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Der Spezialist: Jürgen März ist Braumeister. Er ist der Chef am Brennofen, wenn auf dem Ignazhof gebrannt wird. 

Schnapsbrennerei

Das Herzstück ist der Mittellauf

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Der Ignazhof in Widdersberg sieht aus wie ein Bauernhof, aber dahinter steckt etwas ganz anderes: Unter anderem eine Schnapsbrennerei.

Widdersberg – Eigentlich wollte Achim März Bier brauen, aber das war zu aufwändig. Sein Bruder Jürgen spielte da nicht mit. Jürgen März (42) ist Bierbrauer und wohnt in Olching. Er hätte sechs Tage die Woche nach Widdersberg fahren müssen, wo der Ignazhof von Achim März (39) steht. Die Brüder einigten sich auf Schnaps. In den schimmernden kupfernen Kesseln unten in der Tenne geht es deshalb nicht um trübes Bier, sondern um glasklares Destillat, das einen aromatischen Duft durchs Haus strömen lässt.

Achim März hat den Hof 2004 gekauft. Der Hausname Ignazhof stammt aus dem Jahre 1660, als Hans Königbauer das Anwesen an seinen jüngeren Halbbruder Ignaz Königbauer verkaufte, auf den der Hausname zurückgeht. Bis 1988 wurde das landwirtschaftliche Anwesen bewirtschaftet. Als Achim März den Hof kaufte, war das Anwesen halb verfallen. Zusammen mit seiner Frau Nikola (41) hat er Haus und Stall Stück für Stück liebevoll saniert und mit ausgesuchten Details ausgestattet, die in der Tenne Staunen machen – sie ist eigentlich ein kleines Bauernhofmuseum. Mitten drin wird gefeiert und gegessen und im Brennkeller Schnaps gebrannt.

Erst wurde in einem alten Brennofen gebrannt, seit 2011 ist es die neue, aufpolierte kupferne Brennerei. 40 000 Euro kostet so eine Anlage. Anfangs durften es nicht mehr als 50 Liter Alkohol im Jahr sein. Ein so genanntes kleines Brennrecht, wie es Landwirte hatten. 2012 hat Achim März einer Brennerei am Chiemsee ein so genanntes großes Brennrecht abkaufen können, das ihm erlaubt, 300 Liter Alkohol pro Jahr zu erzeugen. 1500 Euro hat er dafür bezahlt. „Vor 20 Jahren war das Brennrecht noch richtig teuer, heute nicht mehr.“ Von der 300-Liter-Produktion reinen Alkohols, sind für März 700 Liter Schnaps verkaufsfähig. Der hat „nur“ 40 Prozent Alkohol. Er gewinnt Schnäpse aus Zwetschgen, Birnen, Äpfeln, Marille, Himbeeren und Haselnuss, die seit 2012 auch in einen Hofladen verkauft werden – ein alter Getreidekasten aus dem Jahr 1900.

Eine Besonderheit seien die „Geister“ wie Himbeergeist, erklärt Achim März. Da Himbeeren wegen geringen Zuckergehaltes wenig Alkohol ergeben, wird kein Brand, sondern ein Geist daraus hergestellt. Das heißt nichts anderes, als dass ihnen Alkohol zugemischt wird. Auch Nüsse haben keinen Zucker. „Am besten eignen sich Steinfrüchte, die haben einen hohen Zuckergehalt“, weiß Braumeister Jürgen März. „Aromen mögen Hitze nicht so.“ Und der Obstler, der sei eigentlich ein Produkt aus Früchten, „bei denen irgendetwas nicht gestimmt hat“.

Nikola März ist unterdessen ebenso experimentierfreudig geworden wie Mann und Schwager. In der privaten Familienküche verwendet sie allerdings gern den Thermomix. „Sie schwärmt für dieses Gerät. Ich weniger“, verrät Achim März und lacht. Immerhin hat die Maschine einen Bierlikör gemacht. „Und es hat sogar geschmeckt“, gesteht Achim März. Aber seine Schnäpse mag er trotzdem lieber.

Achim und Jürgen März laden regelmäßig zu Brennereivorführungen – zuletzt Anfang Februar. Nach einem Schweinebraten mit Kraut und Kartoffelknödel auf der Galerie, dürfen die Besucher die alte Holztreppe hinuntersteigen und dem Braumeister über die Schulter schauen und Löcher in den Bauch fragen. Zwei Brände werden an diesem Tag produziert, ein Brand dauert jeweils drei Stunden. Die Besucher kommen runter, wenn der eine fast durch ist und der andere neu angesetzt wird. Dazu stehen Fässer mit Maische bereit, in diesem Fall gegorene Äpfel. Sechs Wochen beträgt ihre Gärzeit.

Die Maische wird in der Brennblase aufgekocht, von unten mit Holz beheizt. Der Dampf steigt in den Geisthelm und läuft über das Geistrohr in eine Verstärkereinheit. In der Märzschen Brennerei ist es eine ganze Verstärkerkolonne, in der der Alkohol noch mehrmals aufgekocht wird. Heraus kommt ein ungenießbarer Vorlauf, „der riecht wie Kleber“ und hat etwa 80 Prozent Alkohol. Das „Herzstück“ ist der Mittellauf, und dann gibt es noch den Nachlauf – voller Bitterstoffe. „Wenn’s milchig wird, haben wir das Ganze verschlafen.“ So einfach ist das gesagt, wenn man nicht aufpasst. Jürgen März steht deshalb am Eimer und schaut regelmäßig auf die Spindel, die ihm den Alkoholgehalt anzeigt. Auch die Temperaturen müssen kontrolliert werden, maximal 80 Grad.

Die Märzschen Schnäpse haben alle 40 Prozent. Zum Verkauf oder zur Verkostung kommen Schnäpse erst, wenn sie ein halbes Jahr gelagert wurden – „offen und in Edelstahlfässern, das ist besser“. Wie er das meint, kann man bei den Brennereivorführungen testen und sich den aromatischen Duft um die Nase wehen lassen. Die nächste ist aber erst wieder nach der Erntezeit.

Infos zu Brennerei

und Veranstaltungen unter www.ignazhof-widdersberg.de

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