Herrschings Bürgermeister Christian Schiller im Neubaugebiet Am Fendlbach.
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Herrschings Bürgermeister Christian Schiller im Neubaugebiet Am Fendlbach. Er freut sich schon darauf, dass dort ein neues Kinderhaus entsteht. Die Fertigstellung ist allerdings erst für das Jahr 2024 vorgesehen.

Das bringt das Jahr 2021

Kinderhaus, Gemeindehaus, Unterkunft

  • vonAndrea Gräpel
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Christian Schiller hat im Mai seine dritte Amtsperiode als unabhängiger Bürgermeister Herrschings angetreten. Nach der Kommunalwahl galt es nicht nur, den neuen Gemeinderat unter erschwerten Corona-Bedingungen einzunorden. Schiller spricht von einem Jahr mit besonderen Herausforderungen und hofft, dass sich im nächsten Jahr alles wieder einspielt.

Herrsching – Herr Schiller, im März wurde gewählt, im Gemeinderat gab es große Veränderungen in der Zusammensetzung. Wie hat sich die Arbeit eingespielt?

Die Zusammenarbeit mit dem neuen Gemeinderat hat gut begonnen, aber bis wir zusammen mit den neuen Mitgliedern ein eingespieltes Team sind, dauert es noch. Wegen der Einschränkungen durch Corona fehlten Voraussetzungen für eine unkomplizierte Zusammenarbeit zum Beispiel wegen eingeschränkter Kontaktmöglichkeiten oder Verhinderung informeller Gespräche, die sonst üblich und hilfreich sind. Das ist ein spürbarer Nachteil.

Im nächsten Jahr stehen einige Projekte an, die schon in diesem Jahr in Angriff genommen werden sollten.

Sehr wichtig ist die Erarbeitung der Grundlagen für ein neues Kinderhaus Am Fendlbach. Damit haben wir bereits in der letzten Sitzung begonnen. Die Fertigstellung ist für 2024 geplant. Ich freue mich auch auf das neue Gemeindehaus in Widdersberg und darauf, dass wir damit endlich anfangen können. Vielleicht werden wir sogar noch im nächsten Jahr fertig. Dann hat das jahrelange Hin und Her ein Ende. Um endlich das alte Hurlehaus bei der Grund- und Mittelschule abreißen zu können und trotzdem für die Obdachlosen eine Unterbringung anzubieten, bauen wir eine neue Obdachlosenunterkunft.

Sind dort aktuell überhaupt noch Obdachlose untergebracht?

Nein. Wir haben einen Obdachlosen, den wir in einer Pension in Fürstenfeldbruck unterbringen konnten. Die schließt aber bald.

Wie geht es eigentlich mit dem Verkehrskonzept weiter?

Das Budget für das Verkehrskonzept haben wir für nächstes Jahr von 100 000 Euro auf 200 000 Euro erhöht. Es stehen einige Maßnahmen an. Zum Beispiel neue Straßenmarkierungen oder die Umsetzung flächendeckender Tempo-30-Zonen. Außerdem sind für die Rieder Straße zusätzliche Querungshilfen vorgesehen. Diese gehen jetzt in die Ausschreibung und werden voraussichtlich im Frühjahr 2021 gebaut.

Aus dem Gemeinderat kam der Wunsch, außer einem Arbeitskreis Verkehr auch einen Arbeitskreis Umwelt zu installieren. Wegen der Pandemie konnte er sich noch nicht treffen. Sind für ein nicht beschließendes Gremium wie einen Arbeitskreis auch Videokonferenzen denkbar?

Grundsätzlich ja. Das ist jedoch schwierig und aufwendig. Videokonferenzen bedürfen ziemlich viel Vorbereitung und verlangen von den Teilnehmern große Disziplin. In den Arbeitskreisen arbeiten ja auch nicht-gremienerfahrene Bürger mit, wie zum Beispiel Vertreter des Senioren- oder Jugendbeirats. Die Frage ist, ob das dann auch funktioniert, ob alle Beteiligten über die technischen Voraussetzungen verfügen und auch damit umgehen können. Wenn man sich nur ein- oder zweimal im Jahr trifft, fehlt die Routine, und spontane Diskussionen sind schwierig. Tatsächlich bevorzuge auch ich persönlich, diese Sitzungen physisch stattfinden zu lassen.

Üblicherweise finden Bürgerversammlungen in Herrsching im Frühjahr statt. In diesem Jahr nicht, weil Wahlkampf war. Greifen Sie die Idee einiger ihrer Amtskollegen auf, sich per Videobotschaft zu melden?

Darüber diskutieren wir gerade. Auch hier stellt sich die Frage nach Aufwand und Nutzen. Bei den Kollegen lag die Verweildauer der Teilnehmer über das Internet vor ihrem Bildschirm im Durchschnitt gerade mal bei zwölf Minuten. Die Bürger sind ohnehin dazu übergegangen, mit uns per E-Mail, Instagram oder Telefon Kontakt aufzunehmen. Täglich haben wir so mehrere Dutzend Anfragen. Wir nehmen jeden Kontakt ernst und beantworten ihn. Ich nehme vieles davon gleich unbürokratisch mit in den Gemeinderat. Ich freue mich immer auf den direkten Kontakt bei den Bürgerversammlungen. Per Video ist das einfach anders. Ich hoffe, dass wir im Frühjahr wieder zu Bürgerversammlungen einladen können und denken darüber nach, ob wir diese dann auch aufzeichnen, sodass die Bürger sie im Internet abrufen und zeitversetzt anschauen können.

Einen Jahresbericht hatten Sie ja bereits zu Beginn des Jahres herausgebracht.

Ja, und dieser ist natürlich auch wieder an alle Haushalte verteilt worden. Ich nehme an, dass wegen Corona die Aufmerksamkeit darauf etwas verloren ging. Wir erstellen den Bericht seit 2009 jedes Jahr mit bis zu 50 Seiten. Ich denke, wir sind die einzigen, die das in diesem Umfang so regelmäßig machen. Der Jahresbericht ist auch online auf der Gemeindehomepage abrufbar. Der nächste ist bereits in Arbeit und erscheint wie gewohnt zu Beginn des neuen Jahres.

Corona hat auch den Alltag im Rathaus verändert. Gibt es Maßnahmen, die Sie nach der Pandemie beibehalten würden?

Ja, zum Beispiel die Terminvereinbarungen. Wenn jemand einen Notfall hat, sind wir natürlich trotzdem da. Aber die Terminvereinbarung hat im Rathaus doch einiges entzerrt, vor allem im Einwohnermeldeamt. Dort gibt es jetzt keine langen Wartezeiten mehr. Davon profitieren vor allem die Bürger. Im Übrigen ist die Maskenpflicht über den ganzen Tag auch für unsere Mitarbeiter sehr anstrengend.

Wenn Sie auf dieses Jahr zurückblicken, wie fassen Sie es zusammen?

Es war ein völlig anderes Arbeiten, und es gab ganz andere Herausforderungen. Zur Freude meiner Familie hatte ich noch nie so wenige Abendtermine. Andererseits waren aber die, die trotzdem stattfanden, in der Vorbereitung viel aufwendiger als früher. Für mich war es, nicht nur wegen der Kommunalwahl, ein ganz besonders herausforderndes Jahr mit völlig neuen Erfahrungen.

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