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Die Idylle trügt: Zwar sieht das Ufer des Ammersees bei Herrsching beim derzeitigen Wetter überaus verlockend aus, aber die Gänse – Bürgermeister Christian Schiller hat Freitagmittag rund 140 gezählt – werden immer mehr zum Problem.

Verunreinigung

Herrsching hat ein Gänse-Problem

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Herrsching - Es ist nicht das erste Mal, dass Herrsching um Hilfe in der Gänseproblematik ersucht. Schon 2009 bevölkerten die Vögel die Badeplätze über die Maße.  Auch in diesem Jahr wird die Schonzeit der Graugänse deshalb um 14 Tage verkürzt. 

„Auch das erfrischendste Bad im Ammersee macht keinen Spaß mehr, wenn der Körper danach mit roten Pusteln übersäht ist“, sagt Wolfgang Herre. Der Herrschinger überlegt ernsthaft vom Ammersee vor seiner Haustür zum „wurmfreien Wörthsee“ auszuweichen. Dort gibt es keine Gänse, in der Herrschinger Bucht „mehr als 200“. Die Gänseproblematik an den Herrschinger Badeplätzen ist nicht neu und auch nicht beschränkt auf den Ammersee. Zuletzt wurde die Schonzeit der Graugänse im Jahr 2014 deswegen am Starnberger See um 14 Tage verkürzt. Der Bescheid zur Verkürzung der Schonzeit am Ammerseeufer für dieses Jahr sei gerade raus, sagt Landratsamtssprecher Stefan Diebl. Am 15. Juli kann die Jagd beginnen.

Das freut auch Herrschings Bürgermeister Christian Schiller, der erst am Freitagmorgen bis zu 140 Gänse am Alten Sportplatz zählte. Die Gemeinde hatte schon 2009 den Jagdpächter der Gemeindeflächen um Hilfe gebeten. „Der kann aber nur in aller Herrgottsfrühe raus, ab 5 Uhr sind schon die ersten Jogger unterwegs“, weiß Schiller.

Vom Wasser aus werden seit 2008 keine Gänse mehr bejagt. Das könnte eine Ursache für die große Population sein. Die aktuellen Jagdpächter würden nicht mehr als zehn Gänse im Jahr schießen, meint der Uttinger Bernhard Ernst, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Ammersee. Bis 2008 hatten die Fischer die Jagdpacht. „Dann wurde das Jagdrecht so eingeränkt, dass wir es nicht mehr ausüben wollten“, sagt Anton Ernst vom Café Forster in Schondorf. Eine Einschränkung war, dass nicht mehr vom Boot aus geschossen werden darf. Mit einer Ausnahme, die auch die Fischer mit Jagdschein nach wie vor heranziehen: Der gefräßige Kormoran darf sogar vom Motorboot aus beschossen werden. Gänse aber nicht. Ernst hat für seine Badefläche eine einfache Lösung, die er englisch: „Geeseguard“ nennt: seinen Hund. Hunde dürfen auf den Herrschinger Badeflächen aber nicht frei laufen. Die Gänse haben freie Bahn und der Bauhof hat seine liebe Mühe, vor allem im Kies, wo der Kot besonders schwer zu entfernen ist.

Dass schon jetzt Hautreizungen auftreten, überrascht nicht nur den Leiter des Starnberger Gesundheitsamtes, Dr. Lorenz Schröfl. Diese so genannten Zerharien dürften noch nicht auftreten. Sie werden verursacht durch Larven, die im Wasser schlüpfen. „Allerdings erst ab einer Temperatur von 24 Grad Celsius“, so Schröfl. Bei der jüngsten „Beprobung“ der Ammersee-Badestellen (Froschgartl, Schullandheim, Herrschinger Bucht, Rieder Wald, Breitbrunn, Campingplatz Buch und Stegen) am 13. beziehungsweise 15. Juni habe das Wasser 18 Grad gehabt und alle Werte seien anstandslos gewesen. „Und so schnell wärmt der See nicht auf“, meint Schröfl. Trotzdem hat Herre „ziemlich viele Pusteln“ und eine Bekannte habe an ihrem Enkel gleich 40 gezählt. Ab 15. Juli wird sich zeigen, ob die aktuelle Herrschinger „Gänseplage“ allein von Land eingedämmt werden kann.

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