues Zuhause finden. „2017 war für uns das entscheidende Jahr“, erklärte Biebach. Die Vögel sollten erstmals nicht umgesiedelt werden, sondern von alleine den Weg ins Schwalbenhaus finden. „Sie saßen dort auch teilweise – aber gebrütet hat dort keine Schwalbe.“

Bislang hat keine Maßnahme geholfen

Im Rückblick gab Biebach zu: Keine Maßnahme hat geholfen. 2014 sollten die Rauchschwalben in Transportmodulen in der Bahnhofshalle nisten und dann in das neue Schwalbenhaus gebracht werden. Weil sie die Module nicht annahmen, brachten die Experten im Jahr darauf Kunstnester auf Holzbrettern an, die ebenfalls transportiert werden sollten. Mit viel Aufwand konnten sie vier Paare umsiedeln. Der Aufwand ist groß, sagte Biebach, die Tiere reagierten auf den Umzug empflindlich: „Bei 20 Zentimeter Höhenunterschied zum alten Nest hatten die Altvögel verweigert, ihre Jungen zu füttern. Bei zehn Zentimetern war es noch in Ordnung.“ Zudem gebe es nur bestimmte Zeiten für die Umsiedlung. „Die Jungen dürfen nicht zu groß sein, weil sie sonst aus dem Nest springen.“

Ein weiteres Problem: Rauchschwalben sind findig. Obwohl die Experten ihrer Meinung nach alle Möglichkeiten für Nester in der Bahnhofshalle verbauten, fanden sechs Schwalbenpaare Platz. Ihnen reichte ein Diagonalbalken oder ein minimaler Vorsprung.

Gemeinderat Jäger: „Das Projekt ist gescheitert“

Gemeinderat Hermann Jäger (CSU) lobte die Bemühungen von Biebach, urteilte aber: „Das Projekt ist gescheitert. Die einzige Möglichkeit ist, den Bahnhof zu schließen.“ Biebach hält die Halle weiterhin für zu attraktiv. Er sehe nur eine Möglichkeit: „Man macht den Bahnhof zu und zwingt die Schwalben auf Plätze im Schwalbenhaus und Dachvorsprung.“ Würden sie die neuen Plätze aber nicht annehmen, müsse die Gemeinde die Bahnhofshalle wegen des Artenschutzes zwingend wieder öffnen. Die Obere Naturschutzbehörde beäugt das Pilot-Projekt, wie Biebach sagte. „Mittlerweile ist es deutschlandweit bekannt“, betonte Bürgermeister Christian Schiller. „Wahnsinn, wie viel Geld und Energie wir da schon reingesteckt haben.“ Um die 25 000 Euro seien bislang angefallen. „Wollen wir das Projekt Bahnhof weiterverfolgen, müssen wir beim Projekt Schwalben weitermachen“, stellte Schiller aber klar. Wie berichtet, möchte die Gemeinde das Bahnhofsgebäude kaufen und umnutzen.

Der Gemeinderat stellt nun weitere 5000 Euro zur Verfügung. Der Bauausschuss soll prüfen, ob die Bahnhofshalle mit Stahl-Glas-Elementen und Türen dicht gemacht werden kann – eine Türe bliebe für Besucher. Für den Brandschutz brauche es dann Rettungswege, mahnte Bauamtschef Guido Finster, bei einem Eingriff in die Bausubstanz müsse man den Denkmalschutz bedenken – und nicht zuletzt den Naturschutz. „Es könnte in allen Richtungen problematisch werden“, sagte Finster.

Neue Lösung wäre immens teuer

Je nach Ausführung könnten sich die Projektkosten schnell verdoppeln. Für eine Verglasung etwa ist Finster zufolge mit Kosten von 40 000 bis 50 000 Euro zu rechnen. „Wir arbeiten mit Hochdruck weiter“, kündigte Schiller an. Im Frühjahr kommen die Schwalben zum Brüten wieder – dann müsse es eine Lösung geben.

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