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Julia von Heinz lebt in Herrsching und ist die Regisseurin von "Ich bin dann mal weg".

Regisseurin in Herrsching

Vom Pilgerweg auf die Erfolgsspur

Herrsching - Der Film "Ich bin dann mal weg" hat großen Erfolg. Seine Regisseurin, Julia von Heinz, lebt in Herrsching. 

Sie ist dann plötzlich da: Julia von Heinz, Regisseurin der Verfilmung des Hape-Kerkeling-Bestsellers „Ich bin dann mal weg“, hat kurz vor Ende der Vorführung nahezu unbemerkt den gut gefüllten, aber noch dunklen Kinosaal des Herrschinger Breitwandkinos betreten. Die Leute schauen bis zum Schluss konzentriert auf die Leinwand, wo die Film-Pilger Devid Striesow, Martina Gedeck und Karoline Schuch gerade an ihr Ziel gelangen, das spanische Santiago de Compostela. Dann geht im Raum das Licht an, und Breitwand-Chef Matthias Helwig begrüßt von Heinz unter großem Beifall zum Filmgespräch.

 Die 39-jährige wohnt mit ihrem Mann schon seit sieben Jahren in Herrsching, und Helwig meint, sie lebe offenbar inkognito am Ammersee. „Überhaupt nicht“, widerspricht die dreifache Mutter, sie bewege sich hier ganz normal wie jeder andere auch. Dass sie mit der Regie für den Kerkeling-Stoff womöglich Prominenten-Status erlangt haben könnte, scheint die völlig unverstellt wirkende Berlinerin noch gar nicht so recht akzeptieren zu wollen. In diesen Tagen überschreiten die Besucherzahlen für „Ich bin dann mal weg“ die Millionen-Grenze, das Kalkül der federführend produzierenden Ufa ist voll aufgegangen. Von Heinz muss seit dem Sommer wie auf Kohlen gesessen sein, denn Kino-Start für den schon damals längst abgedrehten und fertig geschnittenen Film war erst der 17.Dezember – Premiere mit Hape Kerkeling in der Hauptstadt.

 „Er hat mir eine Mail geschickt, dass es ihm gefallen hat, ich war danach schon ziemlich erleichtert“, bekennt von Heinz, der es darauf ankam, den sehr persönlichen Tonfall des Buchs (das auf Kerkelings Jakobsweg-Erfahrung von 2001 basiert) ernst zu nehmen und umzusetzen. „Wo sonst gibt es in einem heutigen Film schon acht Minuten Schweigen am Stück?“, fragt sie in Anbetracht des Getöses moderner Blockbuster. Diese Auftragsproduktion sei für sie zwar nicht unbedingt eine Pilgerreise im Sinne persönlicher Veränderung gewesen, aber der Dreh im Sommer 2014 in Spanien (Außenaufnahmen) und Berlin (Innen) war schon eine spannende und anstrengende Erfahrung – angefangen mit dem Casting der Hauptfiguren.

 „Es war klar, dass Hape sich nicht selbst spielen konnte“, schickt die Regisseurin voraus. Und Devid Striesow habe sich erst mal gesträubt und gesagt, er sei „nur gekommen, um für den Kerkeling-Part abzusagen“. Dass sich Striesow dann für den Film doch auf den Camino begeben hat und sich quasi in sein Pilger-Schicksal fügte, dürfte an seiner relativ großen Ähnlichkeit mit dem Autor der Buchvorlage gelegen haben, verrät die Regisseurin. Um Martina Gedeck als Stella für das Projekt zu gewinnen, seien hingegen mehrere Drehbuch-Versionen erforderlich gewesen. Mit der weiteren Hauptfigur Karoline Schuch (sie spielt die Lena) hatte von Heinz schon bei „Hannas Reise“ gedeihlich zusammengearbeitet. 

Das Publikum in Herrsching fragt, ob sie selber schon mal als Pilgerin unterwegs gewesen sei: Nein, lautet die Antwort. Für „Ich bin dann mal weg“ habe sie sich aber viel mit dem Thema „Gehen auf langen Stecken in großer Einsamkeit“ beschäftigt und zum Beispiel Werner Herzogs Film „Gehen auf Eis“ angeschaut. Die praktische Erfahrung des Pilgerns oder gar Aussteigens werde sie irgendwann mal nachholen – „wenn mal die Zeit fürs Innehalten gekommen ist“. Dann wolle sie vielleicht auch mal den Camino gehen. Jetzt aber befindet sich die 39-jährige auf der Erfolgsspur.

Thomas Lochte

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