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Die Initiatoren des Bürgerbegehrens, Gerhard Knülle (l.) und Willi Welte, bei ihrer Informationsveranstaltung am Montag vor einer Woche.

Bürgerbegehren Gymnasium

In Herrsching wird der Ton noch rauer

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Der Streit um das Bürgerbegehren Gymnasium Herrsching entzweit die Gemeinde. Bürgermeister Christian Schiller und seine beiden Stellvertreter haben der Ehefrau des Mitinitiatoren Gerhard Knülle einen Auftrag. Dieser zog in einer E-Mail daraufhin einen Nazi-Vergleich.

Herrsching – Das Bürgerbegehren zum Gymnasium in Herrsching hat am Wochenende weiteren Unfrieden in der Gemeinde gesät. Und dieser hat wiederum auf beiden Seiten zu Missstimmungen geführt. Dabei ging es doch nur um den alljährlichen Besuch des Chores „Stella del Cornet“ aus der italienischen Partnergemeinde Ravina-Romagnano am Ammersee.

Die Vorgeschichte:Vor etwa drei Wochen unterhält sich Angelika Knülle im Rathaus mit Bürgermeister Christian Schiller. Thema ist der bevorstehende Besuch des Chores beim Christkindlmarkt. Die 74-Jährige spricht fließend Italienisch und ist seit rund 20 Jahren dabei, wenn die Freunde aus Italien kommen. Im Auftrag der Gemeinde hat sie schon öfters bei der offiziellen Begrüßung der Gäste übersetzt. Und sie ist die Ehefrau von Gerhard Knülle, einem der drei Initiatoren des zu dieser Zeit in Planung befindlichen Bürgerbegehrens, das Schiller und der Gemeinderat ablehnen. „Sie hat mir vor drei Wochen beteuert, dass sie nichts mit dem Bürgerbegehren zu tun habe und gerne wieder im Auftrag der Gemeinde übersetzen wolle, wenn die Italiener kommen“, erinnert sich Schiller an das Treffen. Und: Weil er beides voneinander trennen könne, spreche nichts gegen die Dolmetscher-Tätigkeit.

Montag, 10. Dezember:Gerhard Knülle und sein Mitstreiter Willi Welte informieren vor mehr als 200 Bürgern im „Andechser Hof“ über ihr Vorhaben. Mit dabei sind auch Schiller, der sich mehrfach zu Wort meldet, und Angelika Knülle. „Sie hat dort Zettel verteilt und fotografiert“, sagt Schiller. Es könne also keine Rede davon sein, dass sie nichts mit dem Bürgerbegehren zu tun habe. „Jeder hat gesehen, wie aktiv sie war.“ Angelika Knülle sieht das anders: „Ich habe fotografiert, weil mein Mann dort war“, sagt sie. Und die Zettel habe sie nur weitergereicht.

Donnerstag: Schiller bespricht sich mit seinen Kollegen Vizebürgermeister Hans-Jürgen Böckelmann und 3. Bürgermeisterin Christina Reich. Es geht um den Montag – und auch um die Frage, ob Angelika Knülle noch im Auftrag der Gemeinde beim Christkindlmarkt übersetzen soll. Schiller: „Frau Knülle kämpft gegen die Gemeinde und gegen den Gemeinderat, und gleichzeitig gibt ihr die Gemeinde einen Auftrag – ist das nicht ein bisschen komisch?“ Schiller, Böckelmann und Reich kommen zu dem Schluss, Knülle den Auftrag zu entziehen.

„Sie hätte sich am Montag vollkommen raushalten können“, sagt Christina Reich. „So aber blieb uns ganz nichts anderes übrig, als zu reagieren. Wir haben im Sinn der Gemeinde entschieden.“ Zudem habe man die Partnerschaft mit Ravina-Romagnano und den Christkindlmarkt von der Politik fernhalten wollen. „Wir wollten ein entspanntes Wochenende haben“, sagt Reich.

Freitag: Schiller informiert Angelika Knülle am Telefon von der Entscheidung der Bürgermeister. „Das hat mir einen richtigen Schlag versetzt“, sagt die 74-Jährige. „Ich war völlig sprachlos, traurig und enttäuscht.“ Das Bürgerbegehren habe mit dem Besuch aus Italien doch überhaupt nichts zu tun. „Das sind zwei Paar Stiefel“, sagt sie. „Meine Frau ist menschlich zutiefst verletzt“, sagt Gerhard Knülle – zumal sich seine Frau beim Bürgerbegehren komplett raushalte. Weitere Termine mit den Italienern, unter anderem ihre Auftritte im Johanniter-Haus und in der katholischen Kirche, sind von der Ausladung übrigens nicht betroffen. Das lässt sich Angelika Knülle in einem zweiten Telefon von Schiller bestätigen.

Wochenende: Christina Reich bekommt eine E-Mail von Gerhard Knülle, in der dieser die Entscheidung der drei Bürgermeister aufs Schärfste kritisiert. Unter anderem spricht er davon, dass die Gemeinde seine Frau in eine „unerträgliche Sippenhaft“ im Stil der Nazis und des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan genommen habe. Das wiederum findet die 3. Bürgermeisterin, die wie die Knülles der CSU angehört, geschmacklos. Sie könne verstehen, dass Angelika Knülle traurig und vielleicht auch persönlich gekränkt sei, aber: „So eine Reaktion geht gar nicht“, sagt sie. „Das hat mich persönlich sehr getroffen.“ Sie denke darüber nach, dagegen vorzugehen. 

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