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Kienbach: Amt legt Sachstand vor

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Von: Andrea Gräpel

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Zahlreiche Stufen verhindern aktuell, dass zum Beispiel die Seeforelle im Kienbach laichen kann.
Zahlreiche Stufen verhindern aktuell, dass zum Beispiel die Seeforelle im Kienbach laichen kann. © Andrea Jaksch

Zumindest die Bestandsvermessung ist abgeschlossen. Für Details einer Kienbach-Sanierung im Ortsbereich von Herrsching sind jedoch weitere Untersuchungen nötig. Trotzdem gab es am Montagabend im Gemeinderat schon mal einen Sachstandsbericht.

Herrsching – Projektleiter Johannes Haas und Abteilungsleiterin Sigrun Frank wollten vermutlich vor allem den Sorgen der „Bach- und Baumfreunde“ Rechnung tragen, denn viel Neues hatten die beiden Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes in Weilheim nicht im Gepäck, als sie am Montagabend im Herrschinger Gemeinderat waren. Wie berichtet, war der Aufschrei laut, als im Februar fünf Bäume am Kienbach als sogenannte Sofortmaßnahme im Namen des Hochwasserschutzes gefällt wurden. Vorboten einer Sanierung, die ohne Mitsprache von Gemeinde und Anrainern geschehen könnte – so lautete die Befürchtung der kurz darauf gegründeten Initiative. Um weiteren Sorgen vorzugreifen, legten die beiden Vertreter der Weilheimer Behörde dem Gemeinderat ihren Sachstandsbericht vor.

Neu ist, dass die Bestandsvermessung abgeschlossen ist. „Über 100 Bauwerke wurden bewertet“, erklärte Projektleiter Haas. Mauern neigten sich zum Teil in den Bach, seien unterspült, teilweise befänden sich Verkehrsflächen und Gebäude direkt dahinter. Insbesondere im Bereich der Mühlfelder Straße prognostizierte Haas eine große Gefährdung, wenn die Mauer nicht standhält. In der Simulation eines hundertjährigen Hochwassers versuchte er, diese Gefährdung zu verdeutlichen. „Das ist nicht der Worst Case“, betonte er wiederholt.

Auf der Darstellung allerdings standen Bereiche Herrschings unter Wasser, die bislang noch nie unter Wasser standen. Der letzte bekannte Übertritt des Kienbachs geschah im 19. Jahrhundert. Haas war sich dessen gewiss, warnte aber, dass die Situation eine andere sei, wenn die Mauern einbrächen und nur noch drei Viertel oder vier Fünftel des Durchflussvolumes möglich sei. „Der Rückstau würde zahlreiche Gebäude betreffen.“

Auf Haas’ Simulation wären bei einem hundertjährigen Hochwasser dann Köblweg und Von-Eichendorff-Straße bis zur Seestraße und runter bis zum See überflutet. Und seiner Meinung nach sei dies, wie gesagt, nicht einmal der schlimmste Fall.

Aktuell konnten lediglich Sanierungsabschnitte festgelegt werden. Die Details der Maßnahmen hingen von weiteren Untersuchungen ab, sagte er. Ein Baugutachten soll im Sommer vorliegen, ein geotechnisches Gutachten im Herbst. Erst danach könnten Maßnahmenvorschläge erarbeitet werden, die dann gemeinsam mit Gemeinde und Anliegern diskutiert würden – vermutlich im Winter 2022/23. Nur eine Maßnahme gelte schon aktuell als sicher, sagte Abteilungsleiterin Frank: der Neubau eines Schwemmholzrückhalt am Schluchtende.

Auf Nachfrage aus der Ratsrunde versicherten Haas und seine Kollegin, die Sanierung so ökologisch und erlebbar wie möglich umsetzen zu wollen. „Zum großen Teil ist dies aber abhängig von den Grundstückseigentümern“, sagte Haas. Nur dies konnte er versprechen: „Sicher ist, dass es kein Kastengerinne von oben bis unten geben wird.“

Er gab aber auch zu bedenken, dass natürliche Ausweichflächen nur in fünf bis zehn Meter Breite und mindestens auf einer Länge von 50 bis 100 Metern nützten. Im Ortsbereich ist dies kaum machbar und wenn nur mit den Grundstückseigentümern. In Erinnerung kam in diesem Zusammenhang die Planung zum Bahnhofsvorplatz aus dem Jahr 2018. In diesem Bereich gehört auch der Gemeinde ein Teil der Fläche. Ein öffentlicher Zugang zum Bach war dort vorgesehen. Etwas, was das Wasserwirtschaftsamt begrüßen würde, wie Sigrun Frank versicherte. „Sozialfunktion ist Bestandteil unserer Planungen.“ Die Frage ist, was schneller umgesetzt wird, die Bachsanierung, die mehrere Jahre in Anspruch nimmt, oder die Umgestaltung des Bahnhofsplatzes, die bereits seit vier Jahren stockt?

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