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Zwei Jahre und 1000 Einträge in der Besucherliste: Jutta Menninger, Tom Hamaus, Margit Sulthau, Andreas Thullner und Andrea Walser freuen sich über den Erfolg des Herrschinger Repair-Cafés.

Repair Café

Wider die Wegwerfmentalität

Herrsching - Es war nicht nur ein Fest zum zweiten Geburtstag des Herrschinger Repair Cafés, zugleich registrierte sich die 1000. Kundin.

Seit zwei Jahren bauen die Helfer des Herrschinger Repair Cafés unter dem Dach der Herrschinger Insel jeden ersten Samstag im Monat ihre Zelte auf und packen ihr Werkzeug aus. Exakt 991 Kunden nahmen bis Mai das Angebot wahr, gegen eine Spende ein geliebtes Teil wieder gangbar zu machen. Am Samstag um kurz nach zehn Uhr trug sich die 1000. Besucherin in die Liste ein: Margit Sulthau.

Sie bediente mit ihrem Kommen ein Klischee, das die Statistik von Helfer Tom Hamaus belegt: Denn 66 Prozent der Kundschaft sind weiblich. Die Herrschingerin freute sich über einen großen Blumenstrauß und ein Schokoladenwerkzeugset.

Seit Bestehen des Cafés ist Margit Sulthau immer wieder mal da, gibt dies und das in die kompetenten Hände von zehn Helfern, die vom Elektroingenieur über den Elektriker bis zum begnadeten Tüftler reichen. Diesmal hatte sie Messer zum Schleifen dabei. Aber Margit Sulthau hatte auch schon das Fahrrad mitgebracht oder sich Tipps geholt, weil die Spülmaschine nicht mehr richtig spülte. Letztere konnte sie freilich nicht herschleppen. „Dazu fehlt uns der Platz“, erklärt Hamaus. „Die Menschen müssen auf die Reparatur warten und die Sachen wieder mitnehmen.“ Der Kundin konnte trotzdem geholfen werden, denn ein Waschgang mit Zitronensäure löste das Problem.

Rang 1 der gebrachten Waren belegen Elektrogeräte, gefolgt von Fahrrädern und Kleidern. Heute werkelt Rentner Horst Henschel, ein begeisterter Tüftler, an einem Dynamo. Vater und Sohn aus Breitbrunn machen sich zeitgleich an einer total verbogenen Schaltung zu schaffen. Sie seien „technikinteressiert“ und verfügen über eine „Hands-on-Mentalität“, erklären die Helfer aus Breitbrunn. Derweil fädelt Hamed Aljesm gerade einen Schlauch ein. Der Syrer ist einer von drei Asylbewerbern, die mithelfen. Er ist seit zwei Jahren in Deutschland und stand plötzlich vor der Tür der Herrschinger Insel, erinnert sich Patin Lydia Heinen, die Näherin der „Kleiderklinik“ . „Ich möchte helfen und den Menschen hier was zurückgeben“, sagte er damals. „Ich liebe es zu helfen“, bestätigt der Mann der ersten Stunde. Und drinnen brütet zeitgleich Reinhard Woitek über einem defekten Plattenspieler, neben ihm schraubt ein Helfer an einem Telefon.

Entstanden ist die Reparaturgemeinschaft, nachdem Dr. Jutta Meininger in der Zeitung von Repair Cafés in anderen Landkreisen erfahren hatte. Mit der Idee rannte sie offene Türen ein. „Als Protest gegen die Überfluss- und Wegwerfgesellschaft“, so Hamaus. In den Wartezeiten können Kunden den von der Insel angebotenen Kaffee und selbst gebackenen Kuchen genießen. Ein „das lohnt sich nicht“, wie nicht selten in Fachgeschäften, hat keiner von ihnen zu hören gekriegt. Alleine das macht das Repair Café zum Umweltschützer und gleichzeitig zum Helfer all derer, die sich ein neues Teil schlicht und ergreifend nicht leisten können.

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