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So voll war der Sitzungssaal noch nie: Rund 70 Zuhörer drängten sich am Montag beim Thema Harzverbot sogar bis in den Flur vor dem Saal. 

Nikolaushalle in Herrsching

Gemeinderat lehnt Harzverbot einstimmig ab

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Das Votum war eindeutig: Herrschings Gemeinderäte haben einstimmig gegen das Harzverbot für die Dreifach-Turnhalle der Christian-Morgenstern-Mittelschule gestimmt. 

Herrsching Die Fronten sind verhärtet. Nicht anders ist das Verhältnis der TSV-Handballabteilung und der Leitung der Christian-Morgenstern-Mittelschule zu beschreiben. Diese hat das Thema Harz-Verschmutzung am Montag nun schon zum wiederholten Mal in den Gemeinderat getragen. Diesmal mit dem Antrag, ein Harzverbot zu verhängen. Das einstimmige Votum dagegen setzte ein deutliches Zeichen.

Wie berichtet, hatte Sch

ulleiter Florian Thurmair die Dreifach-Turnhalle der Schule erstmals im September 2016 für den Schulsport gesperrt. Damals ging es um die Bodenverschmutzung durch den Einsatz von Harz bei Training und Spielen der höherklassigen Mannschaften. Nachdem die Reinigungsfirma gewechselt und eine Grundreinigung durchgeführt worden ist, gab es an der Sauberkeit des Bodens nichts mehr zu mäkeln.

Dafür soll unter anderem der Einsatz des aggressiven Reinigungsmittels aber zur Ablösung der Hallenbodendeckel geführt haben. Zwei Zentimeter tiefe Aussparungen entstanden, die eine Unfallgefahr darstellten. Eine Spezialfirma hat die Deckel mittlerweile fachmännisch repariert.

Dass für diesen Schaden allein die Handballer verantwortlich gemacht werden sollen, stellte Abteilungsleiter und Gemeinderat Uli Sigl in Abrede. 529 Mitglieder zähle die Abteilung, darunter 316 Kinder und Jugendliche, betonte er und verwies auf vielfache Auszeichnungen für die Jugendarbeit. Dies sei nur über potente Sponsoren möglich, die die höherklassigen Mannschaften fördern. Und in diesen Klassen und Ligen sind Haftmittel ein notwendiges Übel, um am Ball zu bleiben. „Die Deckel haben sich schon immer gelöst. Sie werden jedes Mal mit Saugnäpfen rausgezogen, irgendwann löst sich die Oberfläche. Auch wenn wir nicht mehr dort spielen würden, die Deckel würden sich trotzdem lösen“, sagte Sigl.

In Bezug auf Armaturen und dergleichen wollte er sich dagegen nicht aus der Affäre ziehen: „Da müssen wir uns drum kümmern.“ Denn dies hatten Schulleiter Thurmair und seine designierte Nachfolgerin Kerstin Casper auch vorgebracht: An Klinken, Türen, Lichtschaltern, Armaturen und auch an den Geräten – überall klebe der Dreck. „Es geht um eine grundsätzliche Einstellung. Das ist es eigentlich, was uns stört“, so Thurmair. „Zu sagen, da kommt ja die Reinigungsfirma, gehört sich nicht.“ Vor allem kostet dies extra – 350 Euro im Monat. Kosten, an denen sich laut Sigl die Handballer beteiligen wollen. Und die Sportgeräte wollen sie selber reinigen.

„Wir sind als Sachaufwandsträger aufgefordert, an der Situation etwas zu ändern“, sagte Bürgermeister Christian Schiller. Die Schulleitung kann zwar über den Schulsport bestimmen, aber Hausherr bleibt die Gemeinde und damit der Gemeinderat, der über das Harz-Verbot zu entscheiden hatte. Auch wenn die künftige Schulleiterin keinen Zweifel daran ließ, dass sie den Sportunterricht bestimmt wieder einstellen werde: „Sobald der erste Harzboppel irgendwo klebt, wird die Halle gesperrt.“ An eine Verbesserung glaubt sie nicht.

Dafür aber der Gemeinderat. Dieser lehnte ein Harz-Verbot ab, stimmte der Harz-Reinigung auch in Nebenräumen zu und holt sich das Geld vom TSV zurück. Je mehr die Handballer aufpassten, umso weniger werde es kosten. „Wenn die Handballer sich an den Kosten beteiligen und Besserung geloben, dann ist das ein Ansatz“, fand nicht nur Wolfgang Schneider (SPD). Hans-Hermann Weinen (SPD) und auch Christina Reich (CSU) schlugen zudem einen Runden Tisch für Handballer und Schulleitung vor, um dort nicht nur eine „To-Do-Liste“ zu erstellen, sondern auch über ein besseres Miteinander zu sprechen. Thurmair sagte, „wir können mit dem Ergebnis sicher leben“. Ob er seiner in dieser Sache offenbar strengeren Nachfolgerin damit aus der Seele sprach, ist nicht bekannt.

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