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Trauer um eine lieb gewonnene Fichte: Als der Baum noch vor Weihnachten gefällt wurde, stellten die Anwohner Grabkerzen auf den zurückgebliebenen Stumpf. 

Nach Baumfällung

Ersatzpflanzung ja, aber an anderer Stelle

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Immer mehr Herrschinger haben sich an den freien Blick auf die Martinskirche gewöhnt und lehnen einen neuen Baum an der alten Stelle ab.

Herrsching – Bürgermeister Christian Schiller hatte es in den Bürgerversammlungen bereits angedeutet: Immer mehr Stimmen würden laut, die eine Nachpflanzung für die alte Fichte am Kirchberg in Herrsching nun ablehnen. Und warum? Weil der Blick auf die alte Martinskirche frei ist. Der Bauausschuss entschied sich am Montag deshalb gegen eine Nachpflanzung an dieser Stelle – auch aus Kostengründen.

Wie berichtet, hatte die alte Fichte noch vor Weihnachten aus verkehrssicherungstechnischen Gründen gefällt werden müssen. Die Spitze drohte abzubrechen. Ein großer Metallring war in den Baum eingewachsen. Darüber hinaus hatte sich ein starker Ast wie ein zweiter Baum aus dem Stamm heraus entwickelt. Aus Sicherheitsgründen hatte deshalb schon die traditionelle Weihnachtsbeleuchtung nicht angebracht werden können. Schon dies führte zu Protesten. Diese wurden noch lauter, als der Baum vor Weihnachten schließlich gefällt wurde. Die Anwohner waren empört, stellten Grabkerzen auf den einsamen Baumstumpf, der von der Fichte übrig blieb.

Den meisten Mitgliedern im Bauausschuss kam der Stimmungswechsel ganz gelegen. Am Montag stand das Thema Fichte oder wahlweise Tanne nämlich zur Entscheidung. Um einen mit der alten Fichte vergleichbaren Ersatz zu bekommen, wurde die Pflanzung eines so genannten Großbaums vorgeschlagen. Ein Baum, der bereits zwischen vier und acht Meter groß ist. Das sei eine aufwändige Maßnahme an dem Kirchberg, mit Kosten von 10 000 bis zu 20 000 Euro, so Schiller. Schon allein die Entfernung des Stumpfes sei mit einem großen Aufwand verbunden, erklärte Umweltreferentin Franziska Kalz, die sich als diplomierte Forstwirtin mit Bäumen auskennt. Bliebe der Stumpf im Hang, brauche er etwa zehn Jahre, um zu verfaulen, bis dahin hätte sich der Hang gesetzt und es müssten keine Sicherungsvorkehrungen getroffen werden. Schwierig würde auch eine Ersatzpflanzung werden, weil ein gerader Wurzelteller nicht so einfach in einen schrägen Hang eingepflanzt werden könne. Ganz abgesehen von den notwendigen Pflegemaßnahmen über drei Vegetationsperioden, um sicher zu gehen, dass der Großbaum auch anwächst. Darauf hatte auch Christina Reich (CSU) hingewiesen, die ebenso vielfach darauf angesprochen worden ist, wie schön es sei, einen freien Blick auf die Kirche zu haben.

Eine Ersatzpflanzung sei unstrittig, betonte Schiller, nachdem Christiane Gruber (BGH) und auch Gertraud Köhl (Grüne) auf die Vorbildfunktion der Gemeinde in Zusammenhang mit Ersatzpflanzungen verwiesen hatten. „Halt nur an anderer Stelle“, sagte der Rathauschef. „Nachdem die Aufregung verflacht ist, würde ich momentan keinen Baum dort nachpflanzen“, meinte Willi Welte (CSU), „wir sollten ein Jahr abwarten.“ Mit knapper Mehrheit stimmte der Bauausschuss am Ende für eine Ersatzpflanzung am Kirchberg, aber an anderer Stelle.

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