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Landrat Karl Roth beim Probesitzen auf dem Marktplatz der Oberstufen.

Gymnasium Herrsching

Eine Schule zum Wohlfühlen

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Herrsching - Es war die mittlerweile dritte Besichtigungstour und das fünfte Gymnasium, das sich Landrat Karl Roth, Herrschings Bürgermeister Christian Schiller und interessierte Kreisräte nun anschauten, um ein Vorgeschmack auf das Schul-Projekt in Herrsching zu bekommen. Ziel war diesmal das Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf, ein Plus-Energie-Haus. Die Starnberger Delegation war durch die Bank angetan.

Wo gibt es Lehrer, die an den Wochenenden in die Schule kommen, um dort zu arbeiten und ihre Kinder gleich mitnehmen, weil sie dort so wunderbar ins gesunder Atmosphäre spielen können? In Markt Diedorf. Günter Manhardt lacht, als er das sagt, aber der Leiter des Schmuttertal-Gymnasiums fühlt sich selbst „im Glück“. Seit September läuft der Schulbetrieb in seinem Gymnasium, das als moderne „Traumschule“ gilt. Nach dem „Luxusliner“ in Grünwald und Gymnasien in Trudering, Holzkirchen und Höhenkirchen war Diedorf diese Woche das fünfte Gymnasium, das sich Landrat Karl Roth und in seinem Gefolge Bürgermeister Christian Schiller sowie einige Kreisräte anschauten. Eine Vorzeigeschule im besten Sinne.

Seit der Eröffnung führt Schulleiter Manhardt zweimal in der Woche Besuchergruppen durch den Holzbau, ein Plus-Energie-Haus zum Wohlfühlen und ein Forschungsprojekt. Die Schule ist eine der ersten in Deutschland, die mehr Energie erzeugt als sie verbraucht. „Es sind zwar Fenster eingebaut, aber die haben wir abgeschlossen. Sie haben nur psychologische Wirkung“, sagt Manhardt. Der Mensch meine, frische Luft sei nötig. So sei er groß geworden. Das gilt in konventionellen Gebäuden bis heute, aber nicht in Niederigenergiehäusern und schon gar nicht in einem Plus-Energie-Haus. Es gebe kaum eine gesündere Raumluft als in dieser Einrichtung, schwärmt Manhardt. Eltern mit allergischen Kindern stünden Schlange bei ihm.

Jedes Klassenzimmer wird mechanisch belüftet. Das komplizierte Lüftungssystem nimmt den gesamten Kellerraum der Schule in Anspruch. „Das schaut aus wie im Raumschiff Orion“, stellte Hans-Michael Lemmer staunend fest. Er ist Architekt im Landratsamt Starnberg und für das Kreisprojekt Gymnasium Herrsching am Ende mitverantwortlich.

Dieses viel gelobte Klima ist auch der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zu verdanken, die das Projekt gefördert hat und weiter begleitet. Penibel wurde von den Stiftungsexperten darauf geachtet, dass ausschließlich schadstofffreie und umweltfreundliche Baustoffe verwendet wurden. „Das war beim Farblieferanten aus Diedorf besonders schwierig. Die geheime Mineralfarbenmixtur für das Fichtenholz wollten sie natürlich nicht rausrücken. Da mussten wir schon hinreden“, verriet Frank Schwindling, Kreisbaumeister im Landkreis Augsburg, der das kreiseigene Vorhaben beaufsichtigte.

Bei der Führung dabei waren natürlich auch Vertreter der Stiftung. Nicht nur einer, es waren gleich zwei. Wenn dies auf das Interesse der Stiftung schließen ließe, auch das Bauprojekt Herrsching begleiten zu wollen, wäre der Landkreis froh. Denn alle ökologischen Mehrkosten werden von der Stiftung zu 50 Prozent gefördert, ganz abgesehen von dem Knowhow, an dem der Landkreis partizipieren könnte.

