Festnahme im Mordfall Peggy

Festnahme im Mordfall Peggy
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Der eine hatte die Idee , der andere hat sie ausgeführt: Die beiden Herrschinger Simon Rabe (l.) und Adrian Fuchs und ihre Freunde haben die Demo vor dem Kurparkschlösschen auf die Beine gestellt.

Jugend und Politk

Von wegen kein Interesse

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„Dass es so viele geworden sind, ist der Hammer.“ Adrian Fuchs freute sich und wirkte zum Ende hin erschöpft. Der 20-jährige Schüler hatte die Demonstration vor einer Woche angezeigt. Eine spontane Reaktion, nachdem die ersten Meldungen im Internet kursierten, dass die AfD im Kurparkschlösschen zu einer Veranstaltung einlädt.

Herrsching – Adrian Fuchs, Simon Rabe, Marcel W. oder Mats Lauffer – sie alle sind Herrschinger. Junge Herrschinger, die sich immer mal wieder treffen – am See, zum Basketball oder dergleichen mehr. Die meisten studieren – Politik, Ethnologie, Jura. Auch Adrian Fuchs will nächstes Jahr Jura studieren. Erstmal muss er Abitur machen. Zurzeit besucht er die FOS. „Wir sind eine bunte Mischung, auch Flüchtlinge sind dabei“, sagt er. Und diese Gruppe von 40, 50 Freunden sei alles andere als oberflächlich. Das politische Geschehen verfolgten sie mit großem Interesse. Deshalb steht in ihrem Gruppenchat schon mal: „Hast du den AfD-Flyer gesehen, wollen wir da was machen?“, erzählt der 20-Jährige.

Als im Internet die erste Meldung auftauchte, dass die AfD ins Kurparkschlösschen einlädt, sei es Simon Rabe gewesen, der in die Gruppe gefragt habe, ob sie nicht gemeinsam eine Demonstration organisieren wollten. Der 24-jährige Jura-Student selbst hatte keine Zeit. Adrian Fuchs schon. Also machte er sich im Internet schlau, was zu machen ist, und nahm es in die Hand, die Demonstration anzuzeigen.

„Die Leute sagen immer, die Jugend hätte kein Interesse an Politik“, sagt Adrian Fuchs. „Das ist überhaupt nicht so. Wir haben auch Parteimitglieder im Freundeskreis, Gregor zum Beispiel.“ Gregor Grosse ist mit 21 Jahren das jüngste Mitglied im SPD-Ortsverein Herrsching. Gregor Grosse hatte sich im Vorfeld der geschlossenen Veranstaltung im Kurpark dort angemeldet und nahm an der Fragerunde teil, so wie drei seiner Freunde aus Herrsching auch. Zweimal wäre er fast rausgeflogen, erzählt er. Einmal, nachdem die Gastrednerin die Demonstranten gewaltbereit und antidemokratisch genannt hatte. „Da hab’ ich interveniert“, sagt der 21-Jährige. Ein weiteres Mal, als die Sprechchöre von unten so laut wurden und er zu seinem Freund sagte, dass er das nicht Okay finde. „Das haben die missverstanden. Die dachten, ich meinte das ironisch. War aber nicht so.“ Das habe sich dann aufgeklärt und er blieb bis zum Schluss, hat sich einen eigenen Eindruck verschafft.

Für 100 Menschen war das Schlösschen gebucht, nicht mal halb so viel nahmen teil. „Zwischen 40 und 50“, schätzt Gregor Grosse. Der Dießener AfD-Bundestagabgeordnete Martin Hebner hatte schon im Vorfeld gesagt, dass es wohl weniger werden. Bis vor zwei Tagen stand nicht fest, ob das Parteitreffen in Herrsching überhaupt stattfindet.

Den Organisatoren der Demonstration ging es ähnlich. Erst am Donnerstag vor einer Woche kündigten sie die Demo über Facebook an, wussten aber auch erst am vergangenen Dienstag definitiv, dass die Veranstaltung per einstweiliger Verfügung stattfinden konnte. Von diesem Zeitpunkt an war es ein Selbstläufer.

Adrian Fuchs freut sich über eine „extrem gute Kooperation mit Polizei und Landratsamt. Die haben uns respektvoll behandelt.“ Das bestätigt auch Thomas Müller von der Polizei Herrsching. Der ein oder andere im Freundeskreis hätte anderes vermutet. „Aber nein, das war sehr cool.“ Dass es am Ende so viele Teilnehmer wurden, damit hatte niemand gerechnet. „Am absoluten Höhepunkt waren es zwischen 400 und 500“, schätzt der 20-Jährige. Da der Start schon um 18.30 Uhr war und die Demo einige Stunden andauerte, waren es wohl noch mal mehr – Junge, Ältere, Alte, Familien und viele Kommunalpolitiker aus dem gesamten Landkreis. Herrsching zeigte sich in der Tat bunt. „Wir haben von uns 15 Ordner abgestellt“, sagt Adrian Fuchs. Die Polizei war mit 20 Beamten vor Ort.

„Am Ende war es ein bisschen stressig, das so aufzulösen, dass es auch für die Polizei okay war“, fand der junge Herrschinger. Denn obwohl er die Demonstration um 20 Uhr für beendet erklärte, blieben viele noch länger vor dem Schlösschen und am Hinterausgang. Die Letzten sind erst gegen 21.45 Uhr gegangen, als es allmählich zu kalt wurde. „Aber es ging alles glatt über die Bühne. Wir haben unseren Standpunkt abgegeben und uns gut präsentiert. Kein einziger war gewaltbereit“, freut sich Adrian Fuchs. Natürlich ist er stolz über die große Resonanz, „die Leute waren gut drauf“. Und auch darauf will er hinweisen: „Der Trommler hat einen guten Job gemacht.“

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