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Es gibt im Landkreis nur Zahnarzt Ketterer und sein Team, die immobilen Menschen zu Hause helfen: Manizha Noori, Parastoo Noori, Zahnärztin Laura Füßl, Zahnarzt Karlheinz Ketterer, Petra Erlacher und Linda Dietrich.

Hausbesuche

Wenn der Zahnarzt klingelt

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Herrsching - Seit neun Jahren kommt Zahnarzt Karlheinz Ketterer zu immobilen Menschen nach Hause. Er ist übriggeblieben von vier Zahnärzten im Landkreis, die sich seinerzeit als Flying Dentist zusammenschlossen. 

Es gibt nicht viele Menschen, die sich freuen, wenn ein Zahnarzttermin ansteht. In Pasing passiert es dem Herrschinger Zahnarzt Karlheinz Ketterer immer wieder. Dann, wenn er bei den Beatmungspatienten einer Pflegeeinrichtung im Alter von 16 bis 24 Jahren vorbeischaut. Ein Hausbesuch. Ketterer und seine Kollegin Laura Füßl sind nach Aussage Ketterers die einzigen Zahnärzte im Landkreis, die diesen mobilen Service anbieten.

„Die Beatmungspatienten freuen sich wirklich“, versichert der 59-jährige Ketterer. Mehr Dankbarbeit als Freude weht ihm bei seinen Hausbesuchen in Senioreneinrichtungen entgegen. Auch alleinlebende Menschen, die nicht mehr mobil sind, besucht er. Es gibt sogar feste Sprechzeiten einmal im Monat im Johanniterhaus, in Pasing und im Dominikus Ringeisenwerk in Breitbrunn. „Früher auch im Rummelsberger Stift, aber die haben sich nicht mehr gemeldet.“

Mit der Eröffnung des Johanniterhauses vor neun Jahren nahmen die Dinge ihren Lauf. Der niedergelassene Zahnarzt Ketterer gründete einen Ableger der von Barbara Stamm gestarteten Münchner Initiative Teamwork. Flying Dentist nannten sich fortan fünf Zahnärzte im Fünfseenland – aus Sees-haupt, Gauting, Starnberg, Tutzing und Herrsching. „Übrig geblieben sind heute zwei, mein Kollege aus Sees-haupt und ich“, sagt der Herrschinger.

„Die Hilfsdienste kennen meine alle meine Nummer“, sagte er. „Zwischen täglich und dreimal die Woche werden meine Kollegin und ich gerufen.“ Die Sprechzeiten in der Praxis sind so ausgerichtet, dass dies machbar ist. Aber der Service ist ein Zusatzgeschäft. „Für einen Hausbesuch zum Beispiel, bei dem ich einen Zahn ziehen muss, kann ich 30 Euro berechnen. Wenn dieser Hausbesuch nun in Gilching ist, mit 20 Minuten Aufbauzeit, zwei Helferinnen und Fahrtzeit eingerechnet, sind die Kosten natürlich nicht gedeckt. So darf man aber nicht rechnen.“ Für Ketterer habe vielmehr die ethische Komponente Bedeutung.

Seine Erfahrungen im Umgang mit Behinderten spielen dabei eine große Rolle. „Ich habe in meiner Studienzeit professionell mit einer Rollstuhlfahrerin getanzt“, erzählt Ketterer, „in einer Formation aus Fußgängern und Rollis.“ Dadurch hat er schon lange einen Bezug zu Menschen mit einer Behinderung.

Laura Füßl kennt ebenfalls nur wenige Kollegen, die Hausbesuche anbieten. Sie arbeitet seit Oktober vergangenen Jahres als Zahnärztin in Ketterers Praxis mit. Auch sie begab sich auf neues Terrain. „Beim ersten Mal war ich ein bisschen aufgeregt“, gesteht sie. „Aber die Mädels sind sehr gut eingespielt, das erleichtert die Sache. Nur das mit dem Rücken, daran muss man sich gewöhnen.“ Denn Rollstühle oder Betten sind keine Zahnarztstühle, die sich hoch- und runterfahren lassen.

Auch Ketterer räumt ein, dass es natürlich Behinderungen gebe, bei denen die Behandlung „gewöhnungsbedürftig“ sei. Aber das lege sich mit der Zeit. Er ist mittlerweile seit neun Jahren dabei und legt sich im Zweifelsfall auch mal neben den Patienten, wenn er einen Zahn ziehen muss. „Ganz ehrlich. Das ist besser für den Rücken.“ Laura Füßl ist soweit noch nicht.

Ausrüstung:

Anfangs war Ketterer ohne Bohrer unterwegs. Zu der Zeit konnte er dann zum Beispiel nur Druckstellen entfernen oder Zähne ziehen. Vor acht Jahren legte er sich eine mobile Ausrüstung mit Kompressor und Saugmaschine zu. 10 000 Euro hat er dafür investiert. Das war es ihm wert. Nun kann er mit Überschall Beläge entfernen, Bohren, Luft oder Wasser einsetzen und Sauger hat er auch, einen großen und einen kleinen. Zu den festen Sprechzeiten in den Einrichtungen ist das komplette achtköpfige Team dabei. Bei einzelnen Hausbesuchen werden Ketterer und seine Kollegin von jeweils zwei bis drei Helferinnen begleitet.

Die Krankenkassen rechnen den Besuch ab, kostendeckend ist er nicht. Umso dankbarer Reaktionen von Patienten und Angehörigen: „Meiner Schwester, die auf den Rollstuhl angewiesen ist, hat er eine Bissschiene angepasst – im Auto!“ In diesem Fall ist es Dagmar Mietner, die sagt: „Danke, dass es sie gibt.“ Ketterer wünschte sich weitere Kollegen, die das tun.

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