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Ein Rumpfteam: Zur jüngsten Besprechung kamen diesmal nur Anna-Christine Vielhaber, Mia Schmidt, Dorothee Frey-Burghardt, Hilmi Ahmed, Irmi Dahm, Rosemary Schmidt-Achert und Brigitte Brandl (v.l.). Einige waren verhindert, aber viel größer ist die Runde nicht mehr.

Nach 13 Jahren

Kein Willkommenstag für neue Herrschinger

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Erstmals seit 13 Jahren gibt es in Herrsching keinen Willkommenstag mehr für Menschen, die neu in der Gemeinde sind.

Herrsching – So etwas passierte den wenigsten Menschen, wenn sie in eine neue Gemeinde gezogen sind: Bei der Anmeldung im Rathaus wurde allen Neu-Herrschingern nicht nur eine Begrüßungstasche mit Info-Material überreicht, nein, wenn sie dann noch Fragen hatten, standen 18 ehrenamtliche Ansprechpartner mit Rat zur Verfügung. Und das in 17 Sprachen. Einmal im Jahr gab es darüber hinaus einen Willkommenstag für alle, um sich kennen zu lernen. Hinter all dem stand das Integrationsteam Herrsching. Das Integrationsteam gibt es bis heute, der Willkommenstag aber steht erstmals seit 13 Jahren nicht mehr auf dem Veranstaltungskalender der Gemeinde. Der regelmäßige Sprechtag, den das Team anbot, wurde bereits im März vergangenen Jahres eingestellt.

Brigitte Brandl, Dorothee Frey-Burghardt, Mia Schmidt, Anna-Christine Vielhaber, Rosemary Schmidt-Achert und Irmi Dahm – diese Namen standen schon 2005 ganz oben, als das Integrationsteam seine Arbeit aufnahm und ein Jahr später den viel gelobten und mancherorts als gutes Beispiel kopierten Willkommenstag ins Leben riefen. Eine Erfolgsgeschichte – ohne Frage. Damals gab es wenigstens zwei Hände voll Menschen mehr, die vor Ideen nur so sprudelten und die sich anboten, diese auch umzusetzen.

Der Kreis der Aktiven ist deutlich gesunken, als sich das Integrationsteam am Donnerstag im Rathaus trifft. Einige haben sich entschuldigen lassen, sind aber noch aktiv. Hilmi Ahmed ist dabei, er ist vor etwa vier Jahren dazu gestoßen. Am Donnerstag gesellte sich auch Bürgermeister Christian Schiller dazu. Es geht um die Ausrichtung der engagierten Runde, die aber zu klein geworden ist, um Aktionstage wie den Willkommenstag allein weiter stemmen zu können. Und es geht um den Namen. Der Begriff Integration habe seit dem Flüchtlingsstrom eine neue Bedeutung bekommen. Als das Team 2005 seine Arbeit aufnahm, ging es darum, Alteingesessene und Neuzugezogene miteinander bekannt zu machen, die Eingewöhnung in Herrsching zu erleichtern. „Heute denkt jeder bei Integration nur an Flüchtlingshilfe“, bedauerte Mia Schmidt.

„Wir waren Pioniere“

„Wir waren mit unserem Konzept damals der Zeit voraus, wir waren Pioniere“, erinnert sich Dorothee Frey-Burghardt stolz. Herrsching hätte etwas Außergewöhnliches auf den Weg gebracht, hatte Landrat Karl Roth gelobt, als das Integrationsteam sein Zehnjähriges feierte. Kein anderer Aktionstag hatte Vereinen und Institutionen eine gleichwertige Möglichkeit wie den Willkommenstag geboten, sich den „Neuen“ in der Gemeinde so zu präsentieren. Aber auch die Besucherzahl der Willkommenstage hat in den vergangenen Jahren abgenommen, ganz abgesehen von denen, die hinter den Kulissen mitwirkten.

„Wir brauchen eine Personaloffensive“, sagte Brigitte Brandl und brachte es damit auf den Punkt. Denn aufhören will von denen, die bis heute so leidenschaftlich für die Arbeit des Teams brennen, eigentlich keiner. Wenn das Team wieder besser aufgestellt sei, könne Neues entstehen, könne man das Thema Willkommenstag weiterdenken, überarbeiten.

Bürgermeister Schiller folgte den Gedanken aufmerksam, wohl wissend, was der Gemeinde verloren ginge, gäbe es das Integrationsteam nicht mehr. Die Frage, wo er all die neu geborenen Babys künftig willkommen heißen kann, wenn nicht auf dem Willkommenstag, stellt sich ihm ohnehin schon. Er schlug vor, die nächste Bürgerversammlung am 14. Februar in der Martinshalle für eine Personaloffensive zu nutzen. Ausnahmsweise könne sich zu dem Infomarkt des Rathauses auch ein Stand des Integrationteams gesellen. Dort könnten Herrschinger sich melden, wenn sie einen Beitrag zur Teamarbeit leisten möchten oder auch eine Idee haben. „Ideal“ fand Brigitte Brandl diese Idee und freute sich, denn ohne frischen Wind könne das verbliebene Rumpfteam nicht viel ausrichten.

Wer sich vorher dem Team anschließen möchte, ist unter info@herrsching.de schon heute willkommen.

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