Sprachen über das neue Einsatzkonzept, mit dem die Herrschinger Polizei auch nachts flexibler agieren kann: Polizeipräsident Günther Gietl vom Präsidium Oberbayern Nord, Bürgermeister Christian Schiller, Inspektionschef Erich Schilling, Vize-Inspektionsleiter Kevin Perleberg und Starnbergs Landrat Stefan Frey (v.l.). 
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Sprachen über das neue Einsatzkonzept, mit dem die Herrschinger Polizei auch nachts flexibler agieren kann: Polizeipräsident Günther Gietl vom Präsidium Oberbayern Nord, Bürgermeister Christian Schiller, Inspektionschef Erich Schilling, Vize-Inspektionsleiter Kevin Perleberg und Starnbergs Landrat Stefan Frey (v.l.). 

Alle verfügbaren Einheiten auf die Straße:

Leere Wache im Notfall - Herrschinger Polizei hat neues Einsatzmodell: Das steckt dahinter

Jeder Beamte fährt zum Einsatz, die Wache ist verwaist: Dieses Szenario ist bei der Polizei Herrsching dank Alarmanlage nun möglich. So könne man flexibler auf schwere Verkehrsunfälle oder Einbrüche reagieren, erklärt die Polizei und betont, dass sie trotzdem rund um die Uhr erreichbar ist – auch wenn mal keiner da ist.

Herrsching – Bei einer Auto-Karambolage oder einem Einbruch mit mehreren flüchtenden Tätern sind kleine Polizeidienststellen wie die Herrschinger aufgeschmissen. Sie haben nicht genug Leute, um der Lage gerecht zu werden. Kevin Perleberg, Vize-Inspektionsleiter, erinnert sich an einen Einbruch in einem großen Betrieb vor einigen Monaten. „Mit einer Streife kann man ein Gebäude nicht umstellen“, sagt er. Perleberg begrüßt das taktische Mittel, das die Herrschinger nun als erste Polizeiinspektion (PI) im Landkreis an die Hand bekommen hat – ganz offiziell am Dienstag beim Besuch des Präsidenten des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, Günther Gietl.

In Beamtendeutsch heißt die Neuerung „Konzept der Flexibilisierung des Außendienstes“. Konkret bedeutet es: In besonderen Fällen darf der Dienstgruppenleiter alle verfügbaren Polizisten zum Einsatz rausschicken – selbst wenn das bedeutet, dass die Wache dann verwaist ist. Das ist nun möglich – laut beamtendeutscher Pressemitteilung dank „baulichem und technischem Ausbau“. Heißt: Die PI hat jetzt unter anderem eine Alarmanlage und einbruchsichere Fenster. Vorher etwa nicht? Perleberg: „Nein, wir waren ja 24 Stunden an sieben Tagen besetzt.“

Polizei-Vizechef findet die neue Flexibilität gut

Und das werde mit Ausnahmen auch so bleiben, sagt der Vize-Polizeichef der Wache, die neben Herrsching auch für Weßling, Seefeld, Andechs, Inning und Wörthsee zuständig ist. Den flexiblen Außendienst führte die Polizei im Bereich Oberbayern Nord erstmals im Mai 2019 in Geisenfeld (Landkreis Pfaffenhofen) ein. Das Pilotprojekt läuft nun bald zwei Jahre. 28-mal griffen die Dienstgruppenleiter in dieser Zeit auf das taktische Mittel zurück und schickten alle verfügbaren Kräfte zum Einsatz – etwas öfter als einmal pro Monate. Und laut Perleberg vor allem nachts zwischen 21 und 4 Uhr, wenn die Wache knapp besetzt war. Die Einsätze dauerten zwischen 30 Minuten und drei Stunden.

Es kann in Herrsching ab dem 1. April also vorkommen, dass ein Bürger nachts einen Wild- oder Autounfall melden will und vor verschlossenen Türen steht. Wobei Perleberg das Wort Schließung vermeidet. Man sei immer erreichbar. Wer an der Tür klingelt oder anruft, wenn keiner da ist, wird automatisch mit der Einsatzzentrale in Ingolstadt verbunden. Die entscheidet dann, wie akut der Fall ist und alarmiert entsprechend Personal aus der näheren Umgebung. Bei größeren Einsätzen im Bereich der PI Herrsching kommt die Verstärkung etwa aus Starnberg und hat einen längeren Anfahrtsweg. Auch deshalb findet Vizechef Perleberg die neue Flexibilität gut.

Aber täuscht das alles nicht darüber hinweg, dass die kleineren Dienststellen eben recht dünn besetzt sind? Derartige Kritik übte Thomas Regnat, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, vor zwei Jahren bei der Einführung in Geisenfeld per Leserbrief im „Donaukurier“: „Eine echte Polizeipräsenz lässt sich nicht über ein flexibles Einsatzmanagement und die damit verbundenen verschlossenen Türen erreichen. Auch Schönrechnereien und statistische Kniffe bringen hier wenig. Nur mehr Polizisten bedeuten in der Realität mehr echte Polizeipräsenz“, schrieb er. Damit konfrontiert, verweist Perleberg auf das Konzept „Die Bayerische Polizei 2025“ zur Stellenverteilung des Bayerischen Innenministeriums. Er ist sicher: „Davon werden auch die Inspektionen im Landkreis Starnberg profitieren.“

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