Es blieb nicht unbeobachtet, dass auf der Fläche neben dem Hegemann-Behelfspark an der Gewerbestraße in Herrsching vorbereitende Arbeiten für die Errichtung der Impf-Außenstelle begonnen haben.
+
Es blieb nicht unbeobachtet, dass auf der Fläche neben dem Hegemann-Behelfspark an der Gewerbestraße in Herrsching vorbereitende Arbeiten für die Errichtung der Impf-Außenstelle begonnen haben.

Impf-Außenstelle und neue Rettungswache

Zwei Fliegen mit einer Klappe

  • vonAndrea Gräpel
    schließen

Landrat Stefan Frey wirkte kämpferisch, als er die Pläne für die Impf-Außenstelle Herrsching gestern vorstellte. Die vorbereitenden Baggerarbeiten an der Gewerbestraße haben bereits begonnen. Im  April soll die Containeranlage auf der Freifläche neben dem Rewe in Betrieb gehen. Darüber hinaus wird das Grundstück gleich neben dem Behelfsparkplatz des Gartenbaubetriebs Hegemann Standort einer neuen BRK-Rettungswache – ebenfalls vorerst ein Provisorium. Langfristig hofft Kreisgeschäftsführer Jan Lang, an diesem Standort ein Rotkreuz-Zentrum errichten zu können.

Herrsching - Wie berichtet, entsteht in Herrsching eine von insgesamt vier Impf-Außenstellen im Landkreis. In Steinebach und Starnberg werden bereits zwei erprobt, und auch in Feldafing soll auf dem Bundeswehrgelände eine Einrichtung wie diese in Herrsching entstehen. Das Zentrum bleibt in Gauting, auch wenn die Örtlichkeiten in Herrsching mit einem Wartecontainer und einem Wartebereich in der großen Containeranlage mehr Komfort bieten werden.

Der Ausbau erfolgt mitten im Impf-Geschehen und kurz nachdem dem Landkreis ans Herz gelegt worden war, sämtliche Pläne dazu erst mal auf Eis zu legen. Dies geschieht insofern nur bedingt, weil mit dem Bau einer geplanten fünften Außenstelle in Gilching tatsächlich noch gewartet wird.

„Wir sind mitten im Impf-Geschehen“, sagt Frey. Man merkt ihm die Anspannung der vergangenen Wochen an, als er sagt, dass die Zahlen nicht so schlecht seien, wie sie manchmal gemacht würden: „Wenn jemand sagt, wir machen zu wenig, ist das falsch. Wir verimpfen alles, was wir haben.“ Das Problem: Starnberg ist bezüglich der Altersstruktur ein eher alter Landkreis. Beispielsweise wohnen rund 11 000 über 80-Jährige in den 14 Gemeinden. Entsprechend viele Menschen gehören zur Personengruppe mit hoher Impf-Priorität. Aber an den Mengen an Impfdosen, die täglich geliefert werden, könne auch Frey nicht drehen. Der Vergabeschlüssel erfolge nach Einwohnerzahl, ungeachtet des Altersdurchschnitts und vorhandener Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen. Im Landkreis Dachau mit zwei Kliniken und acht Senioreneinrichtungen werden inzwischen Menschen mit Priorität zwei geimpft. Starnberg habe im Vergleich dazu zehn Kliniken, 14 Senioreneinrichtungen sowie Pflege- und große Behinderteneinrichtungen. Frey: „All die versorgen wir mit.“ Jeden Tag stehe er in Kontakt mit dem Gesundheitsministerium, auch mit dem Minister. „Ich steh’ den Leuten wirklich auf dem Fuß“, versichert Frey. Aber weder das BRK noch der Landkreis könnten zaubern.

Wäre das Vakzin Astrazeneca nicht weggebrochen, hätte auch schon längst mit der Impfung von Lehrern und Erziehern begonnen werden sollen. „Es ist ein Verteilungskampf geworden. Und wir schauen, dass es gerecht verteilt wird.“ Und doch erkennt Frey wohl Licht am Ende des Tunnels, wenn er sagt: „Wir sind auf einem guten Weg. Bis Mitte April sind wir mit der Prio drei durch.“

Die nun laufenden Vorbereitungen für die Herrschinger Außenstelle seien ein gutes Zeichen, „ein Zeichen der Hoffnung“. Denn ab  April sollen wie in den anderen Außenstellen täglich bis zu 300 Dosen verimpft werden – alles unter Vorbehalt der tatsächlichen Lieferungen. Frey wartet gespannt auf das Ergebnis des nächsten Bund-Länder-Gipfels am heutigen Freitag.

Auch BRK-Kreisgeschäftsführer Lang spricht von einem „harten Kampf“. Dass nicht nur das Grundstück in Herrsching für Impf-Außenstelle und Rettungswache kurzfristig zur Verfügung standen, sondern auch noch Container zu bekommen gewesen seien, stimmt ihn glücklich. „Das ist aktuell kein Spaß, die zu bekommen.“

Hocherfreut ist natürlich auch Herrschings Bürgermeister Christian Schiller. Schon lange sei er mit dem BRK wegen eines Standorts für die Rettungswache im Gespräch gewesen. Dass der Eigentümer der Fläche nun zustimmte, freut Schiller, denn viele Möglichkeiten gebe es in Herrsching nicht. Dieses Grundstück habe bereits seit den 1980er-Jahren Baureife.

Vorerst bis Ende September sollen die provisorischen Anlagen im Gewerbegebiet stehen. „Dann sehen wir weiter“, so Lang. Abzeichnen würde sich jedoch schon jetzt, dass der Standort dem BRK erhalten bleibe. Die neue Wache, die von Seefeld nach Herrsching verlegt wird, soll möglichst langfristig an diesem Standort bleiben. „Hier könnten wir alles zusammenführen“, sagt der Kreisgeschäftsführer weiter und spricht davon, dass auch Wasserwacht und vor allem BRK-Bereitschaft an dieser Stelle ein Dach über dem Kopf bekommen sollen. Ein Rotkreuz-Zentrum schwebt Lang vor, ein Zentrum, in dem möglicherweise auch Tagespflegeplätze untergebracht werden könnten. Plätze, die der Ammerseegemeinde bislang schmerzlich fehlen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare