Aus dem Gerichtssaal

Pfefferspray nach Armdrück-Duell

Herrsching – Erst verlor er im Armdrücken, dann brannte ihm die Sicherung durch. Ein Herrschinger wurde wegen Körperverletzung verurteilt. 

Ein 60-jährige Herrschinger musste sich wegen gefährlicher Körperverletzung nebst Besitz und Führen einer verbotenen Waffe vor dem Starnberger Amtsgericht verantworten. Vor dem Kadi versuchte der reumütige und bisher unbescholtene Mann gar nicht erst, seine Tat zu beschönigen. 

Demnach lieferte er sich in der Oktobernacht einen Armdrück-Wettstreit mit einem anderen Lokalgast und verlor nach etwa 40 Sekunden. Als sein Gegner zu einem zweiten Anlauf mit dem linken Arm durchstarten wollte, winkte der Angeklagte ab, da sein linker Arm nach einer alten Verletzung nicht mehr voll bewegungsfähig ist. 

"Ich habe einfach mein Hirn ausgeschaltet"

Der Armdrück-Kontrahent, der sich in dem Herrschinger Lokal offenbar unbedingt einen zweiten Schaukampf geben wollte, rupfte und riss so ungestüm am kranken linken Arm des 60-Jährigen, dass dieser rot sah. 

Weshalb der mit 1,8 Promille alkoholisierte Angeklagte alsdann sein Pfefferspray aus der Hundejacke zückte und seinem Widersacher damit ordentlich ins Gesicht sprühte, erklärte er im Prozess mit einfachen Worten: „Aus Schmerz und Wut. Ich habe einfach mein Hirn ausgeschaltet. Ich kann nicht sagen, welcher Teufel mich da geritten hat.“ 

Pluspunkte: Schuldbewusstsein und alkoholbedingte Enthemmung

Das Pfefferspray war durchaus keine Neuanschaffung. Einst habe er es von seinem Cousin geschenkt bekommen und führe es bereits seit Jahren stets beim Hundegassi mit sich. Der Hinweis der Justiz, dass es sich dabei um ein unerlaubtes Abwehrspray handele, war dem Herrschinger neu. „Sie müssen darauf achten, ob so ein Spray das entsprechende Siegel hat“, so Richterin Christine Conrad. 

Pluspunkte sammelte der 60-Jährige nicht nur mit seinem ehrlichen Schuldbewusstsein sowie seiner alkoholbedingten Enthemmung zum Tatzeitpunkt. Er selber wurde in jener Nacht von der Spraywolke tüchtig erwischt: „Die Sanitäter haben mir danach zehn Minuten lang die Augen ausgewaschen. Außerdem hatte ich zwei Faustschläge ins Gesicht bekommen.“ 

Richterin warnt vor Wirkung des Pfeffersprays

Der Armdrückpartner sowie ein weiterer Lokalgast kamen mit Atembeschwerden, Husten sowie Mund- und Rachenreizungen davon. Auf die leichte Schulter wollte die Staatsanwältin die Sprayaktion dennoch nicht nehmen: „Das kann auch zur Schädigung des Augenlichts führen.“ 

Wenngleich das Gericht die Anklagepunkte des Besitzes und Führens einer verbotenen Waffe einstellte, wurde die gefährliche Körperverletzung trotzdem verurteilt. Die verhängte Geldstrafe setzte Richterin Conrad bei spürbaren 120 Tagessätzen à 45 Euro fest.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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