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Kleine Stärkung gefällig?

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Von: Andrea Gräpel

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Urlaubsfeeling vor dem Klosterbesuch: Der Kolumbianer Cristian Ramirez hat Idee seines „Schwagers“ neu belebt. Seit November betreibt er an der Kientalstraße sein „Café de la Montaña“.
Urlaubsfeeling vor dem Klosterbesuch: Der Kolumbianer Cristian Ramirez hat Idee seines „Schwagers“ neu belebt. Seit November betreibt er an der Kientalstraße sein „Café de la Montaña“. © Andrea Jaksch

Irgendetwas ist anders, plötzlich steht da ein Kiosk an der Kientalstraße in Herrsching. Schon seit November hat Cristian Ramirez seine Luke geöffnet und verkauft an schönen Tagen Waffeln, Kaffee, Getränke –und geröstete Grillen. Der Kolumbianer hat seine Schänke „Café de la Montaña“ getauft und damit den „letzten Kiosk vor Andechs“ neu belebt.

Herrsching - Die Kientalstraße in Herrsching ist keine normale Anwohnerstraße, vor allem ist sie ein Teil des Andechs-Wanderweges für all jene, die mit der S-Bahn kommen und durchs Kiental zum Kloster wandern. Wanderer und Radfahrer bevölkern diesen Weg an Wochenenden und an schönen Tagen. Josef Hirte hatte diesen Umstand vor 15 Jahren für sich genutzt. Damals Abiturient, stellte er eine kleine Hütte vor seinem Elternhaus auf und eröffnete für einen Sommer den „letzten Kiosk vor Andechs“. Was damals als Einnahmequelle für Weltreise gedacht war, hat der Lebensgefährte seiner Zwillingsschwester Julia (35), Cristian Ramirez, nun wiederbelebt.

Der 33-jährige Kolumbianer aus Catachena lebt seit 2019 in Deutschland. In seinem Heimatland hatte er soziale Kommunikation studiert, in Deutschland versuchte sich der Vater von zwei kleinen Kindern im Alter von zwei Jahren beziehungsweise acht Monaten mit seiner Passion der Fotografie über Wasser zu halten. Anfangs in München, „da hatte es uns nach dem Abi hinverschlagen“, sagt Julia Hirte. Als ihr erstes gemeinsames Kind zur Welt kam, zog die kleine Familie nach Herrsching. Und in Cristian Ramirez keimte die Idee, das blaue Häuschen, das in der Zwischenzeit als Geräteschuppen diente, seinem ursprünglichen Zweck zurückzuführen. Eine Idee, die begeistert.

Es hat ein bisschen was von Urlaub, wenn man an dem kolumbianischen „Bergcafé“ vorbeischlendert. Aus dem Verkaufsfenster strahlt einem das Lächeln des gut gelaunten Betreibers entgegen, im Hintergrund lateinamerikanische Klänge – die bunte Karte tut ihr Übriges. Das spanisch sprechende Publikum der Andechs-Besucher erkennt schnell den Kolumbianer, freut sich über einen Plausch auf Spanisch und die Erfrischung oder Stärkung, die Cristian Ramirez anbietet. Für den guten Kaffee hat sich der junge Vater eine hochwertige Siebträgermaschine in die blaue Hütte gestellt. Seine Spezialität sind allerdings Waffeln in allen Geschmacksrichtungen – ob deftig mit Parmesan oder süß mit Schokolade. Die Nachbarskinder wissen diese Waffeln zu schätzen, sie kommen fast jeden Tag im „Café de la Montaña“ vorbei. Für die ganze Nachbarschaft sei der Kiosk ein Treffpunkt geworden, freut sich auch Julia Hirte, die versichert, dass Abstand und Hygienemaßnahmen eingehalten werden müssen. „Es halten wirklich auch viele Andechs-Besucher an.“

Die Öffnungszeiten des Kiosks hängen vom Wetter ab. Vor allen an Wochenenden und in den Ferien soll die Verkaufsluke offen sein. An schönen Tagen auch unter der Woche. Zur Eröffnung im November hatte Cristian Ramirez noch warme Tage erwischt, „das war mega“. Die Wanderer nahmen das Angebot dankend an. Selbst alkoholfreie Cocktails liefen gut, sagt Julia Hirte und wirbt auch für eine exotische Spezialität aus dem Hause Hirte. Ihr Bruder Josef nämlich vertreibt seit einigen Jahren Insekten-Delikatessen. Seine „Wicked cricket“ (geröstete Grillen) in verschiedenen Geschmacksrichtungen dürfen in seinem ehemaligen letzten Kiosk vor Andechs nicht fehlen. Julia Hirte beschreibt das Geschmackserlebnis so: „Ist ein gewisser Ekel-Faktor überwunden, ist es ein bisschen wie Chips essen.“ Insekten seien beliebt, „sie sind ständig ausverkauft“. Auch bei Cristian Ramirez.

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