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Im Kurpark in Herrsching fühlt sich Andrea Frick wohl. Sie ist als Studentin viel in der Welt unterwegs und freut sich auf eine Rückkehr ins Fünfseenland.

Studienprojekt

Weltbürgerin mit Sehnsucht nach Heimat

Andrea Frick steht am Herrschinger Badeplatz auf dem Sprungbrett und blickt über den Ammersee in die Berge. Sie liebt ihre Heimat, ist eine „Weltbürgerin“ – und im wahrsten Sinne auf dem Sprung in die Headquarters der Vereinten Nation (UN).

Herrsching/Tübingen/New York –  Als eine von 18 Studenten der Tübinger Universität reist die 24-Jährige im Rahmen des „National Model United Nations“ (NMUN) nach New York. Hier treffen sich an die 5000 Studenten aus Universitäten der ganzen Welt, die jeweils einen ihnen zugeordneten Staat vertreten. Tübingen wurde dieses Jahr Bahrain zugewiesen.

„Ich kenne viel von der Welt, aber über Bahrain wusste ich recht wenig“, stellt die Studentin fest, die nach einem anspruchsvollen Test aus 50 Bewerbern für die Simulation ausgewählt wurde und bereits ein paar Semester in Kalifornien und Frankreich studiert hat. Unterdessen weiß sie, dass sich der Nahost-Staat aus 33 Inseln im Persischen Golf zusammensetzt und die Regierung mehr Wert auf die Gesundheit seiner Bewohner legt, als man vermuten würde. „Die Impfungen sind dort für jedermann kostenlos, egal ob Staatsangehöriger oder Auslände“, weiß die junge Frau, die 2012 im Gilchinger Gymnasium ihr Abitur ablegte.

Auch machten sich die Köpfe des Landes über die psychische Gesundheit ihrer Bürger Gedanken. Denn das Volksleiden „Depression“ sei auch im Land des Schwarzen Goldes ein Problem und die Selbstmordrate erschreckend hoch. Das ist das Ergebnis von stundenlangen Recherchen, die die Herrschingerin und ihre Mitstudentin als „Delegierte“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) machten. Dahinter stecken viele zusätzliche Stunden, die sie neben den Arbeiten für ihren Masterstudiengang BWL mit Schwerpunkt ‚Finance Accounting and Controlling‘ erledigte. Denn das Einarbeiten in die Diplomatie ist zeitaufwendig – und „super interessant“, ist Frick begeistert.

Um so nah wie möglich die Arbeit der Vereinten Nationen simulieren zu können, sind jede Woche mehrere Zusatz-Seminare notwendig, die sich mit politischen Themen, Kulturen und den Aufgaben der Diplomaten befassen. So lernte Andrea, dass eine Diplomatin sich nicht nur in den Belangen ihres Landes wortwörtlich im Schlaf auskennen, sondern auch die Interessen aller Länder im Kopf haben muss. Dabei müssen die „Delegierten“ so geschickt wie möglich verhandeln, schließlich sollen sich in der mit einer Mehrheit gefundenen Resolution am Ende der Woche so viele Interessen des eigenen Landes wie möglich wiederfinden.

Die vorgegebenen Themen der WHO sind die Folgen der Umweltverschmutzung für die Gesundheit, Impfung oder Psychische Gesundheit. Weil die Simulation so echt wie möglich sein soll, steigen die „Delegierten“ im Hotel ab, in dem auch die „Echten“ absteigen. Damit sind unter anderem die hohen Kosten von 1500 Euro pro Kopf zu erklären, weshalb die Studenten nebenher auch arbeiten und Fundraising betreiben. Ob Andrea Frick eine diplomatische Karriere in Betracht zieht, weiß sie noch nicht. Eines weiß sie aber gewiss: Irgendwann möchte sie wieder im Fünfseenland leben. Mehr Informationen über das Projekt: nmuntuebingen.wordpress.com/

Michéle Kirner

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