Auf 38 Millionen Euro wird der Bau einer Schule für „maximal 800 Schüler“ (Landrat Karl Roth) in Herrsching geschätzt. Schon vor der Fehlschätzung des Behördenanbaus in Starnberg ging die Sorge um, dass sie auch viel teurer werden könnte. „Der Fluch der ersten Zahl“, wusste Ausgsburgs Kreisbaumeister Schwindling dazu zu berichten. Auch Diedorf sei zwischendrin als Flughafen Berlin und Elbphilharmonie verschrien gewesen, „am Ende war es fast eine Punktlandung“. Die Einrichtung in Diedorf, die für 850 Schüler ausgelegt ist, kostete 42 Millionen Euro – ohne Grundstück, das dem Kreis bereits gehörte. Die Schulen, die sich die Starnberger Delegationen in den vergangenen zwei Jahren anschauten, kosteten zwischen 40 und 62 Millionen Euro.

Parallelen zum Projekt in Herrsching lassen sich an der Lage erkennen. Die Schule grenzt an das Naturschutzgebiet Schmuttertal, nach dem sie benannt ist. Auch in Herrsching sind Schutzgebiete nicht weit entfernt. Den Blick auf den Ammersee oder ein ähnlich schönes Gewässer freilich können die Diedorfer nicht bieten.

Da sich die Starnberger nach langer Findungsphase auf ein Schulkonzept mit Lerninseln bis zur Mittelstufe einigen konnten, wurde Diedorf als Beispiel ausgesucht, weil es auch dort so genannte offene Lernräume gibt. In Diedorf allerdings zieht sich dieses Konzept bis zur Oberstufe durch, so dass der Raumbedarf für alle Jahrgänge platzsparend gestaltet werden konnte: Für fünf Klassen gibt es vier Klassenräume und einen „Marktplatz“, in Diedorf auch Campus genannt – die viel zitierte Lerninsel. Diese ist in den Oberstufen mit Computern und Lounge-Ecken ausgestattet. Und die naturwissenschaftlichen Fachräume werden fächerübergreifend gemeinsam genutzt. Unterm Strich hat jeder Schüler in Diedorf drei Quadratmeter Fläche für sich, zwei sind Pflicht. Und dies alles in Holzbauweise und durch Lichtschächte hell gehalten. Schulleiter Manhardt schwärmt und schwärmt und schwärmt auch von seinen Schülern, auf die sich diese harmonische Wohlfühlatmospäre zu übertragen scheint. Er habe in dem halben Jahr seit der Eröffnung nur eine Schmiererei gesehen, und er hat sich über dieses Werk, das „irgendein Vollpfosten“ dort hinterlassen hat, über die Lautsprechanlage für alle höbar geärgert. Noch bevor er die Reinigung in Auftrag gegeben habe, sei die Schmiererei am nächsten Tag wieder entfernt worden. Das hat bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Die Starnberger Besucher waren auch beeindruckt – sichtlich. Die zur inzwischen dritten Besichtigung weiter deutlich geschrumpfte Delegation – Landrat, Bürgermeister Schiller und vier Kreisräte (vom Förderverein für ein weiteres Gymnasium im westlichen Landkreis Starnberg war schon kein Vertreter mehr dabei) – war sich diesmal einig: „Die Schule gefällt mir am besten.“ Das sagte auch Architekt Lemmer, der gerne mit den Planer-Kollegen gesprochen hätte. Die waren bei der Führung aber nicht dabei.

In Starnberg ist das Projekt Herrsching derweil angelaufen. Wie berichtet, ist die Erschließungsplanung fast abgeschlossen, auf deren Grundlage im Herbst ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben wird. FDP-Kreisrat Dr. Oswald Gasser fand angesichts des guten Beispiels in Diedorf jedoch, das Starnberger Schulkonzept vielleicht noch einmal dahingehend zu überdenken, Lerninseln in allen Jahrgängen zu planen. „Wir sollten uns nochmal zusammensetzen“, schlug er vor. In Diedorf konnte dadurch Platz gespart werden, warum nicht auch in Herrsching

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