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Zuwachs für die kleine Schafherde: Lilli und Achim März vom Ignazhof in Widdersberg freuen sich über das neugeborene Tier. 

Landwirtschaft

Der Lebenskreislauf beim Ignazhof

Achim März betreibt mit seiner Familie den Ignazhof in Widdersberg. Der ehemalige Bankkaufmann hat ein in sich geschlossenes Ökosystem aufgebaut, wie er sagt. Dazu gehört auch die überraschende Geburt eines Schafes.

Widdersberg – Erwartungsvoll trippeln die Schafe zum Futtertrog, als das Auto von Achim März (41) vor ihrem Stall einparkt. Die fünf Shropshire, so heißt die Schafsrasse, unterstützt die Familie sozusagen beim Obstanbau. März hat das Grundstück „Heiligen Berg Feld“ 2008 gekauft. Darauf baute der ehemalige Bankkaufmann einen 100 Quadratmeter großen Feldstadel – mittlerweile dient er halb als Gerätelager, halb als Stall. Dazu gehört ein ebenso großes Betriebsgebäude für die Kirschen, Äpfel, Birnen und Zwetschgen, die auf dem 3800 Quadratmeter großen Areal wachsen. Die Ernte verarbeitet Bruder Jürgen März zu Schnäpsen, die im Hofladen verkauft werden. Die fünf Shropshire helfen mit ihrem Getrampel: Damit vertreiben sie die Wühlmäuse, die unter der Plantage Gänge bauen und Baumwurzeln anknabbern.

Mitte April holte der Familienvater die Tiere im Landkreis Weilheim ab. Für die Rasse entschied er sich aus zwei Gründen: Erstens fressen sie keine Baumrinde und zweitens eignen sie sich zum Schlachten. Daran mögen Mutter Niki (42) und Tochter Lilli (9) aber nicht denken. Die englischen Schafsdamen haben schließlich noch andere Qualitäten. Zum Beispiel mähen sie beim Fressen den Rasen – und das „bienenfreundlich“, betont der zweifache Vater. Das sei besser als der Schnitt mit dem Rasenmäher, denn dieser mache keinen Unterschied zwischen dem Schnittobjekt und dem fleißigen Insekt, das vielleicht just in diesem Moment ahnungslos den Nektar aus dem Blütenkelch saugt. Die Bienen, die aus dem Bienenstock auf dem Feld ausschwärmen, sind zum Bestäuben und für den Honig zuständig. Der wird in der Tenne im Ignazhof in Hochprozentiges umgewandelt.

Ein bis ins Detail ausgeklüngeltes System ist das, das der Landwirt mit den Viechern perfektionieren möchte. Sogar das Zufüttern im Winter wird mit der im Brennereiprozess übrig gebliebenen Gerstenmaische überflüssig, die den Tieren notwendige Nährstoffe liefert. Davon profitiert auch das winzige Böcklein, das in der Ecke fläzt und die Streicheleinheiten von Lilli genießt.

Er ist ein kleines Wunder, denn eigentlich hatte der Züchter erklärt, dass keines der Tiere trächtig sein konnte. „Die Deckzeit ist von August bis November“, teilte er März mit. Die Schwangerschaft dauert fünf Monate, recherchierte der 41-Jährige nach, bevor er die „auf-keinen-Fall-schwangeren“ Schafe im Anhänger in ihr neues Zuhause transportierte – und als die Familie vor einer guten Woche aus dem Urlaub zurückkam, lag da so ein kleines Schaf im Stroh und schaute sie mit riesigen Augen an. „Ein Silvesterknaller“, rechnet März den Moment der Zeugung zurück. Der Neuzugang ist jetzt der Herr im Haus. „Wir haben eine Menge Spaß mit den Viechern“, sagt März. Trotzdem muss der Kreislauf irgendwann weitergehen – wenn die süßen Viecher geschlachtet und im Ignazhof den Gästen als Lammgericht serviert werden. Gekauftes Lammfleisch stamme ja auch von einem ehemals lebendigen Schaf, erinnert der Familienvater seine Töchter. Die hören lieber weg und denken erst daran, wenn es so weit ist.

Von Michèle Kirner

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