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Das Friseurhandwerk lernen Frauen in  der Berufsschule in Kenia, die Promotion Africa betreibt. Weitere Berufe sollen durch neue Räume hinzukommen. 

Verein Promotion Africa

Berufsschule: Für Erweiterung fehlt Geld

Der Herrschinger Verein Promotion Africa bringt junge Menschen in Kenia mit einer Berufsschule in Arbeit. Für eine Erweiterung fehlt noch Geld – mehr junge Kenianer sollen bessere Zukunftschancen bekommen.

Herrsching – Ob die vier jungen Kenianerinnen ihre Abschlussprüfung noch gemacht haben, weiß Ruth Paulig gar nicht. Bei einem Fest haben die Berufsschülerinnen Mais, Gemüse und Gulasch gekocht. Anwesende Arbeitgeber boten ihnen noch vor Ort eine Anstellung an. Auch in Kenia herrscht Fachkräftemangel, sagt Paulig. Mit dem Herrschinger Verein Promotion Africa möchte sie junge Menschen ausbilden und so die Wirtschaft vor Ort stärken. Seit sechs Jahren betreibt Promotion Africa in Nairobi eine Berufsschule.

Nun möchte der Verein sein Angebot erweitern. In der bisherigen Schule, dem Skill Centre, werden 100 Schüler pro Jahr ausgebildet. Um mehr jungen Kenianern bessere Zukunftschancen bieten zu können, möchte der Verein auf 2100 Quadratmeter weitere Räume errichten. Nach einer Spendenaktion zum Jahreswechsel (wir berichteten) fehlt noch Geld für das letzte Drittel des Grundstücks, sagt Paulig. „Bis Ende Mai müssten wir es haben – wir werden es irgendwie schaffen“, hofft die Breitbrunnerin. Man plane das letzte Drittel bereits ein. „Ohne Zuversicht geht es nicht.“

In vier Wochen könne mit den Fundament-Arbeiten auf den bereits erworbenen Flächen angefangen werden. Der Herrschinger Architekt Christoph Welsch plant die neuen Räume zusammen mit einem kenianischen Architekten. Dort sollen dann Fahrrad- und Automechaniker ausgebildet werden, die derzeit in Wellblechhütten geschult werden müssen. Außerdem soll es einen Kiosk geben. Dort können Berufsschüler, etwa die Bäcker und Caterer, ihre Waren verkaufen.

70 bis 80 Prozent der Schüler kommen aus den Slums, sagt Paulig. Ohne die Berufsschule wären sie weiter in ihren Vierteln. „Gewalt, Prostitution, Drogen – aber eine feste Anstellung? Kaum.“ 80 Prozent der Schüler finden nach ihrem Abschluss eine Anstellung. Unterricht ist von Januar bis Ende Juni – dann nach Möglichkeit ein Praktikum – sowie von Juli bis zur Prüfung im November. Dafür und für Unterkunft und Verpflegung zahlen die Schüler 250 Euro. Das kann sich nicht jeder leisten. Der Betrag könne für Bedürftige halbiert werden, es gebe auch Patenschaften, sagt Paulig. Derzeit trage sich die Schule nur zu einem Viertel selbst – langfristig soll sie sich zu 50 Prozent tragen. „Das ist aber eine Bildungseinrichtung. Komplett wird sie sich nie tragen.“

Es gab auch Überlegungen, die private Schule zu einer staatlichen zu machen. Nach Rücksprache mit Experten sagt Paulig aber: „Dann wäre die Schule sofort runtergewirtschaftet.“ Bei ihrem nächsten Besuch in Kenia im Juni möchte sie aber mit Vertretern der Regierung und der deutschen Botschaft sprechen. „Das Verständnis für private Schulen muss wachsen“, sagt die ehemalige Landtagsabgeordnete.

Gerade für junge Frauen sei die Ausbildung wichtig. 70 Prozent der Schüler sind männlich, 30 Prozent weiblich. „Viele junge Frauen sitzen mit ihrem Kind alleine gelassen in den Slums. Ihnen hilft das Handwerk sehr“, sagt Paulig. Künftig sollen sie auch in Buchhaltung geschult werden können. Generell gebe es in der Region einen Aufschwung und die Wertschätzung für berufliche Bildung steige – auch durch die Berufsschule von Promotion Africa. „Die Jugendlichen wissen: Hier habe ich eine Chance.“

Spendenkonto

Promotion Africa e.V. GLS Bank Bochum, BIC GENODEM1GLS, IBAN DE78 4306 0967 8201 4501 00.

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