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Der Speed-Kanal in Lüderitz ist nur wenige Meter breit. Er wurde 2007 im Südwesten Namibias extra ausgebaggert, um höchste Geschwindigkeiten surfen zu können. Der Herrschinger Andy Laufer war heuer erstmals auf dem Hochgeschwindigkeitskurs unterwegs und wurde sofort vom Virus Speed Challenge angesteckt.
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Im Ziel geht der Blick sofort zur Uhr.
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Andy Laufer trainiert regelmäßig auf dem Ammersee.
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An der magischen Marke gekratzt: In seinem schnellsten Versuch schrammte Andy Laufer nur ganz knapp an den 100 km/h vorbei.

Windsurfen

Die Jagd nach der magischen 100

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Es ist die magische Marke: 100 km/h. Noch nie hat ein Windsurfer diese Durchschnittsgeschwindigkeit auf einer Strecke von 500 Metern erreicht. Der Herrschinger Andy Laufer war vor zwei Wochen in Lüderitz/Namibia so nah dran wie noch nie zuvor. Doch dann bremste ihn ein Sturz aus.

Herrsching Andy Laufer steht mit seinem Raceboard im Flachwasser und wartet auf eine Möglichkeit zum Starten. Als eine geeignete Böe in sein Segel pfeift und ihm Sand und kleine Steinchen ins Gesicht weht, springt er auf das knapp 40 Zentimeter breite und 2,30 Meter lange Brett – und ab geht die wilde Fahrt.

Der 47-jährige Herrschinger, der jahrelang als Profi im Worldcup durch die Welt tingelte und zu den schillerndsten Figuren in der Windsurfszene zählte, nahm Anfang November erstmals in seiner langen Karriere an der Lüderitz Speed Challenge im Südwesten Namibias teil. „Als Björn Dunkerbeck im Juni bei mir zu Besuch war und mir beim Frühstück von Lüderitz erzählte, hatte er Gänsehaut“, erzählt Laufer. Und wenn eine Windsurf-Legende wie Dunkerbeck so ergriffen ist von einem Event, dann muss es etwas ganz Besonderes sein. „Da wusste ich, da muss ich auch einmal dabei sein“, sagt Laufer. Nachdem der Vater von drei Kindern sich das Okay seiner Frau Miriam geholt hatte, machte er sich gemeinsam mit seinem Freund Gunnar Asmussen, ebenfalls eine große Nummer der deutschen und internationalen Surfszene, auf nach Namibia.

„Unfassbar, was für ein krasses Gefühl“

Nach dem Start in dem nur wenige Meter breiten, 2007 künstlich ausgebaggerten Kanal nimmt Laufer allmählich Fahrt auf – und nach wenigen Metern geht die Post so richtig ab. Nach einem Linksknick in der nahezu wellenlosen Wasserstraße – dem so genannten Slingshot – katapultiert der bis zu 45 Knoten (83 km/h) starke Wind den Herrschinger auf Raumschotkurs auf Geschwindigkeiten bis knapp an die 100 km/h. „Unfassbar, was für ein krasses Gefühl. Als würde ich fliegen“, schwärmt Laufer.

Angst verspürt der Herrschinger, der beruflich eine Partnervermittlungs-Plattform betreibt, dabei nicht. „Herzrasen hatte ich schon, aber wenn man erst mal auf dem Brett steht, denkt man gar nicht daran, dass etwas passieren könnte“, sagt Laufer. Aber erinnert wird man ständig daran, dass der Husarenritt durch den schmalen Kanal durchaus Gefahren birgt. „Auch in diesem Jahr sind wieder zwei Surfer im Krankenhaus gelandet“, weiß der Familienvater.

Der Weltrekord liegt bei 53,27 Knoten

Kaum im Ziel, geht Laufers Blick sofort auf seine GPS-Uhr. Er kann es kaum glauben: 53,28 Knoten (98,67 km/h) Top-Geschwindigkeit zeigt ihm das Display an – und das bei nicht einmal optimalen Bedingungen. „Es war wie ein Traum, ich habe vor Freude geschrien“, erzählt der 47-Jährige, der noch nie zuvor so flott übers Wasser gerast war.

Doch damit war sein großes Ziel noch nicht erreicht. Die magische 100er-Marke war noch nicht geknackt. Und den deutschen Rekord auf einer Strecke von 500 Metern, den der Dortmunder Christian Bornemann seit 2015 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50,2 Knoten (92,97 km/h) hält, hätte Laufer auch gerne verbessert. Selbst der vor zwei Jahren vom Franzosen Antoine Albeau ebenfalls in Lüderitz aufgestellte Weltrekord (53,27 Knoten = 98,56 km/h) war greifbar. Zumal die Windvorhersage vielversprechend war.

Laufer verbessert seinen persönlichen Rekord

„Um in Weltrekordnähe zu kommen, wird Wind von 50 Knoten plus x benötigt“, erklärt Laufer, der sich mit seinen 96 Kilogramm als Leichtgewicht unter den Speedsurfern bezeichnet. Dann nämlich könne er sich noch mehr Gewicht auf den Rücken schnallen, wodurch die Fahrt ruhiger und somit schneller wird. Und nachdem der Wetterbericht entsprechende Windgeschwindigkeiten prophezeit hatte, entschloss sich der Herrschinger, nach zwei Wochen seinen Namibia-Aufenthalt um ein paar Tage zu verlängern. Schließlich hatte er mit 49,78 Knoten (92,2 km/h) über die 500 Meter einen neuen persönlichen Rekord aufgestellt und war einen Tag vor seiner Abreise mit 53,28 Knoten Tagesschnellster unter den rund 40 wagemutigen Teilnehmern gewesen – und damit zum Geheimfavoriten für die diesjährige Lüderitz Speed Challenge aufgestiegen.

Sturz beendet die Rekordjagd

Aber dann machte ihm ein verhängnisvoller Sturz einen Strich durch die Rechnung: „Bei einer Geschwindigkeit von etwa 50 Knoten verlor ich aufgrund von Übermut die Kontrolle über das Board und stürzte“, erzählt Laufer. Er knallte mit dem Fuß gegen das Rigg, die Mastfußverlängerung war sogleich geborsten, und er spürte einen dumpfen Schmerz im rechten Fuß. Sofort war ihm klar: Das war’s mit der Rekordjagd. Die Diagnose lautete: zweifacher Kapselriss im Sprunggelenk. „Halb so wild“, spielt Laufer das Malheur herunter.

Dieser kleine Unfall kann ihn jedenfalls nicht davon abhalten, auch im nächsten Jahr wieder nach Lüderitz zu pilgern. Laufer hat „Lunte gerochen“. Zumal nach seiner Abreise tatsächlich noch einige Bestwerte erzielt wurden. Die Britin Zara Davis verbesserte den Weltrekord bei den Frauen auf 46,49 Knoten, und Mikkel Asmussen baute den dänischen Rekord auf 49,40 Knoten aus. Für Andy Laufer jedenfalls steht fest: „Nächstes Jahr muss endlich die 100 fallen.“

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