Aktuell haben sie alle Hände voll zu tun: die Standesbeamtinnen Anna Maria Sterl (l.) und Angela Igl.
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Aktuell haben sie alle Hände voll zu tun: die Standesbeamtinnen Anna Maria Sterl (l.) und Angela Igl.

Standesamt Herrsching

Kapazitäten ausgeschöpft

  • vonAndrea Gräpel
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Die vielen Sterbefälle aktuell bringen Mitarbeiter in manchen Standesämtern ins Schwitzen. Wenn ein Krankenhaus im Ort ist, entsprechend mehr. Denn jeder Todesfall muss beurkundet werden, nicht nur die der gemeldeten Personen. Als die Herrschinger Schindlbeck-Klinik zum Beispiel im Dezember den Corona-Ausbruch hatte, waren die Kapazitäten bei Anna Maria Sterl und ihrer Kollegin Angela Igl ausgeschöpft.

Herrsching - Dazu kommt, dass Herrsching mit seinem Kurparkschlösschen auch ein beliebter Trauungsort ist. „Das Kontingent für auswärtige Paare ist für dieses Jahr deshalb schon ausgeschöpft“, sagt Anna Maria Sterl.

Die Ammerseegemeinde zählte für November und Dezember auf einen Schlag 47 Todesfälle. Insgesamt waren es im vergangenen Jahr 270 – weniger als im Vorjahr, als 298 registriert wurden. 47 Sterbefälle innerhalb kurzer Zeit sei aber viel. Als über die Feiertage nur ein Notdienst eingerichtet war, seien es zum Beispiel auf einen Schlag plötzlich 18 gewesen. „Das ist eine ganze Menge. Und wenn man dann anfangen muss, zu recherchieren, kann es sehr lange dauern“, sagt Anna Maria Sterl. Im Idealfall erhalten die Mitarbeiter in einem Standesamt ein Stammbuch, in dem alle Unterlagen gesammelt sind. Wenn es das nicht gibt, heißt es, den Hörer in die Hand nehmen und telefonieren.

Das Problem sei, dass die Standesämter wegen der Pandemie aktuell nicht voll besetzt seien. Auch in Herrsching hatten die beiden Standesbeamtinnen ab März in Schicht gearbeitet. Angela Igl muss darüber hinaus aktuell zweimal die Woche zu einer Schulung, weil sie im nächsten Jahr Anna Maria Sterl ablösen soll, die dann in Ruhestand geht.

Wenn also nur eine Standesbeamtin im Büro ist und Angaben nicht eindeutig sind, etwa zwei verschiedene Adressen vorliegen, werde es schwierig. Wenn eine Beurkundung normalerweise in einer halben Stunde erledigt sein könnte, könne es bei einer aufwendigen Recherche schon mal ein paar Stunden dauern. Ganz abgesehen vom laufenden Tagesgeschäft, das es auch noch gibt. „Kirchenaustritte konnten wir während des Notdienstes im vergangenen Jahr deshalb schon gar nicht mehr annehmen.“ Denn auch die müssen im Standesamt beurkundet werden.

Anna Maria Sterl ist seit Ende 1976 im Rathaus Herrsching beschäftigt, hat vier Bürgermeister erlebt. Seit den 1980er Jahren ist sie im Standesamt. So wie im vergangenen Jahr sei es aber nie gewesen. „Es ist alles ein bisschen schwierig“, sagt sie. Auch Bürgermeister Christian Schiller und Geschäftsleiter Günther Pausewang erkennen, dass die Kapazitäten momentan erreicht sind. Dabei sind Eheschließungen sogar viel weniger geworden. 2020 gab es gerade mal 62 Eheschließungen. Eine Handvoll sei wegen der Pandemie auf dieses Jahr verschoben worden. In normalen Jahren werden standesamtlich rund 100 Ehen in Herrsching geschlossen. Bei den Eheschließungen haben die beiden Damen im Standesamt aber Unterstützung durch die Teamleiterin im Einwohnermeldeamt und durch den Bürgermeister.

Anna Maria Sterl hat ihre Arbeit immer gern gemacht. Nach diesem Jahr gesteht sie aber, dass sie sich auf den Ruhestand im nächsten Jahr schon freut. Und natürlich wünscht sie sich, dass sich die Situation mit der Pandemie bald entspannt: „Wir hoffen, dass es in den Sommermonaten besser wird.“ grä

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