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Muss sich mit der Bayernliga beschäftigen: Herrschings Handball-Abteilungsleiter Uli Sigl (r.) will aber auch im Falle eines Aufstieges nicht an der familiär und kameradschaftlich geprägten Struktur des Vereins rütteln (l. Aladin Huskic). 

Interview mit Herrschings Handball-Abteilungsleiter Uli Sigl

„Für uns zählen andere Dinge als Geld“

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Die Handballer des TSV Herrsching haben ein außerordentlich erfolgreiches Jahr hinter sich. Die erste Herrenmannschaft könnte sogar in die Bayernliga aufsteigen. Wir sprachen mit Abteilungsleiter Uli Sigl.

Herrsching – Die Handballerinnen des TSV Herrsching führen die Tabelle der Bezirksoberliga an. Die Herren sind Zweiter in der Landesliga und die Reserve als Aufsteiger auf einem guten sechsten Rang in der Bezirksoberliga. Viel besser hätte die Vorrunde für Uli Sigl nicht laufen können. Doch der Erfolg bringt für den Abteilungsleiter auch viele Fragen mit sich. Wie geht es weiter, wenn der Verein die nächste Stufe zündet? Ist er auf die sich abzeichnenden Veränderungen vorbereitet? Kann er sich häuten, ohne seine Identität zu verlieren? Es kann ein aufregendes Jahr werden.

-Herr Sigl, das Jahr geht zu Ende. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Das Ende des Jahres bedeutet nicht gleichzeitig das Ende der Vorrunde. Am 7. Januar spielen unsere Herren noch gegen den TSV Allach. Und selbst danach halte ich die Zeit für eine Resümee noch für verfrüht. Ich möchte, bis es soweit ist, lieber noch die Spiele gegen Allach, Würm-Mitte und Dietmannsried abwarten.

-Klingt das nicht etwas zu vorsichtig für einen Abteilungsleiter, dessen Mannschaft an zweiter Stelle der Landesliga steht?

Für mich sind das drei schwere und richtungsweisende Spiele. Wir können alle gewinnen, wir können aber auch alle verlieren, denn unsere Gegner sind nicht schwächer als wir. Ohne die Ergebnisse zu kennen, sind alle weiteren Annahmen rein hypothetisch.

-Es ist jedoch keine Hypothese, dass der TSV seine beste Saison spielt, seit er in die Landesliga aufgestiegen ist. Lässt sich daraus gar nichts ableiten?

Aktuell besticht die Landesliga Süd durch ihre enorme Ausgeglichenheit. Sechs Vereine kämpfen um die Meisterschaft. In den vergangenen Jahren war es immer so, dass die Mannschaft, die zur Saisonhälfte vorne stand, am Ende nie aufgestiegen ist. Wir haben keine Garantie, dass wir Zweiter bleiben oder noch Erster werden. Es kann noch so viel passieren.

-Bedeutet das, dass Sie sich generell weigern, sich Gedanken über die Zukunft ihres Teams zu machen?

Es wäre sicherlich nicht klug, wenn ich mir überhaupt keine Gedanken machen würde, wie es bei uns weitergehen wird. Natürlich beschäftigt mich das Thema, was sein wird, wenn wir in die Bayernliga aufsteigen. Das ist bei aller gebotenen Zurückhaltung auch nicht an den Haaren herbeigezogen.

-Nun, was geht Ihnen da genau im Kopf herum?

Mich treibt zurzeit der Gedanke um, dass man alles nur falsch machen kann.

-Inwiefern?

Wenn wir auf den Aufstieg verzichten würden, verbauen wir der Mannschaft die Möglichkeit, sich für ihre Leistung zu belohnen und eine wertvolle Erfahrung in der höchsten bayerischen Liga zu machen. Steigen wir auf, kommen wir nicht darum herum, die Mannschaft personell zu verändern. Keiner weiß jedoch, welche Konsequenzen das für unser Team haben wird, dessen wahre Stärke vor allem der großartige Zusammenhalt ist.

-Bisher gelang es der Mannschaft immer recht gut, die neuen Spieler zu integrieren. Warum soll sich das auf einmal ändern?

Es spricht sicherlich für uns, dass wir einen breiten Kader haben. Das ist die Basis unseres Erfolges. Egal wer kam, er hat sich gut eingefügt. Allerdings bestehen bei uns Strukturen, die das harmonische Miteinander fördern. Es gibt inzwischen so eine Art Arbeitsteilung zwischen den Routiniers und den jüngeren Akteuren. So ist die Spielzeit für alle gut dosiert. Für die älteren Akteure nicht zu viel, für die jüngeren nicht zu wenig. So fühlen sich alle gerecht behandelt.

