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Ökologie vor Tiefgarage

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Von: Andrea Gräpel

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Kinderbetreuung
Kinderbetreuung in Schäftlarn wird teurer. © Uwe Anspach/dpa

Braucht das geplante Kinderhaus am Fendlbach in Herrsching eine Tiefgarage oder nicht? Darüber musste der Gemeinderat am Montag entscheiden. Es ging um Mehrkosten von einer Million Euro und um das Wohl und Wehe einer ökologischen Bauweise.

Herrsching – Dr. Sarah Ertl hatte die Stellplatzproblematik in der jüngsten Bauherren-und Planbesprechung im April ins Gespräch gebracht. Sie ist Vorsitzende der Elterninitiative Kunterbunt, die Träger des Kinderhauses am Fendlbach sein wird. Seit 1970 betreibt die Initiative den Kindergarten, der aktuell in einer alten Villa gegenüber des neuen Standorts an der Rieder Straße untergebracht ist. Es seien deshalb Erfahrungswerte, die sie in die Diskussion einbringe, sagte sie.

Zudem parkten aktuell viele Eltern zum Holen und Bringen am Rand der Rieder Straße. Dies werde nicht mehr möglich sein, wenn der Fahrradschutzstreifen aufgebracht sei. 14 Stellplätze, wie nach der Stellplatzsatzung vorgesehen, erschienen ihr so gesehen wenig bei einer Einrichtung, die mit sieben Gruppen für 144 Kinder geplant ist. Nach Sarah Ertls Hochrechnung würden 55 bis 60 Kinder mit dem Auto gebracht. Eine Tiefgarage sei auch für sie keine ideale Lösung: „Ich wollte das auch nur anmerken, dass es zu Problemen kommen kann, nicht muss.“

Eine Anmerkung, die aber zum Nachdenken zwang, weil sie nicht von der Hand zu weisen war. Am Montag legten Architekt Achim Füllemann und Tragwerkplaner Wolfgang Finger deshalb entsprechende Alternativen vor. Ohne Tiefgarage könnten zehn weitere Stellplätze zulasten der vorhandenen Freifläche ausgewiesen werden. Mit Tiefgarage und Verbleib der Freifläche würden die Kosten um eine Million Euro höher ausfallen. Aber von der von allen gewünschten ökologischen Holzbauweise müssten sich die Herrschinger zugunsten einer Stahlbetonweise mit vernichtender CO2-Bilanz dann auch verabschieden. Die Bodenverhältnisse ließen dies nicht anders zu. Die Folge wurde deshalb so deutlich, weil Füllemann dies in ausgewachsene Fichten umrechnete, die als Ersatz gepflanzt werden müssten. Ein ganzer Wald wäre dies mit circa 42 000 Bäumen.

Es waren Zahlen, bei denen nicht nur Gerd Mulert (Grüne) als einer von zwei Kümmerern aus den Ratsreihen die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Weil er bei Vorbesprechungen eingeladen war, hatte er sich für Montag bereits Gedanken gemacht, wie man das Stellplatz-Defizit auf noch andere Weise auffangen könnte. Zum Beispiel, in dem freie Tiefgaragenplätze im benachbarten Lagom von der Gemeinde angemietet würden. Eine Unmöglichkeit, wie Bauamtsleiter Guido Finster verdeutlichte. Mulerts Idee widerspreche der Baugenehmigung in dem Wohngebiet. Das Landratsamt würde dem nicht zustimmen.

Während die Befürworter in der Ratsrunde auf zusätzliche Lagerkapazitäten in einer Tiefgarage verwiesen, erinnerte Anke Rasmussen (Grüne) daran, dass sich der Gemeinderat vorgenommen habe, ökologisch zu bauen. Andererseits sollte der Gemeinderat die „Gerechtigkeit gegenüber Bauwerbern“ im Blick behalten, denen Tiefgaragen vorgeschrieben würden, sagte Wolfgang Schneider (SPD). „Ich wäre unbedingt dafür, Stellplätze in die Tiefgarage zu packen.“ Mit 11:13 Stimmen wurde diese Möglichkeit jedoch knapp abgelehnt. Ausweichstellflächen gebe es auch in Nebenstraßen wie dem Eichenweg.

Josef Fischer ist Anlieger und verfolgte die Sitzung aufmerksam. Ohne Tiefgarage, prophezeite er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur, werde es ein Verkehrschaos geben. Ohne Tiefgarage ließ sich jedoch die Frage nach der ökologischen Bauweise leichter klären. Die soll nun weiter in Holzbauweise erfolgen und zusätzliche Stellfläche (15:9) auf der Freifläche ausgewiesen werden. Zunächst vorgesehene Erweiterungsmöglichkeiten lehnten 21 von 24 Räten ab. Lieber solle irgendwann woanders neu gebaut werden. Mit sieben Gruppen sei die Einrichtung ohnehin schon groß. „Wir können doch kein Getto schaffen“, sagte Schneider. Notwendige Bebauungsplanänderungen wegen der Stellflächen wurden einstimmig befürwortet.

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