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Symbolbild

Herrschings Kaminkehrer Florian Stiller erzählt 

In dieser Geschichte geht es nur ums Glück

Herrsching – Insgesamt 42 Kaminkehrer gibt es im Landkreis Starnberg. Meister, Gesellen und Azubis, die in 17 Bezirken kehren. Was sie eint: Alle gelten als Glücksbringer. Wer die goldenen Knöpfe seiner Jacke reibt oder den rußverschmierten Mann mit dem Zylinder auf dem Kopf und der Leiter über der Schulter gar anfasst, dem ist das Glück gewiss. Sagt zumindest der Aberglaube. Aber wie geht ein Kaminkehrer damit um? Und wie steht er selbst zum Glück? Wir haben Kaminkehrmeister Florian Stiller (30) gefragt, der auf Herrschings Dächer steigt.

- Grüß Gott, Herr Stiller. Wie fühlt man sich als Glücksbringer?

Das ist ein sehr schönes Gefühl. Allerdings bringe ja nicht ich als Person Glück, sondern in meiner Tätigkeit als Kaminkehrer.

-Warum ist der Kaminkehrer eigentlich ein Symbol für Glück?

Dazu gibt es viele Theorien. Meine Lieblingsbegründung ist, dass der Kaminkehrer nicht einer einzelnen Person, sondern einer ganzen Gemeinde Glück bringt. Der Glaube stammt aus Zeiten, als die Kaminkehrer – ähnlich wie die Zimmerer auf der Walz – noch durch die Lande zogen. Verrußte Schlote entzündeten sich in den damals nicht selten mit Stroh gedeckten Dächern leicht. Wenn die Kaminkehrer also in einem Dorf oder einem Stadtteil einzogen und die verrußten Kamine reinigten, war die Gefahr gebannt. Die Gemeinde hat also Glück gehabt, dass sie gerade durch ihren Ort wanderten.

-Werden Sie manchmal sogar auf das Glück oder die Rolle als Glücksbringer angesprochen?

Täglich! Es gehört schon zu meinem Beruf dazu, dass Menschen über die Straße auf mich zulaufen und mich anfassen. Das liegt vermutlich auch daran, dass ich ganz bewusst diese Rolle einnehme, indem ich meiner Arbeit ganz traditionell mit Zylinder und goldenen Knöpfen an der Jacke nachgehe.

-Manche Menschen sagen, es gibt kein Glück, sondern nur Zufälle...

Glück ist in meinen Augen auch eine Fähigkeit. Es reicht nämlich nicht, das Glück zu erkennen, wenn es vor einem steht, sondern man muss mit Fleiß daran arbeiten, dass es auch zu einem kommt. Im Fußball wird das mit den „Dusel-Bayern“ deutlich: Denen fallen die Siege auch nicht in den Schoß, sondern sie müssen die Chancen sehen und nutzen – und dazu gehört der Wille, hart dafür zu trainieren. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ja, ich glaube an das Glück.

-Sie kommen mit vielen verschiedenen Menschen in Kontakt. Glückliche und unglückliche. Was macht für Sie einen glücklichen Menschen aus?

Ein glücklicher Mensch ist mit sich selbst zufrieden und schätzt auch die kleinen Dinge des Lebens. Dass morgens die Sonne aufgeht, die schönen Erlebnisse im Beruf und die Familie, in der er sich wohl fühlt. Ganz im Sinne von: Lache, und die Welt lacht mit dir.

-Sind Sie ein glücklicher Mensch?

Auf jeden Fall. Ich habe eine tolle Frau und eine tolle, 18 Monate alte Tochter. Außerdem darf ich einen Beruf ausüben, der für mich eine Berufung ist, und den ich in meiner Funktion als Vorstand für Bildung im Regionalverband Südost und in meiner Tätigkeit als Lehrer mitgestalten darf.

-Haben Sie auch schon mal so richtig Glück gehabt?

Glück habe ich grundsätzlich jeden Tag, wenn ich auf die Dächer steige. Und definitiv Glück hatte ich drei Mal, als ich aus sieben Metern Höhe heruntergefallen bin und nach dem Sturz jedes Mal sofort wieder aufstehen und weiterarbeiten konnte.

-Was ist für Sie persönlich das höchste Glück?

Gesundheit für die ganze Familie, Freunde, Bekannte und Kollegen, um auch weiterhin das Leben genießen zu können.

-Es heißt: „Das Glück liegt auf der Straße.“ Könnten Sie das für sich persönlich so unterschreiben?

Ja. „Das Glück liegt auf der Straße“ bedeutet für mich, dass man sich auf Neues einlässt. So habe ich meine Frau vor sieben Jahren kennen gelernt. Ich habe sie gesehen und wusste: Das ist sie! Und jetzt sind wir glücklich verheiratet und haben eine süße Tochter. Auch dass ich vor 15 Jahren entschieden habe, Kaminkehrer zu werden, war so ein glücklicher Moment. Eigentlich wollte ich nämlich irgendetwas mit Wirtschaft machen. Auf der Bank oder im Einzelhandel. Dann war zufällig ein Kaminkehrer bei uns zu Hause und ich habe ihm über die Schulter geschaut. Da war mir klar: Ich will Kaminkehrer werden. Ich habe den Eignungstest gemacht und die Ausbildung begonnen, ohne vorher ein Praktikum gemacht zu haben. Die richtige Entscheidung.

-Silvester steht vor der Tür, und man wünscht sich gegenseitig Glück. Denken wir mal größer: Was würden Sie der Welt für das kommende Jahr wünschen?

Als Erstes kommt mir natürlich der Frieden in den Sinn. Wünschen würde ich mir allerdings grundsätzlichen Respekt vor dem einzelnen Leben, also vor den Menschen, den Kulturen, den Religionen, den Kindern und der Umwelt. Ich glaube nämlich, dass genau das die Grundlage für den Frieden ist – und der kommt unter dieser Voraussetzung von ganz alleine.

-Wie feiert ein Glücksbringer wie Sie Silvester?

Ich feiere Silvester ganz ruhig und leise im Kreise meiner zwei Lieben. Und vielleicht schauen meine Frau und ich uns mit einem Glas Sekt durch das Fenster das Feuerwerk an, wenn die Kleine schläft.     mk

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