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Schildbürgerstreich nennt Bürgermeister Christian Schiller im Gespräch mit Redakteurin Andrea Gräpel die jüngsten Aussagen der Bahn zur Rieder Straße.

Herrsching: So wird 2018

Ohne Unterführung droht Chaos

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Für Herrschings Bürgermeister Christian Schiller geht ein gutes Jahr zu Ende. „Grundsätzlich“, denn Ausnahmen bestätigen die Regel. So soll es weiter gehen. 

Herrsching – Die Ausnahme in diesem Jahr waren die Volleyballer und der Bau einer auch Bundesliga-tauglichen Event-Arena. Das Thema hat den ganzen Ort beschäftigt, die Diskussionen wurden emotional geführt. Die Fronten sind bis heute verhärtet.

Bauvorhaben

Zum Bau eines Gymnasiums ist es noch ein weiter Weg. Schiller hofft, dass in diesem Jahr zumindest mit dem Bau des Kreisverkehrs begonnen werden kann. „Den brauchen wir auch, weil er zugleich Baustellenzufahrt ist.“ Der Eingangsverkehrs von Andechs wird dadurch abgebremst, das Ortsschild rausversetzt. Dafür erhofft er sich einen besseren Verkehrsfluss von und nach Mühlfeld.

In kleinen Schritten geht es auch mit dem Bahnhofsvorplatz weiter. Die Siegerplanung wurde gerade erst prämiert (wir berichteten). „Bis zur Realisierung werden noch zwei bis drei Jahre vergehen“, schätzt der Bürgermeister. Für Schiller ist im neuen Jahr wichtig: „Wir müssen mit der Planung vorankommen.“

Ganz anders sieht es bei der Erweiterung der Christian-Morgenstern-Grund- und Mittelschule aus. „Im Frühjahr werden wir loslegen.“ Die Baustelleneinrichtung erfolge noch im alten Jahr, „die Hecke ist schon gekappt und die Bauzäune aufgestellt.“ Zwei Millionen Euro sind für 2018 im Haushalt eingestellt. Eine weitere Million 2019.

Sichtbare Fortschritte wird es auch an der Rieder Straße geben. Die Erschließung des neuen Baugebietes mit Einheimischen-Modell westlich der Polizeiinspektion soll im Frühjahr abgeschlossen sein. Für die Gemeinde Herrsching ist dies insofern von Bedeutung, als dort auch der neuen Kindergarten gebaut werden soll. „Die Planungen mit dem Träger Kunterbunt laufen weiter“, sagt Schiller. „Wir kümmern uns 2018 um die Anbindung an die Rieder Straße und um eine Querungshilfe im Bereich des künftigen Kindergartens.“ Der Kindergarten selbst werde 2018 wohl nicht mehr in Angriff genommen,, „vielleicht die Grundsteinlegung im Herbst“. Mehr erwartet Schiller eigentlich nicht.

Breitbandausbau

Auch um dem Gewerbe bessere Voraussetzungen zu bieten, ist Schiller der Fortschritt beim Breitbandausbau wichtig. „Wir sind seit sechs Jahren hinterher“, sagt er. Bis zu 300 000 Euro werden jährlich dafür investiert. Über die neueste Meldung der Telekom, dass seit Mitte Dezember bis zu 100 MBit/s in Herrsching möglich sind, lässt ihn schmunzeln. „Uns erreichen immer wieder Meldungen, dass selbst 50 MBit/s nicht erreicht werden.“ Auch im Rathaus nicht. „Das Feuerwehrhaus hat 50 Mbit/s, darauf kommen wir im Rathaus bis heute nicht. Es geht um sechs Meter“, sagt er und schüttelt den Kopf. Der neuen Technik selbst höchst aufgeschlossen gegenüber, hofft Schiller, dass Herrsching und die Ortsteile bald besser versorgt sind. „Wir sind dran.“

Verkehr

Das Gesamtverkehrskonzept steht schon lange, die Umsetzung zieht sich in die Länge. Allein die provisorischen Maßnahmen auf Summer- und Schillerstraße dauerten zwei Jahre und sind noch immer nicht abgeschlossen. Die Baumkübel werden erst im Frühjahr geliefert. Schiller wird bei dem Thema selbst ungeduldig. „Ich würde mir wünschen, dass die Stellen, die was zu sagen haben, schneller entscheiden.“ Dies sei das eine, das andere sei die Unterstützung. „Einzelne wie Starnbergs Kreisverkehrsmanagerin Susanne Münster unterstützen uns hervorragend, andere dann wieder weniger“, bedauert Schiller.

