Viele Jahre im Mittelpunkt stand Benedikt Doranth (Mitte) bei den Volleyballern des TSV Herrsching (v.l. Ferdinand Tille, Tom Strohbach, Roy Friedrich und Patrick Steuerwald). 2017 wurde der gebürtige Starnberger aus dem Bundesligakader gestrichen.
+
Viele Jahre im Mittelpunkt stand Benedikt Doranth (Mitte) bei den Volleyballern des TSV Herrsching (v.l. Ferdinand Tille, Tom Strohbach, Roy Friedrich und Patrick Steuerwald). 2017 wurde der gebürtige Starnberger aus dem Bundesligakader gestrichen.

Volleyball

Benedikt Doranth: Ehemaliger Dauerbrenner, Kopf und Kapitän des TSV Herrsching

  • vonDirk Schiffner
    schließen

Er war jahrelang eine prägende Figur im Herrschinger Volleyball. Benedikt Doranth kam als 18-Jähriger zum TSV Herrsching, mit dem er von der Landesliga bis in die Bundesliga aufstieg. Dass er 2017 aus dem Bundesligakader ausgemustert wurde, bezeichnet der 33-Jährige heute als „semioptimal“.

Herrsching - Die Erfolgsgeschichte des Herrschinger Volleyballs ist eng mit dem Namen Benedikt Doranth verknüpft. Damals noch als TSV Herrsching dümpelten die Ammerseer in der Landesliga vor sich hin. Dann kam Max Hauser und krempelte die Ärmel hoch und den Verein um. Fortan wurde am Ammersee auf die Jugend gesetzt – was nicht jedem im Verein und im Umfeld gefiel. Vom SV Inning holte er mit Florian Wischnewski und David Garb zwei interessante Talente. An Benedikt Doranth, damals zarte 18 Jahre alt, war Hauser zunächst gar nicht interessiert. „Doch das war mir egal, ich wollte auch nach Herrsching“, sagt Doranth heute. Und ausgerechnet der gebürtige Starnberger wurde schließlich zum Dauerbrenner am Ammersee, wurde Kopf und Kapitän der Mannschaft.

Auf der Annahmeposition hatte Doranth einen großen Anteil am Durchmarsch des TSV Herrsching von der Landesliga bis in die Bundesliga. „Unser Erfolgsgeheimnis war, dass wir immer weniger trainiert haben als die anderen Mannschaften. Bei uns haben alle an einem Strang gezogen“, sagt der 33-Jährige.

Der Erfolg wollte es, dass sich die Volleyballer aus dem TSV Herrsching in die GCDW home of Volleyball GmbH ausgliederten. Doranth und Hauser waren die ersten beiden Gesellschafter, später stießen noch André Bugl und Fritz Frömming dazu. Im Schnellzug-Tempo marschierten Doranth und der TSV Herrsching ab 2010 durch die Ligen und ließen sich von nichts und niemandem aufhalten (2010/2011 Bayernliga Süd, 2011/2012 Regionalliga Süd, 2012/2013 Dritte Liga Ost, 2013/2014 Zweite Liga Süd und ab 2014 schließlich 1. Bundesliga). Drei Jahre spielte Doranth, der nebenbei eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann absolvierte und später noch Sportmanagement studierte, für seinen Herzensklub Herrsching in der Bundesliga.

Ich wäre gern geblieben. Ich war eigentlich billig.

Benedikt Doranth

Ausgerechnet nach seiner besten Saison 2016/2017 war für ihn schließlich kein Platz mehr im TSV-Kader. Der damals 29-Jährige wurde gegen den zehn Jahre jüngeren Tim Peter ausgetauscht. Für Doranth war das eine Enttäuschung. „Ich wäre gern geblieben. Ich war eigentlich billig.“ Kurz zuvor war Doranth als Mitgesellschafter ausgestiegen, wenige Wochen später folgte der nächste Nackenschlag. „Das war semioptimal.“ Doch Johannes Oswald, Manager des Zweitligisten TSV Grafing, wurde bei Doranth vorstellig und unterbreitete ihm ein unterschriftsreifes Angebot.

Einmal im Ausland spielen stand noch auf meiner Wunschliste.

Benedikt Doranth

Aber es sollte zunächst ganz anders kommen. Beachvolleyball-Kumpel Malte Stiel, der in Zürich studierte, lotste ihn zum Schweize Erstligisten VBC Einsiedeln. Nach einem Probetraining legten ihm die Eidgenossen einen Vertrag vor, den Doranth unterschrieb. „Einmal im Ausland spielen stand noch auf meiner Wunschliste.“ Der kleine Verein in der Nähe von Zürich hatte eine ähnliche Story wie die Herrschinger. „Nur konnten die sie nicht so gut verkaufen“, sagte Doranth. Die beiden Legionäre Stiel und Doranth führten das Team, in dem sonst nur Studenten spielten, an. Nach nur einem Jahr zogen die VBC-Verantwortlichen die Reißleine und sich aus der Nationalliga A zurück. So war auch das Auslandsabenteuer für Doranth nach nur einem Jahr beendet.

Mit einem Jahr Verzögerung folgte Doranth schließlich dem Ruf von Oswald und wechselte zum TSV Grafing. Dort spielt er seit mittlerweile drei Jahren an der Seite von einigen Ex-Herrschingern (Julius Höfer, Michael Wehl, Jan Wenke) und mischt die 2. Liga Süd auf. In der Saison 2018/2019 wurden die Grafinger Vizemeister, in der coronabedingt abgebrochenen Spielzeit 2019/2020 Vierter. Auch in dieser Saison mischen die Grafinger als momentaner Tabellendritter wieder in der Spitzengruppe mit. Der TSV liegt sechs Punkte hinter Spitzenreiter TSV Mimmenhausen, hat aber zwei Spiele weniger absolviert als die Baden-Württemberger.

Benedikt Doranth nahm auch an der Deutschen Meisterschaft im Beachvolleyball teil

Auch im Beachvolleyball machte sich der 1,93 Meter große Doranth einen Namen. Insgesamt acht Bayerische Meistertitel konnte er mit verschiedenen Partnern feiern – unter anderem mit Max Hauser und seinem langjährigen Partner Julius Höfer. Mit Hauser schaffte es Doranth 2014 sogar zur Deutschen Meisterschaft, mit Höfer gelang ihm die Qualifikation für das Deutschland-Turnier in Timmendorfer Strand gleich zweimal (2016, 2017).

Benedikt Doranth ist amtierender Deutscher Meister im Snowvolleyball

Auch in der noch jungen Volleyballvariante mit dem etwas sperrigen Namen Snowvolleyball darf sich Benedikt Doranth sogar amtierender Deutscher Meister nennen. Mit seinen Grafinger Kollegen Julius Höfer, Fabian Wagner und Tim Noack gewann er im vergangenen Winter in Oberstaufen den nationalen Titel. Die Teilnahme bei der EM in St. Anton fiel schließlich Corona zum Opfer.

Mittlerweile ist Doranth 33 Jahre alt und arbeitet für die Sportreise-Agentur VolleyTours. Den Spaß am Volleyball hat er aber noch nicht verloren. „Noch zwei, drei Jahre auf diesem Niveau traue ich mir zu.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare