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Vertraut auf die Mückenfalle: Restaurantchef Korbinian Algeier ist von der Biogent-Methode überzeugt, im sonst mückengeplagten Stegen jedenfalls funktioniert sie.

Mückenalarm

In Deckung mit Zitrusduft

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Die Befürchtung, dass mit steigenden Temperaturen nach dem Hochwasser vermehrt Mücken schlüpfen, ist eingetreten. „Eine Katastrophe“, sagen Mitarbeiter in der Gastronomie am Herrschinger Seeufer. Erstaunlicherweise gilt dies nicht beim „Fischer am See“ in Stegen. Vor zwei Jahren noch von Schwärmen heimgesucht, zeigt eine „forschungserprobte“ Mückenfalle offensichtlich mittlerweile Wirkung.

Herrsching/Stegen – Wie berichtet, hatte ein Fußballspieler aus Eichenau vor gut zwei Wochen in Dießen einen allergischen Schock erlitten, nachdem er von einem Schwarm Mücken attackiert worden war. Auch in den anderen Orten am Westufer des Ammersees ist es nach Aussage der Bewohner „so schlimm wie nie“. Nicht ganz so schlimm, aber schlimm genug findet es auch Heike Horn aus Schondorf, die im „Seehof“ in Herrsching an der Rezeption arbeitet. „Eine Kollegin reagiert allergisch, die nimmt die ganze Zeit Globuli“, sagt sie. Andere schmieren sich schon zu Hause mit Insektenschutzmitteln ein. „Wir haben Gott sei Dank einen Chef, der singt und musiziert, der zieht dann doch noch Leute an.“ Denn im Biergarten seien bei schönem Wetter abends weniger Gäste als gewohnt.

Im Cafe Al Porto stellen die Mitarbeiter ihren Gästen geschnittene Zitrone auf den Tisch, selber cremen sie sich dick ein. „Was kann man sonst machen“, meint Italo Conti. Er arbeitet seit mehr als 20 Jahren in dem Eiscafé direkt an der Seepromenade. „Es war noch nie so schlimm“, findet er.

Julian Barnickel, Hoteldirektor im Ammersee-Hotel, schwört auf Mückenstecker. Im Empfangsbereich zeigten sie eine gute Wirkung, meint er. Seit Mittwoch lässt er im Außenbereich auch Räucherstäbchen aufstellen, die einen Zitrusduft verbreiten, den Mücken nicht mögen. In den Zimmern schützen teilweise Fliegengitter davor, dass die Stechmücken ins Haus kommen. Die Gäste, die den Außenbereich nutzen, seien hart im Nehmen, sagte er. und die Mitarbeiter, „nun, die schmieren sich gut ein“.

Erstaunlicherweise scheint Stegen in diesem Jahr verschont. Zumindest beim „Fischer am See“. Restaurantleiter Korbinian Algeier jedenfalls findet es „nicht so schlimm“ und meint, es nehme auch schon wieder ab. Auf den Tischen stehen Räucherspiralen, außerdem sind überall Mückenfallen aufgestellt. „Bei uns sitzen die Gäste ganz entspannt bis 24 Uhr“, freut er sich.

Was kann schützen, ohne andere Arten zu gefährden?

DEET: Die gängigen Insektenmittel enthalten DEET oder auch Diethyltoluamid in verschiedenen Konzentrationen, ein chemisches Insektenabwehrmittel mit einem breiten Wirkungsspektrum auf verschiedene Insekten. Es kann jedoch auch Allergien hervorrufen und sollte von schwangeren Frauen, in der Stillzeit und bei Kindern unter zwei Jahren nicht angewendet werden. Aus Basis der Studienlage konnten bislang keine wesentlichen und negativen gesundheitlichen Auswirkungen beobachtet werden. 

Natürlicher Schutz: Die Natur hält nicht nur zahlreiche Arzneien, sondern auch Insektenschutzmittel bereit. Das Öl der Rapspflanze enthält Fettsäuren, die saugende Schädlinge absterben lassen und Nützlinge schonen. Chrysanthemen produzieren den Wirkstoff Pyrethrum, ein wirksames Insektengift. Intensive Gerüche nach Zitrone oder Lavendel halten Mücken von Wohnräumen fern.

Elektrische Falle: Mit der Biogents-Fangmethode werden Mücken gefangen, ohne Gifte einzusetzen oder Arten auszurotten, sie wurde aus einer Auftragsforschung der Uni Regensburg entwickelt. Der Erfolg stellt sich allerdings nicht von einem Tag auf den anderen ein, sondern es braucht einige Tage, bis ein merklicher Effekt wahrnehmbar ist. Die Fallen sollten kontinuierlich über einige Zeit betrieben werden. Die Fallen funktionieren auf einer Kombination aus Reizen, die für Stechmücken und andere Blutsauger einen Menschen simulieren, sie locken die Mücken an und saugen sie auf. Die Mücken vertrocknen. Der Stromverbrauch der Fallen entspricht in etwa dem Verbrauch einzelner Unterhaltungselektronikgeräte im Bereitschaftsmodus. Die Fallen gibt es in einer Ausführung mit CO2 und ohne.

Mückenstecker: Je nach Hersteller ist die Wirksamkeit unterschiedlich lang. Die Geräte werden zum Teil schnell warm. Sie funktionieren zum Beispiel mit Biozid-Wirkstoffplättchen oder auch mit Ultraschall

Dem Herrschinger Rechtsanwalt Stephan Seiz reicht’s. Er sieht sich in seinen Grundrechten verletzt, weil staatliche Stellen nichts gegen die Mückenplage am Ammersee unternehmen. Mit einer Petition will er diese nun zum Handeln auffordern – weitere Schritte schließt der 62-Jährige nicht aus.

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