Im neuen Jahr soll auf jeden Fall der Fahrradschutzstreifen an der Rieder Straße weitergeführt werden. „Das wollen wir konsequent weitermachen“, verspricht der Bürgermeister. Viele Maßnahmen hingen aber auch vom Bau einer Bahnunterführung ab. Die letzte Aussage der Bahn, dies sei gar nicht möglich (wir berichteten), nennt Schiller einen Schildbürgerstreich. Seit vielen Jahren wird darüber diskutiert, dass eine Unterführung notwendig sei, wenn die zweite Stammstrecke in Betrieb genommen wird. Seit 2012 liegt eine komplette Planung vor, eine Masterarbeit von Christine Stelz „zur Beseitigung des höhengleichen Bahnübergangs in Herrsching“. Die zweite Stammstrecke geht 2026 in Betrieb, dadurch werde die Zeit knapp, so Schiller. „Wir brauchen ja auch noch ein Planfeststellungsverfahren.“

Ende November habe eine Gespräch zwischen Landratsamt und Innenministerium stattgefunden, sagt Schiller. „In diesem Gespräch hat Frau Münster mit Nachdruck auf die Notwendigkeit der Unterführung hingewiesen. Am 16. Dezember fand ein weiteres, internes Abstimmungsgespräch im Landratsamt statt. Schiller wartet gespannt auf das Ergebnis. Denn laut Prognosen der Bahn schließt die Bahnschranke mit Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke alle fünf Minuten. Die Auswirkungen auf den Verkehr kann sich jeder ausmalen, der die Straße häufiger befährt.

„Jetzt wollen wir die Nebenstraßen beruhigen, aber wir müssen warten“, erklärt Schiller. Würde eine Unterführung nämlich doch noch gebaut, wie er hofft, dann müsste der Verkehr zum Beispiel über die Madeleine-Ruoff-Straße umgeleitet werden. Eine der Straßen, die verkehrsberuhigt werden sollen. „Wir können als nicht anfangen, wenn sowas noch aussteht.“ Und ohne Unterführung befürchtet Schiller ein Verkehrschaos und sicher keine Beruhigung. Darum will er im neuen Jahr darauf drängen: „Es muss eine Lösung gefunden werden.“ Jahrelang habe die Bahn gesagt, es geht, Schiller kann die jüngste Aussage deshalb nicht nachvollziehen. Auch die Überquerungslösung für die Schüler der Realschule, die wie die Lemminge von und zur S-Bahn laufen, könne erst gefunden werden, wenn die Bahn eine abschließende und verlässliche Aussage treffe. „Hat man die Bahn als Geschäfspartner, ist das immer eine spannende Geschichte“, meint Schiller mit hörbarer Ironie in der Stimme.

Feuerwehr

Als sinnvolle Investition empfindet Schiller die Anschaffung neuer Fahrzeuge für die Feuerwehr. „Die Aktiven fahren 600 Einsätze im Jahr, aber tagsüber sind immer weniger Leute verfügbar“, weiß der Rathauschef, Zwei so genannte Löschfahrzeuge werden durch zwei Hilfslöschfahrzeuge ersetzt. Fahrzeuge, die mit vier bis sechs Mann Besatzung dieselbe Einsatzkraft haben wie ansonsten drei Fahrzeuge mi jeweiligen Besatzungen. Abzüglich der Zuschüsse lässt die Gemeinde dafür gern rund 660 000 Euro springen. „Denn jeder schreit irgendwann mal nach der Feuerwehr“, weiß er. „Wir müssen die Voraussetzungen für deren Einsatzbereitschaft schaffen.“

Bei so vielen Themen darf sich der Bürgermeister zuletzt dann auch über eine Badeinsel freuen. Die zu erwähnen, war ihm am Ende seines Ausblick nochmal ganz wichtig.

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