Die drei Kirchtürme im Gespräch (v.l.): Bülent Yilmaz als St. Martin, Robert Brack als St. Nikolaus und Ralph Bürklen als Campanile.
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Die drei Kirchtürme im Gespräch (v.l.): Bülent Yilmaz als St. Martin, Robert Brack als St. Nikolaus und Ralph Bürklen als Campanile.

Herrschinger Kirchturm-Gespräch

  • vonAndrea Gräpel
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Drei Protagonisten des Ammerseer Bauerntheaters sind auch in Pandemie-Zeiten in die Rollen der drei Herrschinger Kirchtürme geschlüpft. Was sie sich zu erzählen haben, ist von heute an im Internet zu sehen und zu hören.

Herrsching – In unregelmäßigen Abständen treffen sie immer wieder zusammen, die drei Herrschinger Kirchtürme St. Martin, St. Nikolaus und der Campanile, der freistehende Kirchturm der Erlöserkirche. Und das seit 60 Jahren schon. Sie reden über Herrsching, über Bayern und die Welt. Und was treibt die Welt aktuell mehr um als das Coronavirus? Normalerweise in Präsenz, stehen die Türme pandemiebedingt nun vor der Kamera – und ebenso pandemiebedingt für einen guten Zweck.

Bülent Yilmaz ist wie alle Mitwirkenden Mitglied des Ammerseer Bauerntheaters und die Stimme von St. Martin. Auf der Bühne stand er schon lange nicht mehr. Als gebeuteltem Einzelhändler war ihm an einem bierseligen Abend die Idee durch den Kopf geschossen: Corona muss auch Thema der Türme sein. Zu später Stunde wollte er gleich davon berichten. Robert Brack, schon wie sein Vater Ernst vor 60 Jahren die Stimme von St. Nikolaus, ließ es klingeln, weil es spät war.

Auf die Handy-Nachricht, dass er doch verflixt noch mal rangehen solle, es gebe eine Idee, reagierte Brack am Tag darauf. Da hatte Yilmaz fast vergessen, was ihm denn eingefallen war. Als es ihm wieder einfiel, war nicht nur Brack Feuer und Flamme. Auch Ralph Bürklen, der Campanile, war gleich dabei, genauso wie Alexander Tropschug und Tom Thaler, der sich auf Imagefilme spezialisiert hat. Allen gemein ist, dass sie sich von der Bühne des Ammerseer Bauerntheaters kennen.

Nach einer Woche war das Gespräch im Kasten. Brack hatte gleich das folgende Wochenende mit schlechtem Wetter genutzt und den Text geschrieben, zwei Tage später standen er, Yilmaz und Bürklen in ihren Türmen, angesagt von Tropschug, aufgenommen von Thaler.

Die Türme reden über das Geschehen oder besser: über das, was nicht geschieht – keine Beerdigung, keine Hochzeit, kaum Gottesdienste, „koa Wiesn, koa Schlossgartenfest, koane Seemärkte“. Dafür gebe es Homeoffice, Homeschooling, „Homeessing und Hometrinken“ – wer weiß das besser als Yilmaz? Das Hin und Her mit dem Impfstoff blieb ihnen natürlich auch nicht verborgen. Es gibt zu wenig, „und des, wos ham, bringens net unter d’Leit“, stöhnt St. Nikolaus. Dabei wäre es so einfach, findet St. Martin: Man müsse doch nur die Wirtschaften aufsperren, in jede Halbe ein Stamperl Impfstoff kippen – „und in einer Woche wären alle geimpft“. Gerhard Polt und Karl Valentin ließen sich wunderbar einbauen in das Durcheinander, das der schwäbelnde Campanile auf Bairisch zu beenden versucht.

Fünf launige Unterhaltungsminuten sind dem Quintett geglückt. Vom heutigen Mittwoch an ist der kleine Film auf der Seite des Bauerntheaters unter ammerseer-theaterverein.de im Internet anzusehen. Die Türme würden sich freuen, dass diejenigen, denen das Stückerl gefällt, eine Spende auf das Konto des Theatervereins überweisen – nicht für die Laientruppe, sondern für den Verein Arche Noah, eine Einrichtung der Kinderklinik Dritter Orden in München, und für die Herrschinger Insel. Das Geld geht in vollem Umfang je zur Hälfte an die beiden Institutionen, versichert Brack. Wer dabei helfen will: Das Spendenkonto hat die IBAN-Nummer DE64 7009 3200 0000 0342 07, Stichwort: Kirchtürme.

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