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Vor voll besetzten Reihen gab Bürgermeister Christian Schiller einen gewohnt kurzweiligen, diesmal sehr umfangreichen Rechenschaftsbericht ab.

Bürgerversammlung

"Hier wird nichts vertuscht"

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Herrsching  - Es werden jedes Jahr mehr Besucher bei den Herrschinger Bürgerversamlungen. Am Donnertsag kamen etwa 270 in Martinshalle, um sich informieren zu lassen und Fragen zu stellen. Landrat Karl Roth war vom "dynamischen Herrsching" stark beeindruckt.

Es werden jedes Jahr mehr. Am Donnerstag mussten sogar zusätzlich Bänke in der Martinshalle aufgestellt werden, damit alle Besucher der Bürgerversammlung in Herrsching Platz fanden. Insgesamt waren es etwa 270 an der Zahl, die sich den Rechenschaftsbericht von Bürgermeister Christian Schiller nicht entgehen lassen wollten. Und es gab viel zu berichten. „Beeindruckend wie dynamisch Herrsching unterwegs ist“, meinte Landrat Karl Roth, ein immer wieder gern gesehener Gast und natürlich neben Schiller nicht nur Ansprechpartner zum Thema Flüchtlingsunterbringung, sondern auch für das geplante Gymnasium. Ja, „Herrsching lebt“. Dies stellte auch der Rathauschef nach zweieinhalb Stunden, am Ende einer engagierten Fragerunde zufrieden fest.

Feuerwehrhaus Herrsching, Friedhofserweiterung, Rathausvorplatz, Umbau der Rieder Straße, Abschluss der Arbeiten am S-Bahnhof inklusive Park- and Ride-Anlage, Vorberatungen über die Planungen des Bahnhofsvorplatzes – Christian Schiller hatte Vieles zu berichten, was im vergangenen Jahr abgeschlossen werden konnte. Und Vieles, das noch ansteht. Das gepalnte neue Gymnasium etwa. Dem Herrschinger Vater Dr. Thomas Kraft lag genau dieses Thema am Herzen, denn nachdem die leidige Grundstücksangelegenheit abgeschlossen und eine neue Fläche gefunden werden konnte, hofften alle auf ein schnelles Vorankommen. Der Architektenwettbewerb konnte aber noch nicht einmal starten. Im Herbst, heißt es, soll er beginnen. Ursache dafür ist einVerkehrskonzept. Zurzeit wird untersucht, ob die Erschließung der neuen Schule im Mühlfeld über einen Kreisel am Ortseingang erfolgen könnte. „Wenn das gelöst ist, kann der Architektenwettbewerb beginnen“, sagte Schiller. Kraft hatte trotzdem den Eindruck, „dass sich alles verzögert oder verschiebt“. Roth ist der Zeitdruck der Eltern bewusst. „Wir können nicht zaubern. Wir brauchen das Konzept, vielleicht brauchen wir auch noch Grundstücke. So ein Kreisel hängt ja auch nicht in der Luft“, bedauerte er. Dass ihm bei der Bekanntgabe der frohen Botschaft vor einem Jahr entlockt worden war, dass möglicherweise schon 2017 mit dem Bau begonnen werden könne, bedauert er heute. „Ich kann keine Zeit sagen, ich bin ein gebranntes Kind. Wir versuchen 2017 einen großen Schritt weiter zu kommen.“ So viel steht fest: „Wollen tun wir es alle.“ Vor 2019 wird mit eine Baugebinn vermutlich nicht zu rechnen sein.

Verteidigen meinte sich auch Bürgermeister Schiller in ganz anderer Angelegenheit zu müssen, nämlich zu seiner Informationspolitik in Zusammenhang mit der Flüchtlingsunterbringung. CSU-Gemeinderätin Hannelore Doch hatte dies als Koordinatorin der Helferkreise bereits in der Gemeinderatssitzung am Montag erwähnt. Die Behauptung, ihr und der dritten Bürgermeisterin Christina Reich seien in dieser Sache vom Rathauschef Maulkörbe verpasst worden, entspreche nicht der Wahrheit, hatte sie ausdrücklich betont. Und Schiller nannte es in der Bürgerversammlung ein „böses Gerücht“, von dem es noch weitere gebe. „Wir verheimlichen nichts, was nich den Datenschutz betrifft oder die Polizei. Hier wird nichts vertuscht“, versicherte er. Zugleich bat er um Unterstützung der Bürger: „Bitte fragen Sie nach, woher Informationen kommen, wenn Ihnen etwas nicht ganz koscher erscheint, damit wir zeitnah reagieren können.“

Gemeindliche Sozialarbeit:

Die Themen Asyl und Obdachlosigkeit sind in Herrsching nicht wirklich voneinander zu trennen. Sobald einer der in der Ammerseegemeinde registrierten und untergebrachten Flüchtlinge anerkannt ist, braucht er eine Wohnung. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird er zunächst einmal obdachlos. „Ich weiß aber nicht, wie ich die dann unterbringen soll“, erklärte Bürgermeister Christian Schiller ganz offen. Zurzeit habe die Gemeinde ohnehin 15 Obdachlose, „plus 30 Haushalte, die von akuter Obdachlosigkeit bedroht sind“. Guter Rat ist teuer. In diesem Fall war es der Gemeinde die Aufstockung der Sozialpädagogenstellen wert. Gemeindejugendpflegerin Julia Schmidbauer kümmere sich seit einiger Zeit genau um diese Haushalte im Bemühen, die Obdachlosigkeit möglichst abzuwenden. „Wir sind glücklich, dass wir diesen Schritt getan haben“, sagte Schiller. Ihre Besuche bei diesen Familien seien mittlerweile fester Bestandteil ihres Arbeitstages. „Wir brauchten jemanden, der zu den Menschen hingeht.“ Es koste zwar Geld, aber es lohne sich

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