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Ohne sie geht gar nichts: Heimspielkoordinator Markus Römmen, Hausmeister Klaus Trunte und seine Söhne Florian und Max (v.l.).

Volleyball

Hinter den Kulissen der Bundesliga

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Wenn die Herrschinger Bundesliga-Volleyballer zu Hause aufschlagen, ist die Nikolaushalle schnell ausverkauft. Hinter der Inszenierung der Heimspiele steckt ein ganzer Tross von Personen, die aus Begeisterung meist ehrenamtlich mit anpacken. Am diesem Samstag (19 Uhr) gegen Rottenburg wird das nicht anders sein.

Herrsching – Es gibt ein Ritual, das zieht Klaus Trunte (53) bei jedem Heimspiel der Herrschinger Volleyballer konsequent durch: Einseifen, Deo sprühen – alles dreimal. Für jeden Punkt, den man für einen Sieg braucht, einmal. Dann rasieren und Davidoff drauf. Nun, auch das gehört für den Mann, der stolz seinen Mehrtagebart trägt, als Extra dazu. „Dafür husch ich schnell heim. Das bringt Glück.“ Meistens jedenfalls.

Trunte ist Hausmeister der Christian-Morgenstern-Grund- und Mittelschule. Und er ist Teil des Projekts „Geilster Club der Welt“ (GCDW). Seit fünf Jahren. Die Erfolgsgeschichte dieses Clubs kommt 2007 mit dem Durchmarsch von der Bayernliga in die Bundesliga ins Rollen. Max Hauser war damals Spielertrainer und trainiert sie bis heute. Die Erfolge machten euphorisch, und sie waren ansteckend.

Ein Virus, das auch Hausmeister Trunte und seinen heute 19-jährigen Sohn Florian infizierte. „Irgendwann haben wir uns angeboten“, den Aufbau der Werbebanner zu übernehmen, damit die Spieler, die bis dahin alles selbst stemmen mussten, sich besser vorbereiten können. Als Werbefläche dienten damals Handballtore. Das war 2012, nach dem Aufstieg in die dritte Bundesliga. Seit 2014 spielen die Herrschinger in der Bundesliga, unterstützt von 20 Sponsoren und 21 Partnern und von Flips, dem Wal, das Maskottchen vom Fischladen. Und auch in Flips steckt ein Trunte, nämlich der 26-jährige Max.

Zweieinhalb Stunden dauert der Aufbau am Abend vor den Heimspielen heute. Los geht es, sobald der Trainingsbetrieb aufhört, in der Regel gegen 22 Uhr, manchmal vorher. In der Nikolaushalle herrscht dann weiter großes Treiben: Banner aufhängen, Ton und Licht installieren (fünf mal 100 Meter Kabel), 25 LED-Werbemodule und Banden aufbauen.

Für die Organisation gibt es seit dem Aufstieg in die erste Bundesliga einen fest angestellten Heimspielkoordinator – Markus Römmen (51). Und einen Werkstudenten, den leistet sich der Club auch – Ede Penner. Wie so viele andere sind sie irgendwann dazugestoßen und wurden vom Fieber gepackt. Vom Fieber für den GCDW. Die Temperatur ist schon beim Aufbau leicht erhöht, getragen von Vorfreude und – das gehört dazu – lauter Musik.

Wenn ein Heimspiel ansteht, sind mittlerweile bis zu 70 Personen an Organisation, Catering und Aufbau beteiligt. Alles Herrschinger. Bis kurz vor dem Spiel – und natürlich auch wieder danach, denn abgebaut werden muss ja auch. Die meisten machen es ehrenamtlich. Manchmal ist jemand auch ganz spontan dabei, weil ein anderer ausfällt. „Schon ’ne geile Truppe“, findet Römmen, „wie ’ne große Familie.“

„Wenn man solche Leute suchen würde, würde man sie nicht finden“, weiß André Bugl. „Die kommen, weil sie Teil von dem sein wollen, von dem Großen. Da hat jeder seine Seite mitgeschrieben“, sagt der Marketingmanager. Er selbst genauso. Er fehlt bei keinem Aufbau, „die Inszenierung der Heimspiele, das ist mein Baby“. Und so behandelt er es. Als der neue Boden vor zwei Jahren für 75 000 Euro gekauft und geliefert wurde, war er Trauzeuge bei Hausers Hochzeit. Trunte und Römmen sollten die Lieferung entgegennehmen, was sich schwieriger gestaltete als gedacht. Bugl musste her, und er kam. Die eingeschweißten Bodenplatten für 600 Quadratmeter Fläche und insgesamt zwölf Tonnen schwer, mussten Platte für Platte in die Halle gebracht werden. Mit Bugl und den Spielern haben sie es dann geschafft.

In der Halle gibt es eine Garage, die nur für diesen Boden reserviert ist. Jedes Mal muss er neu verlegt und abgebaut werden, denn die Halle ist eigentlich nicht bundesligatauglich. Die Tribüne mit ausziehbaren 700 Sitzplätzen zu klein, das Dach mit sieben Meter Höhe zwei Meter zu niedrig. Wenigstens 2500 Besucher sollte eine Halle fassen können in der Volleyball-Bundesliga, und neun Meter hoch sollte sie sein. Gespielt wird seit fast vier Jahren mit einer Ausnahmegenehmigung vom Verband. Jedes Mal müssen die Herrschinger um eine Verlängerung zittern, wenn sie nicht bald eine Alternative bieten können. „Die Voraussetzungen, die wir haben, sind die schlechtesten, die man sich denken kann“, sagt Bugl. Trotzdem ist die Euphorie ungebrochen. „Für Herrsching ist das eine tolle Geschichte“, findet Römmen. Darum bleibt er dabei, so wie die meisten, die einmal dazustießen. Und auch die Truntes sind noch immer mittendrin.

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