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„Vielleicht bin ich kein Trainertyp“: Matthias Krehl gibt trotz erfolgreicher Arbeit das Amt als Coach des TSV Herrsching II nach nur einem Jahr auf; er möchte aber in anderer Funktion beim TSV weiterarbeiten. 

Handball

Krehl will nicht mehr Trainer sein

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Matthias Krehl ist nicht mehr Trainer der Herrschinger Reservehandballer. Der Gymnasiallehrer traut sich die Aufgabe nicht zu, die vielen aus der A-Jugend in den Erwachsenenbereich wechselnden Spieler einzubauen. Er will aber weiter für den TSV in anderer Funktion arbeiten.

HerrschingMatthias Krehl ist es als Gymnasiallehrer gewohnt, Zensuren zu verteilen. Also bewertet der Trainer der Herrschinger Reservehandballer auch sein erstes Jahr beim Tabellensechsten der Bezirksoberliga. „Eine Zwei minus oder eine Drei“ gibt sich der Pädagoge als Note für sein Engagement im ersten Trainerjahr. Damit hätte der Neueinsteiger locker das Klassenziel erreicht. Aber eine Versetzung wird es nicht geben. Der Coach wirft am Ammersee das Handtuch. „Was die Mannschaft braucht, ist etwas, was ich nicht leisten kann“, sagt er. Es mangele bei ihm an den nötigen Qualifikationen. So viel schonungslose Offenheit ist selten in einer Branche, in der fast jeder Übungsleiter mit seinen übermenschlichen Fähigkeiten prahlt.

Als die Herrschinger Verantwortlichen Krehl im vergangenen Sommer verpflichteten, da wussten sie, dass sie sich einen Querdenker und Nonkonformisten ins Boot holten. Sie waren jedoch klug genug, ihm mit Hans Wannenmacher einen erfahrenen und geerdeten Haudegen zur Seite zu stellen, der in den vergangenen Monaten genauso von Krehl profitierte wie er von ihm. „Ich habe in Sachen Trainingsgestaltung und Spielanalyse wahnsinnig viel von ihm gelernt“, bedankte sich Krehl beim Erfahrensten der Herrschinger Trainergilde.

Das Gespann hätte sicherlich auch in der kommenden Saison einiges bewegen können. Aber irgendwie schreckte der 41-jährige Lehrer vor einer Aufgabe zurück, bei der ihn Wannenmacher gewiss nach Kräften unterstützt hätte. Krehl traute sich die Aufgabe, in der nächsten Saison elf A-Jugendliche in der Reserve einzubauen, nicht zu. „Die brauchen einen richtigen Ausbildungstrainer, und der bin ich nicht“, räumte der Coach selbstkritisch ein. Krehl sieht seine eigenen Stärken in der Sicherung des Status quo. „Ich bin eher ein Verwalter als ein Entwickler.“

Krehl ist vor allem ein Freigeist, dem es hin und wieder schwer fällt, sich in feste Strukturen einzufügen. So wurde es ihm zur Last, zuverlässig im Training zu erscheinen. Auch die Vorstellung, die handballfreie Zeit des Sommers mit der Vorbereitung auf die kommende Saison verbringen zu müssen, war dem begeisterten Skifahrer und Wanderer ein Graus. Der Unabhängige sah sich auf einmal von vielen Stricken gefesselt. „Der entscheidende Punkt war, dass ich negativen Stress aus der Sache gezogen habe“, räumte er ein. In Herrsching haben sie ihm deswegen nie einen Vorwurf gemacht. Krehl wusste, dass ihm die Verantwortlichen ihr ungeteiltes Vertrauen entgegenbrachten: „Der Verein hat mich so aufgenommen, wie ich bin.“ Die betrachteten sein Anderssein als belebende Bereicherung.

Und so ist es nur konsequent, dass sowohl der TSV als auch Krehl nach einem Weg suchen, wie sich die Zusammenarbeit fortsetzen lässt. „Ich würde gerne bei der Mannschaft bleiben“, kündigt Krehl an. Fragt sich nur, in welcher Funktion? Momentan fällt ihm nur ein, die Spiele der Gegner zu beobachten. Aber Krehl ist clever und kreativ und wird wohl den Schlüssel finden, wie er den Verein, bei dem er eine zweite Heimat gefunden hat, weiterhelfen kann. Sicher ist nur: Als Übungsleiter wird er nicht mehr fungieren. „Vielleicht bin ich kein Trainertyp“, äußert er leichte Selbstzweifel an seiner Rolle. Für so viel Aufrichtigkeit hat er sich im Betragen eine Eins verdient.

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