-Den Routiniers scheint dies gut zu bekommen.

Die Belastung ist nicht mehr so hoch wie früher. Michael Zech muss keine 60 Minuten mehr durchackern. Er spielt jetzt nur noch 40 Minuten im Angriff. Und Sean Mackeldey kann sich auch die eine oder andere Pause auf der Bank gönnen.

-Machen die beiden in der nächsten Saison weiter?

Wir haben noch keine Gespräche mit unseren Spielern geführt, mit niemandem. Erst in den nächsten Wochen werden wir die Kaderplanung für die kommende Saison angehen. Ich gehe aber davon aus, dass alle bleiben.

-Einige Akteure werden noch in dieser Saison zurückkommen.

Niklas Emmrich kehrt im März wieder von seinem Praktikum aus den USA zurück. Wir wissen aber nicht, ob er nach einem halben Jahr in Amerika noch eine entscheidende Hilfe für uns ist. Dort gibt es keinen Handball. Die Saison ist fast vorbei, wenn er wieder hier ist. Es bleiben für ihn nur noch fünf oder sechs Spiele.

-Basti Kircher zählt auch zu den Kandidaten, die das Team in dieser Saison noch verstärken können.

Wir würden uns sicherlich alle darüber freuen. Nur gelang es bisher nicht, seine Patellasehnen-Entzündung in den Griff zu bekommen, obwohl von allen Seiten daran gearbeitet wird. Erst wenn er wieder richtig fit ist, spielt er. Keiner weiß jedoch, ob dies schon in zwei Wochen oder erst in zwei Monaten der Fall ist. Zum Glück ist er selbst so vernünftig, dass er sich geduldet und erst zurückkommen will, wenn die Verletzung komplett ausgeheilt ist.

-Ein Vorteil für ihr Team könnte sein, dass es bereits neun Auswärtsbegegnungen, aber nur drei Heimspiele absolviert hat.

Vermutlich ist das ein Vorteil, aber wer will das wissen. Leider haben wir im vergangenen Jahr bewiesen, dass wir nicht die stärkste Heimmannschaft sind. Deshalb sehe ich keinen Automatismus, dass wir jetzt jede Partie in der Nikolaushalle gewinnen, obwohl die Stimmung stets hervorragend und die Unterstützung durch unsere Fans fantastisch ist.

-Gegen die Mannschaft spricht, dass sie sich gerade gegen gleichwertige Konkurrenz schwer tut.

Das stimmt, obwohl es heuer schon etwas besser geworden ist. In der vergangenen Saison hatten wir bei einer Bilanz von 2:14 Punkten gegen die Top-Teams so gut wie gar nichts zu bestellen. In diesem Jahr liegen wir mit 3:5 Punkten etwas besser. Aber wohin der Trend wirklich weist, erkennen wir erst nach den nächsten drei Spielen.

-Für die Mannschaft spricht, dass sie vor allem die Aufgaben gegen die vermeintlich schwächere Konkurrenz äußerst seriös angeht und alle Spiele gewonnen hat.

Das ist auch eine Qualität. Wir haben bei den starken Neulingen in Mainburg und in Gundelfingen gesiegt, obwohl die zu diesem Zeitpunkt noch von der Aufstiegseuphorie getragen wurden. Das war schon sehr überzeugend. Ebenso unsere Erfolge in Kempten oder Dachau. Man hat gesehen, dass das Team jetzt in der dritten Saison in der Landesliga spielt. Aladin Huskic zum Beispiel, der früher ein Heißsporn war, ist mit den Jahren gereift und hat die Zahl seiner Fehler auf ein Mindestmaß reduziert. Dieselbe Entwicklung haben viele andere auch durchgemacht. Es ist unser Erfolgsrezept, dass wir eine super intakte Mannschaft haben.

-Sportlich haben Sie den TSV gut aufgestellt. Aber wäre er auch wirtschaftlich dazu in der Lage, den Aufstieg zu stemmen?

Wie schon gesagt, ich mache mir dazu erst Gedanken, wenn es so weit ist. Zum Glück sind wir keine Fußball-Mannschaft. Wir werden kein Geld investieren, um irgendwelche Leute zu holen. Es ist unser Erfolgsrezept, dass wir eine superintakte Mannschaft haben, die sehr viel miteinander unternimmt. Diesen Gemeinschaftsgeist kann man nicht mit Geld bezahlen.

