Unfassbar, was die Menschen in der Natur liegen lassen. Eva Greimel sammelte einen ganzen Kleinwagen voll Müll, Ehemann Hans stieß auf eine Batterie Flaschen.
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Unfassbar, was die Menschen in der Natur liegen lassen. Eva Greimel sammelte einen ganzen Kleinwagen voll Müll, Ehemann Hans stieß auf eine Batterie Flaschen.

Gemeindeaktion

Hut ab vor den Müllsammlern

  • vonAndrea Gräpel
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Ute Piper vergleicht Müllsammeln mit Pilzesammeln. Ist der „selektive Blick“ mal geschult, sieht man jeden Schnipsel. So geht es ihr schon lange, und es sei Zufall gewesen, dass sie sich ausgerechnet an dem Tag mit Renate Stahl verabredet hatte, als auch die Gemeinde mit „Herrsching ramt zam“ zum alternativen Ramadama aufrief. So wie die beiden Herrschingerinnen sich am Müll auf den Straßen und auf öffentlichen Plätzen stören, stört dies auch Eva Greimel schon seit Jahren in Breitbrunn.

Herrsching/Breitbrunn - Eva Greimel Sie ist ebenfalls unabhängig von der gemeindlichen Aktion und das ganze Jahr über aktiv, um immer wieder ganze Autoladungen voll Müll zum Bauhof zu schaffen. Dessen Leiter Hermann Sontheim freut sich. „Wer klaubt heute noch den Dreck der anderen zusammen?“ Voller Respekt sagt er deshalb „Hut ab“ und wünschte sich genauso wie Bürgermeister Christian Schiller, dass sich noch andere aktiv seinem Aufruf anschlössen. Vor zwei Wochen gestartet, lasse die Resonanz ein bisschen zu wünschen übrig. Aber es ist nicht zu spät, die Aktion laufe länger.

Eva Greimel ist es wichtig, dass sie nicht allein immer mit einer Tüte in der Hand spazieren gehe, um den Müll am Wegesrand aufzusammeln. Allerdings machen es nicht alle mit dieser Leidenschaft. Angespornt durch den Aufruf, brachte sie erst diese Wochen eine Kleinwagen-Ladung voll Müll zu Sontheim – drei 80-Liter-Säcke voll und unzählige Flaschen. Die Einbauküche und den Maschendrahtzaun, den Hans Greimel im Wald auftat mal ausgenommen, den holte der Bauhof ab. Einen Flaschenfund der besonderen Art machte Hans Greimel kurz darauf, als er sich auf eine Bank an einer Wegkreuzung zwischen Breitbrunn und Ellwang setzte: „Dann hab ich die grünen Kappen gesehen. Das hörte gar nicht wieder auf.“ Hans Greimel, wie seine Frau immer mit einer Tüte unterwegs, sammelte die mehr als 100 Fläschchen auf und drapierte sie zur Anschauung daheim auf dem Gartentisch. Fassungslos darüber, dass sie nicht in einem Mülleimer entsorgt wurden, der nicht weit entfernt stand.

Ute Piper geht es in Herrsching genauso. Sie sammelt auf, was die Menschen achtlos fallenlassen. „Sogar die Zigarettenschachteln“, ärgert sie sich. Dabei sei es doch schon schlimm genug mit all den unverrottbaren „Kippenschnipseln“. „Es ist entsetzlich“, sagt sie. Am schlimmsten sei es am Bahnhof, vor allem da wo sie nicht sammeln dürfe – im Gleisbereich. „Eine Mülldeponie“, sagt sie und fragt sich, warum nicht mehr Mülleimer aufgestellt werden.

Zuletzt sammelte sie mit ihrer Freundin im Gewerbegebiet, füllte kleine Müllsäcke – „vier an einem Nachmittag“, um sie dann in die großen 80-Liter-Säcke zu werfen und zum Bauhof zu schleppen. Ihre Idee war ursprünglich, Warnwesten anzuschaffen mit der Aufschrift Ramadama, um ein lustiges Foto für ein Plakat zu machen. Damit die Aktion „aus diesem uncoolen Bereich“ herauskommt und auch junge Menschen zum Mitmachen bewege. Menschen wie einen barfuß laufenden jungen Mann, den sie die Promenade entlang schlendern sah – mit einer Tüte in der Hand und fröhlich Müll sammelnd. „Wie so eine Fee“ kam er ihr vor.

Mit Westen ausgerüstet wurde sie inzwischen von der Gemeinde. Darauf steht: „Aktion Sauberes Herrsching“, dazu gibt es Zangen. Nun fehlen nur noch mehr Mitstreiter, die in Herrsching in coronakonformen Kleingruppen durch die Straßen ziehen. Die blauen 80-Liter-Säcke gibt es im Rathaus, weil der Bauhof nicht immer besetzt ist. Um vorherigen telefonische Kontakt unter z (0 81 52) 3 74 22 wird gebeten, um die Aktion koordinieren zu können.

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