-Für Ihre Konkurrenz klingt das unverständlich. Sie unterstellt Ihnen, finanzielle Anreize zu setzen.

Ich kann das wirklich nicht nachvollziehen. Das setzt ja die Grundannahme voraus, dass alle Spieler ihren bisherigen Verein allein wegen des Geldes verlassen und zu uns kommen. Aber das ist nicht der Fall. Schauen Sie sich Thomas Stanglmair an, der vor anderthalb Jahren aus Murnau zu uns kam. Er besitzt fünf Autohäuser. Meint tatsächlich irgendwer, dass jemand wie er auf ein paar hundert Euro angewiesen ist, um zu uns nach Herrsching zu kommen? Es muss deshalb noch viel überzeugendere Argumente als Geld geben.

-Ihr Torwart Dubravko Grgic besitzt keine fünf Autohäuser.

Aber er fühlt sich bei uns sehr wohl, genauso wie Thomas Stanglmair auch. Wir sind ihm entgegengekommen. Unser ehemaliger Coach Armin Herle hat ihm eine Wohnung besorgt. Unsere Leute ließen ihre Beziehungen spielen und vermittelten ihm einen neuen Job. Wohlgemerkt, es waren seine Mitspieler und sonst niemand, die sich für ihn einsetzten. Das ist kein finanzielles Hexenwerk, das ist soziales Engagement und Teamgeist.

-Welche Rolle nimmt ihr Trainer Reinhold Weiher in der Familie TSV Herrsching ein?

Ich denke, dass er uns allen unwahrscheinlich gut tut. Er vermittelt jedem Spieler, dass er wertgeschätzt und in der Mannschaft angekommen ist. Allein das macht sehr viel aus und schafft ein angenehmes Klima. Das sind ja alles clevere Burschen, die für uns spielen. Die wollen auch vernünftig behandelt werden. Am meisten bewundere ich jedoch seine erstaunliche Ruhe und Gelassenheit. Ich bin ja eher jemand, der gleich einen roten Kopf bekommt, wenn er sich ärgert. Aber er bewahrt immer die Contenance.

-Reinhold Weiher ist nicht der einzige Trainer, der momentan in Herrsching vorzügliche Arbeit abliefert. Noemi Tölgyesi hat hat die Damen auf Tabellenplatz eins der Bezirksoberliga geführt. Sind Sie selbst von dieser Entwicklung überrascht?

Noemi Tölgyesi hat die Erwartungen bisher mehr als erfüllt. Ihr Tempo-Handball ist maßgeschneidert für die Mannschaft und für die Liga. Aber es ist auch bei den Damen schwer zu beurteilen, ob sie nach dem Abstieg sofort wieder in die Landesliga zurückkehren werden. Auch hier stellt sich die Frage, ob das Team schon reif für diesen Sprung ist. Entscheidend wird das Heimspiel am 28. Januar gegen Weßling sein. Wenn wir das gewinnen, schaut es nach Meisterschaft aus.

-Nicht um den Titel, sondern nur um den Klassenerhalt geht es für Matthias Krehl, den sie im Sommer für die Reserve verpflichten konnten.

Ich bin unheimlich glücklich mit ihm. Es war je ein gewisses Experiment, als ich ihn Hans Wannenmacher zur Seite stellte. Der bisherige Saisonverlauf bestätigt mich in meiner Entscheidung. Für uns ist es enorm wichtig, dass die Zweite in der Bezirksoberliga bleibt. So lassen sich die A-Junioren und die Rekonvaleszenten aus der ersten Mannschaft leichter an das Niveau in der Landesliga heranführen. Es freut mich daher sehr, dass wir uns auf einem guten Weg befinden, den Klassenerhalt zu schaffen.

-Was zeichnet Matthias Krehl aus?

Ich könnte jetzt viele Punkte aufzählen, aber was würde das über ihn aussagen? Eine Anekdote trifft es viel besser, was er für ein feiner Mensch ist. Als Matthias Krehl im Sommer bei uns angefangen hat, habe ich ihm einen unterschriftsreifen Vertrag vorgelegt. Er hat ihn sich angesehen und dann den Betrag für sein Honorar durchgestrichen mit der Begründung: „Das will ich nicht. Das ist mein erstes Trainerjahr. Ich lerne ja noch.“ Er arbeitet jetzt kostenlos hier. Geld spielt bei uns in Herrsching nicht die Rolle wie in anderen Vereinen. Für uns zählen zum Glück noch andere Dinge.“

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